Uni Paderborn und Brauerei stellen Ergebnisse einer Online-Befragung vor
Schützenvereine für Frauen öffnen

Paderborn (WB). Die Schützenfestsaison ist zu Ende, die Geschichte des Schützenwesens noch lange nicht. Dass Vereine eine Zukunft haben, wenn sie zum Beispiel endlich Frauen zulassen, zeigen die Ergebnisse einer Online-Umfrage, die die Universität Paderborn und die Brauerei Warsteiner als Kooperationspartner jetzt vorgestellt haben.

Samstag, 06.10.2018, 12:59 Uhr aktualisiert: 06.10.2018, 13:02 Uhr
Männerdomäne Schützenverein: Mehr als die Hälfte der Befragten sprach sich in einer Online-Befragung dafür aus, dass Frauen in den Vereinen gleichberechtigt mitmachen dürfen. Foto: Jörn Hannemann
Männerdomäne Schützenverein: Mehr als die Hälfte der Befragten sprach sich in einer Online-Befragung dafür aus, dass Frauen in den Vereinen gleichberechtigt mitmachen dürfen. Foto: Jörn Hannemann

Mehr als die Hälfte der 5470 Befragten (54,95 Prozent) sprachen sich dafür aus, dass Frauen in den Vereinen gleichberechtigt mitmachen dürfen. Mehr als 20 Prozent derjenigen Befragten, die nicht einem Schützenverein angehören, gaben an, möglicherweise beizutreten, wenn sich die Vereine den Frauen öffnen.

»Das Schützenwesen des 21. Jahrhunderts ist weiterhin lebendiger Bestandteil der gesellschaftlichen Identität Westfalens, wenn Vereine auch zukünftig in ihrer Ausrichtung integrativ und interaktiv agieren«, betont der Kulturwissenschaftler der Universität Paderborn, Jonas Leineweber.

An Schützenfesten und Uniformen sparen?

Der 24-Jährige arbeitet im Center for Risk Management (CeRiMa) der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften. Das CeRiMa betreut das Projekt »Tradition im Wandel« federführend.

Darin wird seit mehr als zwei Jahren untersucht, vor welchen Herausforderungen die Schützenvereine stehen, ob ihre Strukturen noch zeitgemäß sind und die Werte Glaube, Sitte und Heimat von der breiten Bevölkerung überhaupt noch akzeptiert werden. Zu den Herausforderungen gehören die Altersstruktur und die wachsende Bürokratie mit den zahlreichen Sicherheitsauflagen für die Feste.

Vereine stellen sich die Frage, ob sie aus Kostengründen die Schützenfeste verkürzen oder auf Uniformen verzichten, um dem Vorwurf, Schützen seien rückwärtsgewandt, zu begegnen. Zuletzt war in Altenbeken (Kreis Paderborn) der dortige Schützenverein in die Schlagzeilen geraten, als an einer Uniformjacke ein Nazi-Orden hing.

Orientierung, Kontinuität, Identität

Die Online-Umfrage zwischen Mai und August 2017 unter Schützen und Nichtschützen bildet ein Kernelement des Projekts »Tradition im Wandel«. Zum Thema Uniformen erbrachte sie ein überraschendes Ergebnis: Demnach finden junge Leute bis 25 Uniformen attraktiv oder sogar sehr attraktiv. Dagegen könnten Menschen über 45 gern darauf verzichten.

»Unsere Hypothese war, dass jüngere Leute sagen, Uniformen brauchen wir nicht, aber offenbar werden sie mit Struktur und Orientierung verbunden und damit, dass man sich einem Kollektiv anpasst«, sagte Leineweber dieser Zeitung. Auch nach der Bedeutung von Werten wurde gefragt. Das Bekenntnis zur Heimat ist demnach deutlich wichtiger als Glaube und Sitte.

Die hohe Beteiligung an der Umfrage und die Ergebnisse wertet Leineweber als »Bekenntnis zum Schützenwesen«. Schützenvereine böten Orientierung, stünden für Kontinuität und seien für die Identität eines Ortes wichtig, betont Leineweber, der selbst Jungschützenmeister in Schwaney (Kreis Paderborn) ist.

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