Di., 25.09.2018

Sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche: Akten von 2502 Klerikerin untersucht Missbrauchsstudie: 111 Beschuldigte und 197 Opfer im Erzbistum Paderborn

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: dpa

Paderborn (WB/bex/epd/dpa). Die katholischen Bistümer in Nordrhein-Westfalen haben »tief beschämt« und »unendlich traurig« auf die Ergebnisse der Studie zum Umgang der Kirche mit sexuellem Missbrauch reagiert.

Die Studie, die am Dienstag von der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda vorgestellt wurde und den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch katholische Kleriker in den vergangenen Jahrzehnten umfangreich dokumentiert, sei ein Dokument für das »dramatische Leid«, das die Kirche Menschen angetan habe, sagte der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer.

Das Erzbistum Paderborn bezieht Stellung. Foto: Oliver Schwabe

4,4 Prozent der Kleriker

Im Erzbistum Paderborn wurden Akten von 2502 Klerikern untersucht. Die Dokumente stammen aus den Jahren 1946 bis Ende 2015. Bei 111 Kirchenmitarbeitern wurden dabei laut Erzbistum Paderborn Hinweise auf Missbrauch, Grenzüberschreitungen oder Übergriffe auf Minderjährige festgestellt. Das betrifft 4,4 Prozent der Kleriker, deren Akten untersucht wurden.

82 der beschuldigten Kleriker sind demnach bereits gestorben. Die meisten Fälle sollen sich in den 1950er und 60er Jahren ereignet haben.

197 Menschen wurden Opfer von sexuellen Missbrauch im Erzbistum. »Diese Zahl hat mich erschreckt«, sagte Generalvikar Alfons Hardt am Dienstag bei der Vorstellung der Ergebnisse der Missbrauchsstudie in Paderborn.

»Wir werden aus der Studie lernen. Wir werden unsere Prävention und unser tägliches Handeln auf den Prüfstand stellen. Wir werden den Betroffenen auch weiterhin zuhören.«

Marx: »Geleugnet, weggeschaut und vertuscht«

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, hat die Opfer des massenhaften sexuellen Missbrauchs unter dem Dach der Kirche in aller Form um Entschuldigung gebeten.

»Allzulange ist in der Kirche Missbrauch geleugnet, weggeschaut und vertuscht worden. Für dieses Versagen und für allen Schmerz bitte ich um Entschuldigung«, erklärte Marx.

Papst: Kirche muss sich ändern

Was in Deutschland gerade Thema ist, beschäftigt auch Papst Franziskus: Der Missbrauchsskandal ist seiner Meinung nach auch daran Schuld, dass junge Leute sich von der Kirche abwenden.

Viele Jugendliche würden die Kirche nicht mehr als einen bedeutsamen Gesprächspartner wahrnehmen, sagte der Pontifex bei seinem Besuch in Estland am Dienstag. Die Kirche müsse sich ändern, damit sie die Jugend nicht verliere.

»Manche wollen ausdrücklich in Ruhe gelassen werden, denn sie empfinden die Präsenz der Kirche als lästig, ja unangenehm. Sie sind empört über die Skandale sexueller und finanzieller Art, denen gegenüber sie keine klare Verurteilung sehen«, sagte der Papst bei einer ökumenischen Veranstaltung mit Jugendlichen in der estnischen Hauptstadt Tallinn.

Reaktionen aus den Bistümern

Der Evangelische Pressedienst (epd) dokumentiert nachfolgend einige Reaktionen aus den Bistümern in Nordrhein-Westfalen und von Betroffenen im Wortlaut:

»Wir müssen befürchten, dass es unter uns nach wie vor sexuellen Missbrauch gibt und geben kann.« – Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck.

»Ich dulde in unserem Erzbistum keinerlei Vertuschung« – Der Kölner Erzbischof, Kardinal Rainer-Maria Woelki.

»Wir haben die Spitze des Eisbergs gesehen.« – Der Interventionsbeauftragte des Erzbistums Köln, Oliver Vogt.

»Ich schäme mich für meine Kirche und bin unendlich traurig« – Der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer.

»Dieses institutionelle Versagen der katholischen Kirche empfinde ich als skandalös, denn es steht im absoluten Gegensatz zu dem, woran wir glauben.« – Der Aachener Generalvikar Andreas Frick.

»Nicht die Institution und ihre durch den Missbrauch schwer beschädigte Glaubwürdigkeit müssen im Mittelpunkt stehen, sondern ohne Wenn und Aber die Opfer.« – Der Generalvikar des Bistums Münster, Norbert Köster.

»Heute weinen dieselben Bischöfe Krokodilstränen, die die Archive zur Aufklärung nicht geöffnet haben.« – Der Opferverband »Eckiger Tisch« in Bonn.

»Die Studie greift zu kurz, weil darin die meisten Opfer gar nicht erfasst sind. Diese Opfer gab es vor allem in kirchlichen Heimen und Institutionen zu Tausenden.« – Winfried Ponsens und Sylvia Witte vom Verein »Missbrauchsopfer Collegium Josephinum Bonn und Redemptoristen«.

 

 

 

 

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