Do., 22.11.2018

Joan Sofron hat vom geplanten Finke-Abriss aus der Zeitung erfahren Künstler will die Fassade retten

Die von dem Künstler Joan Sofron entworfene Fassade des Finke-Einrichtungshauses in Paderborn ist zu einem überregional beachteten Gestaltungselement geworden. Zumindest Teile davon möchte der kreative Designer vor dem Abriss sichern.

Die von dem Künstler Joan Sofron entworfene Fassade des Finke-Einrichtungshauses in Paderborn ist zu einem überregional beachteten Gestaltungselement geworden. Zumindest Teile davon möchte der kreative Designer vor dem Abriss sichern. Foto: Jörn Hannemann

Von Manfred Stienecke

Paderborn (WB). Vor 15 Jahren wurde die Fassadengestaltung des Finke-Einrichtungshauses nicht nur in der Möbelbranche als Pionierleistung gelobt und gefeiert. Jetzt droht der Abriss des Gebäudes an der Paderborner Straße in Elsen. Künstler Joan Sofron möchte die Fassadenteile retten.

Vom angekündigten Abriss des Finke-Möbelhauses hat Sofron aus der Zeitung erfahren. »Ich war geschockt, als ich das gelesen habe«, kommentiert der 53-jährige Rumäniendeutsche, der 1984 nach Deutschland kam und seit Ende der achtziger Jahre in Paderborn wohnt, die Nachricht. »Mein Kunstwerk ist durch diese Entscheidung krank geworden. Es leidet an der Globalisierung.«

Es klingt wie ein modernes Märchen

Mit seiner ungewöhnlichen, künstlerisch gestalteten Außenhaut aus farbig bedruckten Fassadenteilen, die zum Teil unter Lochblech-Elementen schimmern, hat sich das Finke-Einrichtungshaus überregional Beachtung verschafft. Mittlerweile gibt es ähnlich gearbeitete Firmenfassaden aus der Ideenschmiede des Paderborner Designers in anderen Städten nicht nur in Deutschland, sondern bis nach China.

Die Entstehung des Projekts klingt wie ein modernes Märchen. Bei einer privaten Weihnachtsfeier präsentierte Sofron dem Paderborner Möbelunternehmer im Dezember 2002 seine Fassadenentwürfe, die von vielen Gästen zunächst belächelt wurden, die bei Wilfried Finke aber auf großes Interesse stießen. »Ich war fasziniert«, so Finke rückblickend. »Ab diesem Zeitpunkt hat mich die Idee nicht mehr losgelassen.«

Den Vertrag gab es handschriftlich

Ein paar Wochen später lud der Unternehmer den Künstler zu sich in sein Büro ein, um das Vorhaben anzupacken. Am Ende des Gesprächs hielt Sofron einen handschriftlichen Vertrag in den Händen, den Finke auf einem einfachen Blatt Rechenpapier aufgesetzt und unterschrieben hatte. Schwarz auf Weiß bestätigte ihm der Firmenchef, 200.000 Euro für das Projekt bereitzustellen.

Was folgte, waren intensive Abstimmungen über Umfang, Art und Umsetzung des Auftrags. »Wir haben lange diskutiert, wohin der Weg gehen soll«, erinnert sich Sofron. Schließlich einigte man sich, wie die Schaufassaden des Möbelhauses zur Paderborner Straße und zum östlich davon liegenden Parkplatz hin aussehen sollten. Im Oktober 2003 konnte die Fertigstellung gefeiert werden. Das Grundmotiv der großflächigen Fassadengestaltung sind Planetenkreise, kombiniert mit geschwungenen und keilförmigen, changierenden Farbflächen. Über der Schaufensterfront zieht sich eine dazu passende Blende aus fließenden Farbsegmenten hin.

Arbeit soll nicht auf die Deponie

Joan Sofron möchte nun verhindern, dass seine Arbeit, die ihn international bekannt gemacht hat, auf der Deponie landet. Er ist fest entschlossen, um seine Fassade zu kämpfen. »Ich werde den neuen Eigentümer anrufen und versuchen, zumindest einen Teil der Fassade zu retten«, sagt er. Sofron plant, einzelne Segmente für einen guten Zweck zu verkaufen. Diese könnten als eigenständige Skulpturen wieder aufgestellt werden. »Man kann sich das vorstellen wie bei den Resten der Berliner Mauer.«

Obwohl er das Urheberrecht an seinem Kunstwerk besitzt, wird Sofron keine juristischen Schritte einleiten. » Gegen ein großes Unternehmen wie Krieger habe ich keine Chance«, so der erfolgreiche Designer . Er hofft auf ein Entgegenkommen des Immobilienkäufers, um ein paar Erinnerungsstücke an ein einst stolzes Objekt sichern zu können.

Kommentare

Putzig

Der „Professor“ glaubt ernsthaft, dass diese Geschmacklosigkeit von Fassade in einem Atemzug mit der epochalen Relevanz der Berliner Mauer in einem Atemzug zu nennen wäre. Danke für diesem humorvollen Beitrag.

1 Kommentare

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