Do., 08.11.2018

»Eine Weihnachtsgeschichte« feiert Premiere im Paderborner Theater Habgier weicht Nächstenliebe

Der ratlose Blick in die Zukunft beweist: Noch hat Protagonist Ebenezer Scrooge nicht begriffen, welches traurige Schicksal ihm droht. Dass sich der ungeliebte Kaufmann auf seiner eigenen Beerdigung befindet, will er nicht glauben.

Der ratlose Blick in die Zukunft beweist: Noch hat Protagonist Ebenezer Scrooge nicht begriffen, welches traurige Schicksal ihm droht. Dass sich der ungeliebte Kaufmann auf seiner eigenen Beerdigung befindet, will er nicht glauben. Foto: Tobias Kreft

Von Isabella Maria Wünnerke

Paderborn (WB). Wenn man Charles Dickens Weihnachtsgeschichte glauben schenken mag, bringt das Fest der Liebe selbst eiserne Herzen zum Schmelzen. Die Inszenierung aus der Feder von Philipp Löhle ist am Donnerstag erstmals am Paderborner Theater zu sehen gewesen.

400 Grundschüler verstummen augenblicklich, als sich das Große Haus in Bühnenlicht hüllt. Als sich der Vorhang öffnet und den düsteren Kaufmann Ebenezer Scrooge offenbart, wird den jungen Theaterbesuchern schnell klar: Ausgelassene Festtagsstimmung lässt vorerst auf sich warten.

Nur Geld im Sinn

Protagonist Scrooge, interpretiert vom Gastschauspieler Tobias Fend, hat einen Tag vor Weihnachten nichts anderes im Sinn als sein Geld. Vereinsamt und herzlos schlägt er seinen Mitmenschen kleinste Wünsche ab. Dem Flehen Gnade walten zu lassen und sich wenigstens an Weihnachten dem Auftrag der Nächstenliebe zu widmen, widerspricht der kauzige Geizhals vehement. Die Gefühllosigkeit des Menschenfeinds bleibt nicht folgenlos: Kurzerhand schalten sich die Geister ein und führen dem hartherzigen Kaufmann den Spiegel vor.

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Durch die Exkursion in Scrooges triste Kindheit erschließt sich den jungen Zuschauern, woher die Weihnachts-Aversion des Geizhalses rührt. Mit dem Blick in die Gegenwart spitzt sich die Darstellung seiner Einsamkeit zu. Den Höhepunkt des Stückes markiert schließlich der düstere Ausblick in die Zukunft des Kaufmannes.

Düsterer Zynismus

Gastschauspieler Tobias Fend überzeugt in seiner Darstellung des habgierigen Menschenfeinds. Der düstere Zynismus des Protagonisten weicht ab und an seiner Unbeholfenheit im menschlichen Umgang, nimmt dem Stück auf diese Weise seinen schaurigen Charakter und lässt den Protagonisten trotz aller Widrigkeiten sympathisch erscheinen. Vereinzelte Zwischenrufe des reflektierten Publikums beweisen: Den moralischen Wanderweg hin zu einem besonnenen Ich geht der Protagonist nicht alleine.

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