Fr., 07.12.2018

Großzügige Spenderin gestorben – Stadt will mit 20.000 Euro helfen Lilith in finanzieller Not

Die Frauenberatungsstelle Lilith ist in diesem Gebäude an der Elsener Straße untergebracht. Die sieben Mitarbeiterinnen bangen vor Weihnachten um ihre Jobs.

Die Frauenberatungsstelle Lilith ist in diesem Gebäude an der Elsener Straße untergebracht. Die sieben Mitarbeiterinnen bangen vor Weihnachten um ihre Jobs. Foto: Jörn Hannemann

Von Dietmar Kemper

Paderborn (WB). Die Frauenberatungsstelle Lilith befindet sich in existenzbedrohender Situation. Der Grund ist der Tod einer langjährigen, großzügigen Spenderin.

Die Frau unterstützte Lilith regelmäßig mit Geld in einer Größenordnung von 20.000 Euro. Was für ein großes Unternehmen nur eine kleine Summe ist, wiegt bei dem kleinen Verein, der Lilith trägt, viel schwerer. »Um die Finanzierung kämpfen wir jedes Jahr«, sagte am Donnerstag die Mitarbeiterin Mechthild Beckmann dieser Zeitung. Aber derzeit sei das Loch besonders groß.

Weniger Erlöse aus Bußgeldern

Erschwert wird die Situation der Hilfseinrichtung an der Elsener Straße dadurch, dass die Justiz in den vergangenen Jahren weniger Geld aus in Gerichtsprozessen verhängten Strafen überwiesen hat. »50 bis 70 Prozent der Bußgelder sind weggebrochen«, bedauert Beckmann. Lilith versuche neue Quellen aufzutun, etwa Erlöse durch Honorare für Veranstaltungen zu erwirtschaften, aber das sei nicht einfach. Weil die finanzielle Lage nicht erst jetzt »eng« sei, hätten die Mitarbeiterinnen mehrfach auf Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld verzichtet.

Die Frauenberatungsstelle Lilith wurde Ende 1985 gegründet, sie ging aus dem Autonomen Frauenhaus hervor. Sieben Mitarbeiterinnen auf fünf Vollzeitstellen kümmern sich um Frauen, die seelische, körperliche oder sexuelle Gewalt erlebten oder damit zurzeit konfrontiert sind. Darüber hinaus ist Lilith eine Anlaufstelle bei sexuellem Missbrauch von Kindern.

Gut 2300 Beratungskontakte im Jahr

Beckmann und ihre Kolleginnen informieren, beraten, helfen in Krisen und begleiten die Opfer zu Behörden, Rechtsanwälten und Gerichtsprozessen. Gut 2300 Beratungskontakte kommen im Jahr zusammen. Durch die gesellschaftliche Debatte über Gewalt gegen Frauen habe der Anteil der Frauen, die sich an Lilith wenden, zugenommen, sagte Beckmann. Ihre Stelle und die der Kolleginnen werden vom Land NRW und der Stadt Paderborn finanziert – aber nicht komplett. Das Land übernimmt bei seinen Stellen nur 85 Prozent der Kosten.

Die Paderborner Verwaltung und der Jugendhilfeausschuss der Stadt sprachen sich am Mittwoch dafür aus, die weggefallenen 20.000 Euro zu übernehmen. Dezernent Wolfgang Walter: »Die Alternative wäre, dass die Leute entlassen würden und die Arbeit in dem Maße nicht mehr möglich wäre.«

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