Mo., 15.10.2018

Angelika Milsters faszinierender Streifzug durch die Musicalhistorie in Paderborn Die Diva gibt alles

Die Paderhalle liegt ihr am Sonntag zu Füßen: Angelika Milster beeindruckt durch ihre kräftige und wandlungsfähige Stimme und durch ihr Talent, sich in ihre Figuren hineinzuversetzen. Eine stürmisch geforderte Zugabe war der Lohn.

Die Paderhalle liegt ihr am Sonntag zu Füßen: Angelika Milster beeindruckt durch ihre kräftige und wandlungsfähige Stimme und durch ihr Talent, sich in ihre Figuren hineinzuversetzen. Eine stürmisch geforderte Zugabe war der Lohn. Foto: Manfred Steinecke

Von Manfred Stienecke

Paderborn (WB). Wenn es in Deutschland eine Interpretin gibt, die das gesamte Spektrum des Musicals abzudecken versteht, dann ist es Angelika Milster. Die 66-Jährige bezauberte am Sonntagabend rund 800 Besucher in der voll besetzten Paderhalle.

Schwarz gekleidet – im ersten Konzertteil in Hose und Frack, nach der Pause im langen Abendkleid – betritt die Diva die Bühne und fasziniert vom ersten Ton an ihr Publikum, das mit der Begrüßung des Conférenciers aus dem Musical »Cabaret« auf den Abend eingestimmt wird. Angelika Milster fasziniert nicht nur durch ihre nach wie vor kräftige und wandlungsfähige Stimme. Sie schlüpft mimisch und gestisch präsent in jede Rolle. Man spürt in jedem Moment ihre weltweite Bühnenerfahrung.

Paraderolle als Katze Grizabella

Der erste Teil des knapp zweistündigen Programms führt zurück in die Anfänge des modernen Musiktheaters. Nach zwei populären Aufwärmtiteln, dem Titelsong aus »Die Schöne und das Biest« und Udo Jürgens‘ angesungenem Hit »Ich war noch niemals in New York« geht es mit Komponisten wie Irving Berlin, Cole Porter und Leonard Bernstein zunächst zurück in die 30er und 40er Jahre. Die Milster interpretiert unvergessene Songs von Barbra Streisand (»The Music Makes Me Dance«, »People«, »Someone To Hold You Too Close«) und erinnert mit »Big Spender« aus »Sweat Charity« an Cy Coleman. Mit dem Pop-Klassiker »Ich bin wie ich bin« (I Am What I Am) geht es dann vom Beifall umrauscht in die verdiente Pause.

Im zweiten Teil wird es dann mit Musicals aus der jüngeren Zeit – vor allem aus der Feder von Andrew Lloyd Webber – populärer, was man auch an der Reaktion des mitgerissenen Publikums im überwiegend gesetzteren Alter spürt. Der Ohrwurm »Erinnerungen« (Memories) aus dem Musical »Cats«, dessen Paraderolle der Katze Grizabella Angelika Milster in den siebziger Jahren die Weltkarriere eröffnete, wird stürmisch bejubelt, und der Schmacht-Klassiker »Weine nicht um mich, Argentinien« aus dem Musical »Evita« scheint der Künstlerin förmlich auf den Leib geschrieben zu sein: Sie wird eins mit der Rolle der mondänen, pathetischen Volks(ver)führerin.

Stürmisch geforderten Zugabe

»Heute geht das Musical einen ganz anderen Weg«, lenkt die Milster die Aufmerksamkeit des Publikums auf den aktuellen Trend. »Erst der Hit, dann das Musical.« Eindrucksvoll bestätigt sie das Erfolgsmodell durch die Queen-Hits »We Will Rock You« und »We Are the Champions« sowie den Abba-Klassiker »Thank You For the Music« aus den erst nachträglich zusammengezimmerten Bühnenstücken zur Geschichte der beiden Pop-Formationen.

Der hoch professionelle Konzertabend, in dem von der Akustik bis zum stimmungsvollen Bühnenlicht alles stimmt, wird auch nicht durch einen einmaligen Texthänger getrübt, für den sich die Diva charmant entschuldigt. Immerhin singt sie ihr komplettes Programm auswendig.

Begleitet wird Angelika Milster routiniert und in devoter Zurückhaltung von den beiden E-Pianisten Harald Lierhammer und Thomas Rothner, die ihren elektronischen Instrumenten jede erforderliche Klangfarbe vom Piano über die Orgel bis hin zu Streicher- und Bläser-Sequenzen zu entlocken vermögen. Ihnen gelingt es spielend, die Musicalinterpretin wieder in die Spur zu bringen, wenn sie nach exponierten Gesangspassagen schon mal die Balance wiederfinden muss. In der stürmisch geforderten Zugabe dürfen die Beiden dann in der von Kurt Weill vertonten Moritat von Meckie Messer (»Und der Haifisch, der hat Zähne...«) aus Bert Brechts »Dreigroschenoper« rhythmisch richtig loslegen. Nach dem letzten Schlussakkord des Lieds vom traurigen Clown verlischt dann das Bühnenlicht, und der zugleich erleuchtete Saal signalisiert dem rundum begeisterten Publikum, dass die Diva nun alles gegeben hat.

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