Mi., 03.10.2018

Einsatzgruppe des ASB Paderborn hilft Geflüchteten bei der Integration Sanitäter sagen Danke

Moustafa Aldarwish, Adad Affach und Qutaiba Al Mousa (von links) haben auf Libori ein Mobiles Erstversorgungsteam gestellt. Die Bombenentschärfung im April, das Asta-Festival und Libori waren die ersten großen Sanitätseinsätze der Gruppe.

Moustafa Aldarwish, Adad Affach und Qutaiba Al Mousa (von links) haben auf Libori ein Mobiles Erstversorgungsteam gestellt. Die Bombenentschärfung im April, das Asta-Festival und Libori waren die ersten großen Sanitätseinsätze der Gruppe. Foto: Jörn Hannemann

Von Maike Stahl

Paderborn (WB). Karam Cheikh Alachra ist vor dem Krieg in seiner Heimat Syrien geflüchtet und kam vor drei Jahren in Deutschland an. Neben seinem Informatikstudium an der Uni Paderborn engagiert der 22-Jährige sich ehrenamtlich beim Arbeiter-Samariter-Bund. »Ich habe hier so viel Hilfe erfahren. Das ist das Beste, was ich tun kann, um etwas zurückzugeben«, sagt er.

Alachra gehört der Einsatzgruppe Paderborn an. Diese besteht seit 2008, ist in den letzten anderthalb Jahren aber enorm bis auf 56 Mitglieder gewachsen. Denn im April 2017 startete das Projekt »Geflüchtete Ehrenamtliche im Katastrophenschutz«. »Die heutige Einsatzgruppe besteht fast ausschließlich aus Helfern des Projekts«, berichtet deren Leiter Samer Chtewi.

Offene Flüchtlingsberatungsstelle eingerichtet

Chtewi selbst, der vorher im Sicherheitsbereich tätig war, ist zum ASB gekommen, als dieser 2015 die Betreuung von Aufnahmeeinrichtungen des Landes in Detmold und Bielefeld übernommen hat und die Mitarbeiterzahl entsprechend erhöhte. »Als sich abzeichnete, dass diese Einrichtungen nicht mehr benötigt werden, haben wir überlegt, wie wir sinnvoll weiter machen könnten«, berichtet ASB-Geschäftsführer Ingo Schlotterbeck. So sei die Idee entstanden, eine offene Flüchtlingsberatungsstelle einzurichten. »Für uns war das mit der Idee verbunden, den Menschen nicht nur Orientierung, sondern auch Know-how zu bieten und die Möglichkeit, etwas zurückzugeben, wenn sie möchten.« Schließlich sei der ASB wie die meisten Hilfsorganisationen ständig auf der Suche nach Erenamtlichen.

Ehrenamtsprinzip war zunächst schwer zu vermitteln

Samer Chtewi war für Schlotterbeck als Leiter der Flüchtlingsberatung gesetzt. »Er lebt das Thema Integration. Das ist für ihn kein Job, sondern Berufung.« Unterstützt wird Chtewi von seinem Bruder Dani. Sie stehen Flüchtlingen bei allen kleinen und großen Sorgen des Alltags mit Rat und Tat zur Seite und haben die Einsatzgruppe aufgebaut. »Am Anfang war es schwer, das Prinzip der Ehrenamtlichkeit zu vermitteln. Das gibt es so nur in Deutschland«, erinnert er sich.

Über Glaube und Politik wird nicht gesprochen

Damit es keine Konflikte gibt, stellte Chtewi eine Grundregel auf: »Wir sprechen nicht über Glaube und Politik, weil diese Themen die Krise im Orient erst ausgelöst haben.« Stattdessen hat er dafür gesorgt, dass die Mitglieder aus neun Nationen schnell zu einer Gemeinschaft werden. Zu den Dienstabenden werden die Teilnehmer mit Transportern eingesammelt. »Als wir angefangen haben, haben wir erst einmal zusammen gekocht und gegessen«, berichtet er. Neben der Sanitäts- und Helferausbildung haben die Geflüchteten zusätzlichen Sprachunterricht erhalten. Inzwischen sind die ersten bereits Rettungshelfer und auf dem besten Weg zum Rettungssanitäter. Einige bilden bereits selbst Jugendliche und Ersthelfer aus – auch Karam Cheikh Alachra. »Wenn man in einem Kriegsland gelebt hat, und täglich ansehen musste, wie Menschen verletzt und getötet wurden, fühlt man sich gezwungen, anderen zu helfen. Ich bin froh, dass ich das jetzt kann.«

»ASB hat geholfen, in Deutschland anzukommen«

Alachra steht damit für die meisten Gruppenmitglieder, die ihre ASB-Einsatzkleidung mit Stolz tragen. Wiam Fadrul (26), der ebenfalls aus Syrien geflüchtet ist, sieht auch seine berufliche Zukunft im Sanitätsdienst. »Ich würde gerne beim ASB bleiben und hoffe, dass ich Bundesfreiwilligendienst hier absolvieren kann.« Der ASB habe ihm geholfen, in Deutschland anzukommen.

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