Sa., 08.12.2018

Heimische Delegierte haben in Hamburg mehrheitlich für Friedrich Merz gestimmt CDU-Parteitag: Sieger und Verlierer aus OWL

Delegierte aus den CDU-Kreisverbänden Minden-Lübbecke und Herford (von links): Bianca Winkelmann, Kirstin Korte, Oliver Vogt, Tim Ostermann und Katharina Hartwig.

Delegierte aus den CDU-Kreisverbänden Minden-Lübbecke und Herford (von links): Bianca Winkelmann, Kirstin Korte, Oliver Vogt, Tim Ostermann und Katharina Hartwig. Foto: Andreas Schnadwinkel

Von Andreas Schnadwinkel

Hamburg (WB). Von den 41 Delegierten aus Ostwestfalen-Lippe sieht sich eine Mehrheit im Lager des Verlierers Friedrich Merz. Das knappe Ergebnis des CDU-Bundesparteitags für Annegret Kramp-Karrenbauer schätzen die heimischen Politiker ganz unterschiedlich ein. Von einer Spaltung der Union will aber niemand etwas wissen.

Carsten Linnemann, Unions-Fraktionsvize aus Paderborn, wirkte unmittelbar nach Bekanntgabe des Resultats ausgesprochen nachdenklich. »Friedrich Merz und Jens Spahn müssen jetzt an prominenter Stelle eingebunden werden. Dieses knappe Ergebnis zu verarbeiten wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Annegret Kramp-Karrenbauer muss jetzt schnell eigene Akzente setzen und die Debattenkultur erhalten«, sagte Linnemann, der seine Stimme Merz gegeben hatte. Auch der Paderborner NRW-Landtagsabgeordnete Daniel Sieveke hätte sich den Sauerländer gewünscht: »Ich hätte mal wieder eine Persönlichkeit an der Spitze gebraucht, die nicht nur den Verstand anspricht, sondern auch Herz und Bauch.«

Als Gewinner durfte sich Christian Haase fühlen. Der Bundestagsabgeordnete aus Beverungen (Kreis Höxter) hatte sich als Vorsitzender der Kommunalpolitischen Vereinigung der Union im Vorfeld klar für die neue CDU-Chefin ausgesprochen und sie am Vorabend des Parteitags im Hamburger Rathaus empfangen. »Ich bin zufrieden, meine Favoritin hat es geschafft. Ich hoffe, dass sich Friedrich Merz einbinden lässt, und glaube nicht, dass die Partei gespalten ist. Wir sind gute Demokraten und akzeptieren Wahlergebnisse«, sagte Haase, der auch CDU-Kreisvorsitzender in Höxter ist. Dort war die Stimmung ziemlich eindeutig für Merz.

 

Das bestätigte der Landtagsabgeordnete Matthias Goeken aus Brakel: »Bei uns im Kreis lag Merz klar vorn. Ich habe ihn auch gewählt. Aber jetzt wird in der Union wieder an einem Strang gezogen.«

Den Blick nach vorne richtete auch Lars Brakhage , obwohl er sich als OWL-Vorsitzender der Jungen Union (JU) doppelt ärgern musste. »Bei uns in der JU war Jens Spahn der Favorit, gefolgt von Friedrich Merz. Aber Frau Kramp-Karrenbauer ist auch eine geeignete Vorsitzende, und als gute Demokraten wollen wir das Beste daraus machen«, erklärte der Kreisvorsitzende der lippischen CDU. Nach den Reden der drei Kandidaten hatte sich Brakhage darüber geärgert, dass bei den Fragen viele Mitglieder der Frauen-Union zu Wort gekommen waren und AKK mit ihren Fragen Steilvorlagen geliefert hatten. Damit sollte womöglich der Zeitvorteil kompensiert werden, den sich Merz bei seiner Rede verschafft hatte.

Auch Tim Ostermann hätte sich ein anderes Ergebnis gewünscht, kann »damit aber gut leben«, so der Herforder CDU-Kreisvorsitzende und ehemalige Bundestagsabgeordnete. Katherina Hartwig aus Spenge fand Jens Spahns Rede am stärksten, weil sie »so persönlich« war. »Annegret Kramp-Karrenbauer hatte ganz viel Herzblut in ihren Worten, und Friedrich Merz hatte einfach die besten Argumente und die klarste Linie.«

Katharina Hartwig stimmte für Merz. Eine Spaltung der CDU befürchtet sie ebenso wenig wie der Bielefelder CDU-Chef Andreas Rüther: »Das war ein demokratischer Prozess. Das Ergebnis spiegelt ziemlich genau unsere Probeabstimmung in Bielefeld wider.«

Anders hatten sich die Mitglieder des CDU-Kreisverbands Minden-Lübbecke positioniert. »Zwei Drittel waren vorab für Friedrich Merz«, sagte die Kreisvorsitzende Kirstin Korte . Die Landtagsabgeordnete aus Minden zog trotz der beiden Lager, die sich in der CDU nun ganz klar sichtbar gebildet haben, ein positives Fazit der Wahl: »Der ganze Prozess hat uns als Partei gut getan.«

 

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