Do., 29.11.2018

Stadtwerke Paderborn erhöhen ihre Gaspreise um 10,6 Prozent – mit Kommentar Gaspreisrebellen fordern mehr Transparenz

Walter Dick, Gerd Hartmann, Roswitha Köllner und Peter Kunze (von links) vom Sprecherrat der Gaspreisrebellen haben vor dem Rathaus postiert, um den Aufsichtsrat der Stadtwerke darauf aufmerksam zu machen, dass er eine stärkere Kontrolle bezüglich der Preisgestaltung wahrnehmen und auf eine angemessene Erhöhung drängen soll.

Walter Dick, Gerd Hartmann, Roswitha Köllner und Peter Kunze (von links) vom Sprecherrat der Gaspreisrebellen haben vor dem Rathaus postiert, um den Aufsichtsrat der Stadtwerke darauf aufmerksam zu machen, dass er eine stärkere Kontrolle bezüglich der Preisgestaltung wahrnehmen und auf eine angemessene Erhöhung drängen soll. Foto: Jörn Hannemann

Von Maike Stahl

Paderborn (WB). Dass die Stadtwerke Paderborn ihre Strom und Gaspreise zum 1. Januar im Schnitt um 10,6 Prozent erhöhen, hat die Gaspreisrebellen erneut mobilisiert. Vor der Aufsichtsratsitzung am Dienstag, bei der die Erhöhung Thema war, postierte sich der Sprecherrat der Initiative »Gaspreise runter« mit Transparenten vor dem Rathaus.

»Mit der Rekommunalisierung der Stadtwerke haben wir allen em­pfohlen zu wechseln, weil das Geld der Stadt zugute kommt und es eine demokratische Kontrolle gibt«, begründet Roswitha Köllner die Aktion, mit der sie den Aufsichtsrat an seine Aufsichtspflicht erinnern wollten.

Denn die zum 1. Januar geplante Preissteigerung sei überdurchschnittlich hoch. Laut den Vergleichsportalen »Verivox« und »Check24« liege die Erhöhung der 710 Grundversorger im Schnitt bei acht Prozent.

Sprecherkollege Peter Kunze ergänzt: »Wenn sie ›Unsere Stadtwerke‹ heißen wollen, haben sie die Pflicht die Erhöhung für uns Kunden transparenter zu machen. Warum das in der Höhe erforderlich ist, geht aus dem Anschreiben so nicht hervor.«

Ein Hinweis auf steigende Netzentgelte und Beschaffungskosten sei ihm zu wenig. Umfassendere Informationen im Vorfeld habe sich auch das eine oder andere Aufsichtsratsmitglied im Vorfeld gewünscht, räumte Manfred Krugmann (SPD) auf dem Weg zur Sitzung im Gespräch mit den Sprechern der Initiative ein. »Wir haben im Vorfeld eine E-Mail bekommen, aber da hätte ich mir mehr gewünscht«, sagte er.

Geschäftsführer kann Unmut bei den 15.600 Kunden nachvollziehen

Kommentar

Dass die Preiserhöhung der Stadtwerke für Unmut sorgt, ist verständlich. Eine vierköpfige Familie, die 20.000 Kilowattstunden verbraucht, muss dafür 2019 126 Euro mehr zahlen. Das wird sie im Portemonnaie merken, zumal auch Steuern und Gebühren erhöht werden sollen. Allerdings steht sie damit im regionalen Vergleich immer noch gut da. Die Stadtwerke versuchen zudem nicht, einige Kunden mit Vergünstigungen zu ködern oder zu binden, die die anderen am Ende bezahlen. Das ist Transparenz. An der Kommunikation hingegen kann die Geschäftsführung noch arbeiten, wird sie aber auch. Maike Stahl

Diese Botschaft sei angekommen, sagte Stadtwerkegeschäftsführer Christian Müller am Mittwoch auf Anfrage des WESTFALEN-BLATTES. Er könne nachvollziehen, dass es Unmut unter den 15.600 Stadtwerke-Kunden gebe. »Wir haben das Thema im Aufsichtsrat am Dienstagabend sehr intensiv, aber auch konstruktiv diskutiert.« Auch Roswitha Köllner habe er bereits kontaktiert, um dem Sprecherrat die Hintergründe für die Preiserhöhungen noch einmal ausführlich im persönlichen Gespräch darzulegen. »Da wir vor Ort sind, sind die Wege ja kurz, wenn es Gesprächsbedarf gibt«, sagt Müller.

Allein die Netzentgelte seien erheblich gestiegen. Westfalen-Weser Netz habe die für Strom um 17 Prozent und die für Gas um 20 Prozent zu 2019 erhöht. »Das macht im Schnitt schon 53 Euro pro Haushalt aus«, sagt Müller.

Bei den anstehenden Preiserhöhungen müsse aber auch berücksichtigt werden, von welchem Niveau aus diese erfolge. »Wir haben von 2017 auf 2018 die Preise beispielsweise um acht Prozent gesenkt, um den Kunden Vergünstigungen weiterzugeben. Das haben andere nicht in dem Umfang getan«, sagt er. Im regionalen Vergleich mit den Stadtwerken Gütersloh, Herford, Lübbecke und Vlotho, TWO Halle und EW Bünde, seien die Stadtwerke Paderborn 2019 für einen Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden trotz einer Erhöhung um 126 Euro auf 1230,80 Euro am günstigsten. 2018 seien nur die Stadtwerke Vlotho günstiger gewesen, die aber einen Anstieg um 21,3 Prozent planen.

»Transparenz heißt für uns auch, dass die Kunden sich darauf verlassen können, dass alle den gleichen Preis bekommen und in gleichem Maße von Vergünstigungen profitieren oder Erhöhungen tragen«, betont Müller. Deshalb arbeiteten die Stadtwerke ganz bewusst nicht mit Boni oder Wechselprämien.

 

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