So., 18.11.2018

110 Aussteller informieren über ein boomendes Hobby Sie haben den Bogen raus

Fachleute unter sich: Klemens Schmelter (links) und Adam Bisok haben den Bogen raus. Schmelter betont den therapeutischen Nutzen des Sports, der polnische Aussteller versorgt Geschichtsdarsteller mit authentischem Material.

Fachleute unter sich: Klemens Schmelter (links) und Adam Bisok haben den Bogen raus. Schmelter betont den therapeutischen Nutzen des Sports, der polnische Aussteller versorgt Geschichtsdarsteller mit authentischem Material. Foto: Jörn Hannemann

Von Dietmar Kemper

Paderborn (WB). Ob jemand von Amors Pfeil getroffen wurde, ist nicht bekannt. Aber eins steht fest: Immer mehr Menschen lieben das Bogenschießen. Die Trauben von Besuchern bei der 6. Fachmesse »Paderbow« im Schützenhof machten das unmissverständlich klar.

110 Aussteller informierten etwa 4500 Besucher über alles, was zu deren Hobby gehört. Erstmals hatte der Paderborner Verein Robin Hood die Leistungsschau organisiert. Dessen Vorsitzender Klemens Schmelter (44) schätzt die Zahl der deutschen Bogenschützen auf mehr als 100.000, von denen 50.000 in Vereinen organisiert seien: »Seit 20 Jahren können wir alle zehn Jahre eine Verdoppelung der Zahl der Bogenschützen feststellen.«

Die Gedanken kommen zur Ruhe

Die Faszination des Hobbys erklärt sich Schmelter damit, dass Bogenschießen in einer »stark technisierten Welt eine Oase der Ruhe ist«. Der Schütze fokussiere sich, atme gleichmäßig und die Gedanken kämen zum Stillstand. Bogenschießen helfe bei der Bewältigung von Stress und der Vermeidung von Burnout, schwärmt der Vorsitzende des TBSV Paderborn und Chef der Firma Bogenzeit. Die positiven gesundheitlichen Begleiterscheinungen will er mit dem Förderverein Robin Hood dazu nutzen, um ein Netzwerk für pädagogisches und therapeutisches Bogenschießen aufzubauen – mit dem Ziel, dass die Krankenkassen wie beim Yoga einen Teil der Kosten übernehmen.

50 Cent pro Eintrittskarte werden gespendet

Wie im Vorjahr spenden die Organisatoren auch diesmal 50 Cent von jeder Eintrittskarte der Brasilieninitiative Avicres. Mit Paderborner Unterstützung entstand Anfang des Jahres in Nova Iguacu eine Bogenschießschule. Ergänzend zu schulischer und medizinischer Unterstützung sollen Kinder aus Armenvierteln hier lernen, sich auf etwas zu konzentrieren, zur Ruhe zu kommen und Freude zu empfinden.

Bögen werden immer individueller

Viele Besucher interessierten sich am Samstag und Sonntag natürlich vor allem für Bögen, Pfeile und Tierfiguren, die als Zielscheiben auf einem Parcours dienen. Bücher informierten über »Pfeil und Bogen in der römischen Kaiserzeit«, wind- und wasserdichte Pullover warteten darauf, übergezogen zu werden. Bögen werden immer individueller: Indianerköpfe, Ausführungen mit Epoxidharz oder spezielle Tätowierungen sollen die Besitzer aus der Masse herausheben.

Einsteiger müssen für ein Set mit Bogen, Pfeilen, Köcher sowie Arm- und Fingerschutz etwa 200 Euro anlegen. Je nach Güteklasse der Bögen erreichen die mit Truthahnfedern bestückten Pfeile Geschwindigkeiten von 80 bis 300 Kilometer in der Stunde. Die Aussteller hatten zum Teil weite Wege zurückgelegt, wie Adam Bisok (50) aus Schlesien. Seine Bögen werden zum Beispiel beim möglichst authentischen Nachspielen historischer Schlachten verwendet. Bogenschießen ist ein ganz spezieller Sport, weiß Bisok: »Wenn Sie laufen, können Sie dabei Musik hören. Wenn sie schießen, dürfen Sie nur ans Ziel denken.«

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