Sa., 15.12.2018

Erzbistum Paderborn übergibt Ermittlern Personalakten Missbrauchsverdacht: Staatsanwalt prüft Altfälle

Der Hohe Dom zu Paderborn ist die Kathedralkirche des Erzbistums.

Der Hohe Dom zu Paderborn ist die Kathedralkirche des Erzbistums. Foto: Jörn Hannemann

Von Bernd Bexte

Paderborn (WB). Die Missbrauchsstudie des Erz­bistums Paderborn hat jetzt die dortige Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen: Sie prüft zahlreiche Altfälle.

Am Montag erwartet die Staatsanwaltschaft aus dem Archiv des Erzbistums den Eingang von »etwa 10 bis 20« Personalakten von noch lebenden Geistlichen. »Wir werden dann prüfen, ob sich darin Anhaltspunkte zu strafrechtlich relevantem Verhalten finden«, sagte Oberstaatsanwalt Christoph Zielke am Freitag. Im Vorfeld habe es bereits Gespräche mit dem Erzbistum gegeben, um die möglicherweise strafrechtlich relevanten Fälle herauszufiltern. Das Erzbistum zeige sich kooperativ. Zudem gelte es zu überprüfen, ob mutmaßliche Taten schon verjährt seien.

Im September hatte das Erzbistum parallel mit allen Bistümern in Deutschland eine Studie zum Missbrauch in der katholischen Kirche vorgestellt. Demnach hatten sich von 1946 bis Ende 2015 im Erzbistum Paderborn mindestens 111 Kleriker sexueller Übergriffe auf insgesamt 197 Kinder und Jugend­liche schuldig gemacht. Die Mehrzahl der Vorfälle habe sich in den 1950er und 1960er Jahren ereignet. Von den 111 Beschuldigten waren zum Zeitpunkt der Studienpräsentation 82 bereits tot. Die Opfer waren zu fast zwei Dritteln männlich. Erfasst wurden nicht nur verifizierte Taten, sondern alle Hinweise, Verdachtsmomente und Mutmaßungen. Darunter seien auch »Grenzüberschreitungen« unterhalb der Strafbarkeit gewesen, hatte Generalvikar ­Alfons Hardt betont. »Deshalb spricht die Studie nicht von Tätern und Opfern, sondern von Beschuldigten und Betroffenen.« Laut Studie waren bislang neun Verfahren zur Bearbeitung an die Staatsanwaltschaft gelangt.

Eine Anzeige einer Gruppe von Juraprofessoren bei den Staatsanwaltschaften im Bezirk aller 27 katholischen Bistümer hatte jetzt auch die Paderborner Ermittlungsbehörde tätig werden lassen. Die sechs Rechtswissenschaftler sehen in den Missbrauchsstudien der Bistümer Anzeichen für bislang nicht verfolgte Straftaten. Diese gelte es nun zu ahnden. In Köln und Regensburg waren die Staatsanwaltschaften nach eigenen Angaben unabhängig von der Anzeige bereits mit der Prüfung eines Anfangs­verdachts befasst.

Da nicht alle Altfälle des Erzbistums Paderborn im Bezirk der Paderborner Staatsanwaltschaft liegen, würden diese dann an die jeweils zuständigen Ermittlungsbehörden vor Ort abgegeben, erklärte Oberstaatsanwalt Zielke.

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