Grundschule sagt Besuch des Kinderstücks im Theater Paderborn ab
Umstrittene Geisterszenen

Paderborn (WB). Viele Grundschulen und Kindertagesstätten besuchen traditionell in der Adventszeit das Weihnachtsstück im Paderborner Theater. In diesem Jahr gibt es Irritationen, das Stück könne Kinder verängstigen.

Donnerstag, 06.12.2018, 07:56 Uhr aktualisiert: 06.12.2018, 08:00 Uhr
Die Paderborner Inszenierung des Adventsstücks »Eine Weihnachtsgeschichte« von Charles Dickens wartet mit düsteren Geisterszenen wie dieser auf. Einige Eltern haben Bedenken. Foto: Tobias Kreft
Die Paderborner Inszenierung des Adventsstücks »Eine Weihnachtsgeschichte« von Charles Dickens wartet mit düsteren Geisterszenen wie dieser auf. Einige Eltern haben Bedenken. Foto: Tobias Kreft

Das ausgewählte Märchenstück »Eine Weihnachtsgeschichte« von Charles Dickens sei übertrieben gruselig und nicht kindgerecht inszeniert worden, finden einige Eltern von Paderborner Grundschulkindern und haben sich besorgt an die jeweiligen Schulleitungen gewandt. Im Grundschulverbund Overberg-Dom hat sich das Lehrerkollegium deshalb dazu entschlossen, das erste Schuljahr vom gemeinsamen Theaterbesuch auszunehmen. Die evangelische Luther-Grundschule sagte sogar den am vergangenen Dienstag geplanten Besuch der Schule im Theater komplett ab.

»Leider erreichen uns in der Schule erschreckende Berichte von Lehrern und Eltern, die von verstörten Kindern berichten«, heißt es in dem Elternbrief, mit dem Friedhelm Steffen, der Rektor der Luther-Schule, die Entscheidung begründete. Er sei im Vorfeld der geplanten Aufführung von Eltern und besorgten Kollegen angesprochen worden, die ihn darauf hingewiesen hätten, dass die Inszenierung Szenen enthalte, die Kinder verängstigen könnten.

Es habe Aufführungen gegeben, in denen erschrockene Kinder den Theatersaal verlassen hätten. Die im Stück enthaltenen Geisterszenen hätten einige von ihnen zu Hause länger beschäftigt. »Wir haben im Kollegenkreis darüber gesprochen und entschieden, den Theaterbesuch abzusagen.« Dort habe man sich kulant gezeigt und die Buchung storniert.

»Uns erschien das Stück recht düster«

Die Paderborner Inszenierung der im 19. Jahrhundert von Charles Dickens geschriebenen »Weihnachtsgeschichte« führt mit der Ausstattung und den Kostümen in die Entstehungszeit des Stücks hinein und erhält durch spärliche Bühnenbeleuchtung und die vom Autor vorgegebenen Geisterszenen tatsächlich etwas Düsteres. Der geizige Kaufmann Scrooge wird in dem Stück von drei Geistern dazu gebracht, seine hartherzige Gesinnung zu überdenken und sich der allgemeinen Weihnachtsfreude zu öffnen.

Auch im Grundschulverbund Overberg-Dom zog man Konsequenzen aus den im Vorfeld geäußerten Bedenken. »Wir haben uns vorab mit dem Stück auseinandergesetzt«, erläutert Rektor Steffen Schmidt. »Uns erschien das Stück recht düster und als nicht geeignet für das erste Schuljahr. Wir werden daher nur mit den zweiten bis vierten Schuljahren ins Theater gehen und zusätzliche Lehrkräfte zur Betreuung der Kinder mitnehmen.«

In der Aufführung gestern Vormittag, die von Kindern aus allen Klassen zweier Paderborner Grundschulen besucht wurde, waren keine verängstigten Reaktionen auszumachen. Die Stimmung im Saal war fröhlich, es wurde an lustigen Stellen gelacht, und beim Schlusslied wurde ausgelassen rhythmisch mitgeklatscht. Die Schauspieler wurden am Ende sogar mit Jubel und Zugabe-Rufen gefeiert.

»Einige besorgte Eltern gibt es immer«

Das Paderborner Theater hatte bereits bei den Proben eine Geisterszene verändert, die möglicherweise zu gruselig geraten war. Vorbehalte von Erziehungsberechtigten sei man gewohnt. »Einige besorgte Eltern gibt es immer, egal was wir zeigen«, sagt die Öffentlichkeitsreferentin Karolin Dieckhoff. »Wir spielen das Weihnachtsstück an den Vormittagen für 800 Kinder – zwei von ihnen müssen zwischendurch vielleicht mal raus, um sich zu beruhigen. Das passiert auch bei anderen Stücken wie dem Lebkuchenmann.« Dieckhoff weist darauf hin, dass das Theater allen Schulen einen Workshop vor und nach der Aufführung anbiete, in dem das Stück vorbereitet und das Gesehene nachbesprochen werde.

Steffen Schmidt, der zugleich Sprecher des Paderborner Grundschulen ist, kündigte an, mit dem Paderborner Theater Kontakt aufzunehmen, um die Grundschulen besser in die künftigen Planungen einzubeziehen. Auch der Rektor der Lutherschule moniert eine unglückliche Stückauswahl des Paderborner Theaters. Steffen: »Wir haben zuletzt auch schon den ›Wunschpunsch‹ von Paul Maar nicht besucht und waren nicht in ›Robin Hood‹, weil das Stück im Sommer desselben Jahres schon an der Neuhäuser Freilichtbühne gespielt wurde. Da fehlt es an Abstimmung.« Stattdessen werde man jetzt im Frühjahr eine Theatergruppe in die Schule einladen.

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