Mo., 12.11.2018

Die Gegner mobilisieren in Paderborn mehr als 500 Menschen AfD in der Minderheit

Gegendemonstranten ziehen über die Westernstraße zum Kundgebungsort der AfD. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Stephan Brandner bezeichnet sie daraufhin in seiner Rede als »im Freigang befindliche Brüllaffen«.

Gegendemonstranten ziehen über die Westernstraße zum Kundgebungsort der AfD. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Stephan Brandner bezeichnet sie daraufhin in seiner Rede als »im Freigang befindliche Brüllaffen«. Foto: Jörn Hannemann

Von Dietmar Kemper und Maike Stahl

Paderborn (WB). Demokratie und Toleranz werden in Paderborn groß geschrieben. Mehr als 500 Menschen demonstrierten am Montagnachmittag mit der »Afterwork Tanzdemo« gegen eine Kundgebung der AfD mit dem Titel »Meinungsfreiheit statt Gesinnungsdiktatur« vor der Herz-Jesu-Kirche. Die AfD hatte 500 Teilnehmer angemeldet – gekommen waren laut Polizei keine 80.

Durch die Westernstraße zum Westerntor

Die geringe Besucherzahl nahmen die Teilnehmer der Gegendemo erleichtert zur Kenntnis, die sich auf Einladung des Bündnisses für Demokratie und Toleranz am Theodorianum getroffen hatten und durch die Westernstraße zum Westerntor gezogen waren. Rudi Opitz und Ulla Manns waren extra aus Gütersloh gekommen: »Wir wollen den rechten Tendenzen, die sich in ganz Europa zeigen, etwas entgegensetzen. Das geht nicht im stillen Kämmerlein.«

AfD-Kundgebung sollte erst ignoriert werden

Konrad Nagel-Strothmann, Bezirksvorsitzender der katholischen Arbeitnehmerschaft, hatte die Teilnehmer zuvor mit mahnenden Worten begrüßt »Die Hydra erhebt wieder ihre widerlichen Köpfe«, warnte er. »Menschen, die nicht deutsch aussehen, werden auf offener Straße gejagt, demokratische Kräfte werden als linksradikal oder rot-grün versifft bezeichnet.« Doch für die Meinungsfreiheit der Demokratie brauche es keine Alternative. Johannes Menze (Grüne) sagte dieser Zeitung, dass das Bündnis diskutiert habe, ob man die Kundgebung nicht einfach ignorieren solle. »Aber im Titel von Gesinnungsdiktatur zu sprechen, ist eine derartige Provokation und zielt auf Geschichtsrevisionismus, dem wir etwas entgegensetzen wollten.«

Überwachung der AfD sei »Machtmissbrauch«

Die AfD sei Hetze, Diskriminierung und Gewalt ausgesetzt, beklagte der Vorsitzende des Kreisverbandes, Karl-Heinz Tegethoff, auf der Bühne. Das Klima erinnere ihn »an 1933«. Zwar neige sich die »unsägliche Zeit der Kanzlerschaft von Angela Merkel« dem Ende zu, aber ihr »System« sei deshalb nicht vorüber. Merkels mögliche Nachfolgerin als CDU-Vorsitzende und Kanzlerin, Annegret Kramp-Karrenbauer, habe den »Charme von Knäckebrot«, ätzte der AfD-Landtagsabgeordnete Chrisitan Blex. Deutschland sei unter Merkel »in Teilen verelendet«, die Schulen seien zu »Bildungsruinen und Angsträumen« verkommen.

Die Grünen bezeichnete er als »Gesinnungsfaschisten«. Der Landtagsabgeordnete Thomas Röckemann nannte Forderungen aus der Großen Koalition nach einer Überwachung der AfD durch den Verfassungsschutz »Machtmissbrauch« und »Regierungsextremismus«. Die AfD habe »garantiert keinen einzigen Nazi in ihren Reihen«, sagte der Bundestagsabgeordnete Stephan Brandner.

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