Di., 06.11.2018

Finke-Möbelhaus in Paderborn vor Abriss – 300 Arbeitsplätze sind betroffen Finke-Möbelhaus: Krieger erhebt schwere Vorwürfe gegen ehemaligen Eigentümer

Das Paderborner Stammhaus von Finke soll geschlossen und abgerissen werden.

Das Paderborner Stammhaus von Finke soll geschlossen und abgerissen werden. Foto: Besim Mazhiqi

Von Ingo Schmitz

Paderborn (WB). Die Nachricht ist ein schwerer Schlag für die Region: Das Paderborner Möbelhaus Finke steht vor dem Ende. 300 Arbeitsplätze sind betroffen.

»Finke ist ein Sanierungsfall und verliert jeden Tag Geld. Schon lange macht das Unternehmen operative Verluste, die seinen Bestand ernsthaft gefährden. Die Gründe dafür liegen in der Vergangenheit, sind vielfältig und nicht mehr zu ändern. Klar ist aber, wir wollen das Unternehmen retten«, erklärte Kurt Krieger, Inhaber der Krieger Handel SE.

Verdi spricht von »miesem Vorgehen«

Schließung und Abriss des Möbelhauses zum 30. Juni 2019 kommen, wie am Montag berichtet, mehr als überraschend. Auch dass die Verwaltung mit 120 Mitarbeitern Ende 2019 geschlossen wird, ist für Betriebsrat und Gewerkschaft Verdi ein Schlag. »Davon hat bei der Übernahme keiner gesprochen«, erklärte eine Verdi-Sprecherin. Sie bezeichnete das gesamte Vorgehen als »mies«.

Noch Ende August, als der Verkauf der Finke-Gruppe bekannt wurde, gab es ein Bekenntnis zum Standort. Finke-Geschäftsführer Franz-Josef Golüke gab gestern keine konkrete Antwort darauf, ob ein Neubau in Paderborn geplant sei. »Dafür ist es viel zu früh«, sagte er. »Wir stehen ganz am Anfang, müssen nun mit dem Betriebsrat und den Mitarbeitern über Sozialpläne sprechen.« Golüke kündigte aber an, dass die Marke Finke an den Standorten Hamm, Münster und Kassel weiter bestehen bleibe. Auch die Möbel-Discounter unter dem Namen »Preisrebell« seien nicht betroffen. Derweil seien die ehemals zur Finke-Gruppe gehörenden Einrichtungshäuser in einzelne Firmen übertragen worden, hieß es gestern aus Betriebsratskreisen. Damit wolle Krieger offenbar den alten Gesamtbetriebsrat zerschlagen.

Wütende Reaktionen in der Belegschaft

In einer Mitarbeiterversammlung machten Vertreter der Krieger-Geschäftsführung gestern der alten Finke-Führung schwere Vorwürfe. Man habe Bilanzen »schön gerechnet«. Erreicht habe man dies etwa durch Einmaleffekte wie Grundstücksverkäufe, deren Erlöse in die Umsätze geflossen seien. Auch habe Finke keine Mieten an sich selbst gezahlt, um die Ausgaben zu drücken.

Es gebe einen erheblichen Investitionsstau am Standort Paderborn. Für die Kunden werde sich vorerst nichts ändern, um angezahlte Möbel bräuchte sich niemand zu sorgen. Wann der mögliche Ausverkauf beginnt, ist noch völlig unklar. Die Nachricht von der Finke-Schließung sorgte in der Belegschaft für wütende Reaktionen bis hin zur Lethargie. »Wir sind davon ausgegangen, dass Krieger ein solides Familienunternehmen ist. Damit haben wir nicht gerechnet.«

Kommentare

Sündenbock gefunden?

Für jemanden wie mich, Anfang 40 und in Paderborn aufgewachsen, ist das Ende des Möbelhauses an der Straße nach Elsen ein großer Schock. Mir tun vor allem die vielen Mitarbeiter am Standort Paderborn leid, die nun ihren Arbeitsplatz verlieren. Leid tut mir aber auch die Familie Finke, deren Stammhaus und Lebenswerk nun in absehbarer Zeit mit dem Bulldozer platt gemacht wird. Möglicherweise ist in der Vergangenheit in das Gebäude am Stadion nicht genügend investiert worden und der grassierende Online-Handel kommt erschwerend hinzu. Die Paderborner Öffentlichkeit sollte sich trotzdem von Herrn Krieger nicht täuschen lassen: Die Jahresabschlüsse der Finke-Gruppe sind für jedermann im Internet einsehbar, zuletzt derjenige zum 31.12.2016. Kriegers Vorwürfe, man habe Bilanzen schön gerechnet, etwa durch Zurechnung von Grundstücksverkäufen zu den Umsatzerlösen, sind hanebüchen. Zudem werden die Jahresabschlüsse der Finke-Gruppe durch einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer geprüft. Sollte dieser unter falsche Abschlüsse seinen Stempel machen, verliert dieser zügig seinen Job. Mir scheint, Herr Krieger kann keine Bilanzen lesen - oder er macht einfach andere (Herrn Finke) zum Sündenbock, um Hunderte von Mitarbeitern vor die Tür zu setzen!

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