Do., 11.10.2018

Nach dem Durchstich der Umflut sucht der Fluss selbst seinen Weg – mit Video Pader bettet sich jetzt um

Da ist es geschafft: Der Bagger hat Erde und Kies entfernt und damit Ober- und Unterlauf der Pader wieder verbunden. Auch wenn der Durchstich nicht ganz so spektakulär war, wie mancher Zuschauer vielleicht erhofft hatte, gab es Beifall.

Da ist es geschafft: Der Bagger hat Erde und Kies entfernt und damit Ober- und Unterlauf der Pader wieder verbunden. Auch wenn der Durchstich nicht ganz so spektakulär war, wie mancher Zuschauer vielleicht erhofft hatte, gab es Beifall. Foto: Jörn Hannemann

Von Maike Stahl

Paderborn (WB). Seit Mittwoch fließt die Pader um den Padersee herum. Der kürzeste Fluss Deutschlands ist sie trotz des Umwegs immer noch, versicherte Bauleiter Axel Schröder beim letzten Durchstich für die Umflut mit einem Augenzwinkern. »Die vier Kilometer dürften sich nicht bemerkenswert verlängert haben.«

Bemerkenswert sollen hingegen die ökologischen Konsequenzen der Umflut sein. »Fische und andere Gewässerorganismen haben dann wieder die Möglichkeit, die obere Pader und die Bäche und Quellen den Rothebachsystems zu erreichen«, erläuterte Schröder den vielen Schaulustigen, die den Durchstich von der neuen Brücke aus verfolgten. Gleichzeitig wird das nährstoffreiche Paderwasser den See nicht mehr belasten.

Die Umflut hat 5,5 Millionen Euro gekostet

Bürgermeister Michael Dreier bezeichnete die Paderseeumflut als »größtes ökologisches Gewässerentwicklungsprojekt in Paderborn«. »Das ist ein ganz wichtiges Projekt für Paderborn, da die Pader die grüne Lunge unserer Stadt ist«, betonte er. 5,5 Millionen Euro hat der Bau der Umflut insgesamt gekostet. 80 Prozent davon werden vom Land übernommen. Ursprünglich war mit 4,3 Millionen Euro kalkuliert worden . »Steigende Baukosten, allein im dritten Bauabschnitt fast 14 Prozent, und eine unvorhergesehene Altlastenentsorgung haben es teurer gemacht«, erläuterte Schröder. Dabei handele es sich um chromhaltige Schlacken, die 1980 eingebaut worden seien und nun teuer entsorgt werden müssten. Auch die Mehrkosten sind aber wohl förderfähig, zeigte sich Lutz Kunz von der Bezirksregierung optimistisch.

270 Meter Spundwände wurden für den Trenndamm eingebracht

Etwa 800 Meter lang ist die Umflut. Allein 270 Meter Stahlspundwände mussten für den Trenndamm eingebracht werden. 25 Kilometer Fließgewässer oberhalb des Padersees wurden mit dem Durchstich an den Unterlauf der Pader angeschlossen. Axel Schröder wies zudem darauf hin, wie artenreich sich die neue Paderaue innerhalb nur eines Jahres bereits wieder begrünt hat. Diese Aussicht wird sicher auch die Besucher des Padercafès versöhnen, die jetzt im Sitzen nicht direkt auf den See, sondern auf die Paderaue und den Trenndamm schauen.

Bis Weihnachten soll alles fertig sein

Die Pader zu beobachten, verspricht ebenfalls spannend zu werden. »Wir haben ihr nur ein Initialflussbett angedeutet«, sagt Schröder. »Jetzt entscheidet sie selbst, wo sie genau lang fließen möchte.« Während der Fluss sich seinen neuen Weg sucht, werden die Bauarbeiten noch einige Wochen fortgesetzt. Ein Hochwasserüberlauf von der Pader in den See wird noch gebaut, und Restarbeiten am Damm sowie den neuen Brücken stehen an. Bis Weihnachten soll alles fertig sein. Aktuelle Informationen und Fotos zu dem Projekt veröffentlicht die Stadt regelmäßig im Internet .

Kommentar

Ja, ohne Frage, 5,5 Millionen Euro sind eine Menge Geld. Aber für die Umflut am Padersee sind sie keinesfalls versenkt worden, sondern sehr gut angelegt. Der hinter uns liegende Sommer hat eindrucksvoll bewiesen, wie wertvoll die Funktion intakter Gewässer für das Stadtklima ist. Hier hat Paderborn mit den Paderquellen und dem damit verbundenen Gewässersystem einen Schatz, den es unbedingt zu hüten gilt. Die Umflut ist ebenso wie die Umgestaltung des Oberlaufs ein wichtiger Baustein dazu.Maike Stahl

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