Sa., 10.11.2018

Christian Ehring unterhält sein Publikum in der Paderhalle Erfrischend unaufdringlich

Christian Ehring gastierte mit seinem aktuellen Programm in der Paderhalle und griff dabei Themen der kleinen wie auch großen Politik auf. Außerdem sang der Kabarettist und begleitete sich selbst am Flügel.

Christian Ehring gastierte mit seinem aktuellen Programm in der Paderhalle und griff dabei Themen der kleinen wie auch großen Politik auf. Außerdem sang der Kabarettist und begleitete sich selbst am Flügel. Foto: Michael Welling

Von Michael Welling

Paderborn (WB). Bekannt wurde Christian Ehring als der Mann, der Recep Tayyip Erdoğan massiv ärgerte. Mit einem Beitrag in seiner Satiresendung »extra3« brachte er den türkischen Präsidenten im März 2016 so auf die Palme, dass er den deutschen Botschafter einbestellte und das deutsch-türkische Verhältnis über Monate belastet war. Jetzt gastierte Ehring in Paderborn.

Ehring gehört zum Team der »heute show« und ist Kabarett-Freunden bekannt als Ensemblemitglied des Düsseldorfer Kom(m)ödchens. Ehring ist zudem Preisträger des renommierten Deutschen Kleinkunstpreises. Am Donnerstag stand er mit seinem Programm »Keine weiteren Fragen« auf der Bühne der Paderhalle und faszinierte zwei Stunden mit hochaktuellen und persönlichen Kommentaren zur Lage der Nation: hintergründig und schwarzhumorig.

Außerdem sang er und begleitete sich selbst am Flügel. Mit dem Lied »Authentizität« eröffnete er den Abend, bat sein Publikum, die Handys anzulassen und forderte zu spontanen Einwürfen auf, von denen im Laufe des Abends keinen Gebrauch gemacht wurde. Das Grundgerüst seines Programms ist mehr als drei Jahre alt. Sein 18-jähriger Filius geht ins Ausland, die Einliegerwohnung ist frei, was liegt also näher, als einen Flüchtling aufzunehmen? Um diese Überlegung herum inszenierte Ehring ein Kaleidoskop an aktuellen Beobachtungen über die Gesellschaft im privaten und politischen Bereich. Er sinnierte über die Politik in all ihren Facetten und ließ kaum ein aktuelles Geschehen aus.

Während er als Vater vegane Kinderlieder (ohne Tiere, Milch und Honig) nach dem Motto »Schrot, du hast das Korn gestohlen« komponiert und Rückbildungsgymnastik als seine Sportart entdeckt hat, lümmelt der Sohn sich auf dem Sofa liegend durch die Pubertät. Gut gelaunt, schlagfertig und vor allem mit Perspektivwechseln, die einerseits zu Lachen anregen, andererseits nachdenklich verstummen lassen, analysierte Ehring die teilweise realitätsferne Gesellschaft und die Stimmung im Publikum.

Ein Flüchtling für die Wohnung ist gefunden: ein »Traum-Flüchtling« aus Eritrea, deutsch wortgewandt, ehrgeizig, enthusiastisch, eigentlich schon integriert, bevor er richtig wohnt. Diesem Mann sollen deutsche Werte wie Mülltrennung und Urlaubsplanung vermittelt werden – doch der lehnt ab. Und so wird die angeblich große Hilfsbereitschaft als das entlarvt, was sie ist: eine selbstverliebte Eitelkeit von Gutmenschen.

Ehring schafft es, ganz allein auf der Bühne ohne Requisiten einen großen Spannungsbogen aufzubauen; lediglich eine aktuelle Ausgabe des WESTFÄLISCHEN VOLKSBLATTES dient ihm als Medium, um anhand von Meldungen seine Sicht auf gesellschaftliche und politische Ereignisse zu schildern. Dabei streute er erfrischend unaufdringlich lokale Bezüge mit ein, denn »wer Libori zehn Tage durchfeiern kann, hält auch diesen Abend aus«.

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