»Staatsfreund« Abdelkarim spielt beim Gastspiel in Paderborn geschickt mit Klischees
Keine Angst ums Gepäck

Paderborn (WB). Mehr als zwei Stunden zieht der Kabarettist Abdelkarim das Publikum im ausverkauften Saal der Kulturwerkstatt in den Bann und erntet Begeisterung für genau platzierte Pointen.

Mittwoch, 12.12.2018, 11:26 Uhr aktualisiert: 12.12.2018, 11:28 Uhr
Der Deutsch-Marokkaner Abdelkarim gewinnt mit seiner verbindlichen Art schnell die Sympathie des Publikums. Foto: Michael Welling
Der Deutsch-Marokkaner Abdelkarim gewinnt mit seiner verbindlichen Art schnell die Sympathie des Publikums. Foto: Michael Welling

Vom Äußeren her entspricht der in Bielefeld geborene Deutsch-Marokkaner ein bisschen dem Klischee vom bösen, sexistischen Nordafrikaner. Und wenn er die weit aufgerissenen Augen rollt, sieht er schon zum Fürchten aus. Deutschlandweit präsent ist dieser durchdringende Blick, mit dem er gern kokettiert, regelmäßig in der ZDF-»heute-show«. Die machte Abdelkarim richtig bekannt, und inzwischen ist der 37-Jährige in der ersten Liga deutschsprachiger Comedians angekommen.

Im Spiel mit den Stereotypen und Klischees haben sich die Vertreter der so genannten Ethno-Comedy längst einen festen Platz in der Szene erobert. In seinem zweiten Programm »Staatsfreund Nummer eins« plaudert der Marokkaner über seine Absicht, irgendwann auch mal einen deutschen Pass zu beantragen. »Das kostet erhebliche Gebühren, aber ich habe einen Freund, der besorgt ihn mir günstiger« – natürlich ein Klischee. Abdelkarim spielt damit auf eine charmante Art und Weise. Er weiß zum Beispiel, warum so viele Ausländer wie sein Freund Ali (»Kfz-Mechaniker mit Schwerpunkt Tacho-Justierung«) nebenberuflich als Türsteher für Clubs arbeiten: »Die haben gemerkt, dass sie eh nicht reinkommen.«

Manchmal bleibt das Lachen im Hals stecken

Freund Ali ist so eine Art roter Faden im Programm, der immer etwas peinliche Begleiter im täglichen Leben, der in einer teuren Boutique von der Verkäuferin wissen will: »Haben Sie auch Jacken, die man nicht klauen muss?« Er schildert selbstironisch Episoden die zeigen, wie hysterisch mit »Nafris« wie ihm mitunter umgegangen wird. Besonders im Bahnverkehr hat er Sachen erlebt, die er nur leicht überspitzt. So muss er nie mehr Angst um sein Gepäck haben: »Meine Tasche will keiner haben. Und wenn ich sie mal im Bahnhof vergessen habe und zurückkomme, ist der ganze Bahnhof leer und drei Polizisten und ein ferngesteuertes Auto passen auf meine Tasche auf.«

Besonders hat es ihm der Ort Scharmede angetan, durch den er bei seiner Bahnanreise kam. »Der Name klingt ja auch irgendwie arabisch.« Um Vorfälle wie Silvester auf dem Kölner Hauptbahnhof zu vermeiden, schlägt er schwule Vierergruppen als »natürlichen Feind von arabischen Antänzern« vor. Gerade sei er von Bielefeld nach Duisburg umgezogen, allerdings nur mit Pkw und Anhänger: »Als Moslem ist es im Moment sehr schwer, einen Lkw zu leihen« – eine Pointe, bei der nach den Geschehnissen in Nizza und Berlin das Lachen ein bisschen im Hals stecken bleibt.

Immer wieder sucht Abdelkarim den direkten Dialog mit dem gut gelaunten Publikum, dem er bei (seltenem) mäßigem Applaus schon mal attestiert: »So klingt Paderborner Euphorie.« Aber sonst wird er stürmisch gefeiert und gewinnt mit seiner offenen, freundlichen Art sehr schnell alle Sympathien des Publikums.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6252783?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2512560%2F
Wirecard: Scholz sieht keine Verantwortung der Regierung
Finanzminister Olaf Scholz muss dem U-Ausschuss zum Wirecard-Skandal Rede und Antwort stehen.
Nachrichten-Ticker