Do., 18.10.2018

Künftig sollen nur Hautärzte die gestochenen Motive entfernen dürfen Tattoo-Entfernung: Paderborner Unternehmer fürchtet Ruin

Robin Klein hat sich zusammen mit seiner Frau mit dem Studio »Endlich ohne« auf Tattooentfernung mittels Laserbehandlung spezialisiert. Er fürchtet um seine Existenz, wenn der Bundesrat am Freitag die so genannte NiSV beschließt.

Robin Klein hat sich zusammen mit seiner Frau mit dem Studio »Endlich ohne« auf Tattooentfernung mittels Laserbehandlung spezialisiert. Er fürchtet um seine Existenz, wenn der Bundesrat am Freitag die so genannte NiSV beschließt. Foto: Besim Mazhiqi

Von Maike Stahl

Paderborn (WB). Helene (37) und Robin Klein (34) bangen in diesen Tagen um ihre Existenz. Das Paderborner Ehepaar hat sich auf Tattooentfernung spezialisiert und führt zwei Studios der Kette »Endlich ohne« in Paderborn und Kassel. Die müssen sie vielleicht schon Ende März schließen, wenn der Bundesrat am Freitag die so genannte NiSV beschließt.

Der Entwurf der »Verordnung zum Schutz vor schädlichen Wirkungen nichtionisierender Strahlung bei der Anwendung beim Menschen« (NiSV) sieht nämlich vor, dass künftig nur noch Fachärzte Tattoos mittels Laser entfernen dürfen. Tritt die Verordnung wie geplant zum 31. Dezember in Kraft, beginnt eine Übergangsfrist von drei Monaten, an deren Ende das Aus für etwa 200 Anbieter in Deutschland steht, die sich wie das Ehepaar Klein auf Tattooentfernung per Laserbehandlung spezialisiert haben.

Das Ehepaar Klein sieht sich vor dem Ruin

»Für mich bedeutet das faktisch Berufsverbot und Ruin«, sagt Klein. Schließlich hätten er und seine Frau mehr als 115.000 Euro in ihre Existenz investiert und langfristige Mietverträge abgeschlossen. Auch für viele Kunden wäre die Schließung des Studios problematisch. »In der Regel brauchen wir sechs bis zwölf Sitzungen, um ein Tattoo vollständig zu entfernen. Dazwischen liegen mindestens vier Wochen, damit der Körper sich erholen kann. Wir könnten gar nicht alle laufenden Behandlungen beenden.« Dabei gehe es nicht nur um den Namen der verflossenen Liebe, der verschwinden soll, sondern auch um missglücktes Permanent-Make up. »Der Leidensdruck ist in vielen Fällen enorm hoch«, weiß Robin Klein.

Zugangsvoraussetzungen würde er begrüßen

Er hat eine Sanitätsausbildung absolviert, seine Frau ist Heilpraktikerin. Beide haben sich als zertifizierte Lasertherapeuten gewissenhaft auf ihre Tätigkeit vorbereitet und entsprechend geschult. »›Endlich ohne« habe als Marktführer freiwillig hohe Standards gesetzt wie Hygiene-Zertifizierungen und ein Protokoll, das den Ablauf der Behandlung inklusive Vorgesprächen und Nachbehandlung detailliert beschreibe. »Wir haben moderne und schonende Laser im Einsatz und machen im Gegensatz zu Ärzten, für die das die Ausnahme ist, nichts anderes. Wir wissen genau, was wir tun«, betont der 34-Jährige. Er würde es begrüßen, wenn entsprechende Zugangsvoraussetzungen festgeschrieben würden. »Uns ist selbst daran gelegen, dass es keine schwarzen Schafe gibt.«

»Aproxima-Studie bescheinigt nicht-ärztlichen Anbietern gute Arbeit«

Dass nur noch Hautärzte diese Behandlungen durchführen sollen, ärgert das Ehepaar Klein aus mehreren Gründen. »Die vom Bundesamt für Strahlenschutz in Auftrag gegebene, so genannte Aproxima-Studie ist zu einem ganz anderen Ergebnis gekommen, als es in der Begründung zur NiSV geschrieben steht. Die wenigsten Nebenwirkungen hat man bei den von nicht-ärztlichen Anbietern durchgeführten Behandlungen festgestellt und die meisten bei Hautärzten«, berichtet Klein. Allerdings bezieht sich die Studie vorwiegend auf Haarentfernung, da die Gruppe der Befragten im Bereich Tattooentfernung zu klein war. Über die Gründe könne laut Studie »nur spekuliert werden«. »So könnte zum Beispiel die häufigere Krustenbildung in einem vermehrten Einsatz von Lasergeräten in Arztpraxen begründet liegen, die durch ihre höhere Strahlungsintensität häufigere Hautschädigungen hervorrufen könnten«, heißt es dort.

»Tattooentfernung ist durch uns erst bezahlbar geworden«

Außerdem befürchten die Kleins und ihre Kollegen, dass die vorgeschlagene Verordnung zu einer Unterversorgung der Bevölkerung mit hautärztlicher Expertise, führen könne, wenn diese zusätzlich die Tattooentfernung übernehmen müssten. Schließlich seien die Wartezeiten schon heute oft immens lang. »Weiterhin wäre die Behandlung für unsere Patienten sicherlich sehr viel teurer als bisher. Für viele Patienten ist die Tattooentfernung durch uns erst bezahlbar geworden«, sagt er. Wer sich die teurere Entfernung beim Arzt nicht leisten könne, greife künftig womöglich auf dubiose Angebote im Ausland oder fragwürdige Methoden zurück.

Hautarzt begrüßt neue Regelung

Der Paderborner Hautarzt Dr. Heinrich Stirn, Mitinhaber der Praxis Alte Brauerei, begrüßt hingegen die neue Verordnung. »Ich finde das richtig, da es vielfältige Nebenwirkungen geben kann. Um die zu vermeiden absolviert jeder Mediziner einen Laserkurs«, sagt er. Mit acht Kollegen in der Praxis sei er auch optimistisch, dass diese zusätzliche Leistung die anderen Patenten nicht belaste. Stirn würde sich darüber hinaus wünschen, dass die Verordnung schon viel früher ansetzen würde – nämlich bei der Tätowierung selbst. Die darf nämlich nach wie vor jeder ohne irgendeinen Sachkundenachweis anbieten.

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