Sa., 13.10.2018

Plastik von Wilfried Hagebölling steht vor der Theologischen Fakultät in Paderborn »Folterkäfig« ist zurück in Paderborn

Wollen mit der Käfig-Plastik am Entstehungsort von Friedrich Spees Streitschrift Cautio Criminalis auf Folter in der Gegenwart hinweisen (von links): Rektor Prof. Wolfgang Thönissen, Künstler Wilfried Hagebölling und Prof. Josef Meyer zu Schlochtern.

Wollen mit der Käfig-Plastik am Entstehungsort von Friedrich Spees Streitschrift Cautio Criminalis auf Folter in der Gegenwart hinweisen (von links): Rektor Prof. Wolfgang Thönissen, Künstler Wilfried Hagebölling und Prof. Josef Meyer zu Schlochtern. Foto: Krysmann

Paderborn (WB). Er steht im Weg, ist unbequem und provoziert: der rund drei Meter lange, ein Meter tiefe und zwei Meter hohe Käfig aus Holz und Eisen vor dem Eingang zum Auditorium Maximum der Theologischen Fakultät Paderborn.

Es handelt sich um das Werk »Abu-Ghureib 2003/2004 – Friedrich von Spee 1631/1632« des Paderborner Künstlers Wilfried Hagebölling, das seit Beginn des Wintersemesters im Hof der Fakultät (Eingang Klingelgasse) zu sehen ist.

Die Käfig-Plastik, auf deren Boden der Hinweis »Isolierzelle, wie sie US-Truppen für Abu-Ghureib-Häftlinge in Bagdad benutzen« zu lesen ist, soll ein künstlerischer Protest gegen Folter in der Gegenwart sein. Der Bezug auf Friedrich Spee von Langenfeld (1591–1635) wird mit der Aufstellung im Bereich der ehemaligen Jesuitenuniversität, der heutigen Theologischen Fakultät Paderborn, zum Ausdruck gebracht, weil der bedeutende Barockdichter und Kämpfer gegen den Hexenwahn hier seine Streitschrift »Cautio Criminalis« gegen Folter und Hexenwahn verfasst hat.

Käfig stand schon in Osnabrück und auch in Soest

»Folter ist heute ein ganz wichtiges Thema, weil unsere Welt sehr stark durch Kräfte bedrängt wird, die unmenschlich und nicht hinnehmbar sind. Das möchten wir mit der Aktion vergegenwärtigen«, erklärt Wilfried Hagebölling. Wichtig sei ihm dabei der Verweis auf Friedrich Spee, dessen Person und Denken ihn angeregt hätten, vor 14 Jahren diesen Käfig zu bauen, den er seinerzeit »als Provokation gegen Gleichgültigkeit aufgestellt« habe. »Damals war es ein großer Skandal, als die Arbeit vor dem Gymnasium Theodorianum am Kamp stand«, erinnert sich der gesellschaftskritische Künstler. Viele hätten sein Anliegen nicht verstanden. »Jetzt, nachdem der Käfig zwischenzeitlich von Paderborn aus über Osnabrück und Soest gewandert ist, gehört er aber wieder genau hier hin.«

Zur Neuauflage der Ausstellung eingeladen hatte Professor Dr. Josef Meyer zu Schlochtern, der regelmäßig in Paderborn Kunstaktionen in Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben startet. Diesmal ist ihm wichtig, dass auch die Studierenden »den Impuls, den Friedrich Spee gegen Folter und Hexenwahn gesetzt hat, kennen lernen.« Schließlich habe dieser Dichter und Denker nicht nur schöne Weihnachts- und Adventslieder geschrieben, die heute noch gerne gesungen würden. »Meiner Meinung nach gehört es zur theologischen Ausbildung an diesem Ort, um Friedrich Spee und seine Verdienste als Vermächtnis für unsere Zeit zu wissen«, so Meyer zu Schlochtern.

Kunstwerk hat auch eine politische Seite

Dass die Ausstellung richtig verortet ist, darüber besteht auch für Rektor Professor Dr. Wolfgang Thönissen kein Zweifel. »Die Theologische Fakultät Paderborn befindet sich mitten in der Innenstadt, sodass sie dort, wo Menschen arbeiten, studieren, leben, sich begegnen, ein starkes Zeichen setzten kann.« Zwar seien die Verbindungen zu Friedrich Spee an mehreren Stellen in der Stadt erkennbar. Dass er aber auch eine politische Seite habe, das könne jetzt durch das Kunstwerk an diesem Ort hervorgehoben werden. »Hier können wir mit der Ausstellung zeigen, dass Friedrich Spee mit seiner Cautio Criminalis ein ungemein politisch denkender Theologe war.«

Voraussichtlich soll es noch in diesem Jahr eine öffentliche Podiumsdiskussion mit dem Künstler geben.

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