Do., 20.12.2018

Außerordentliche Betriebsversammlung in Münster Möbel Finke: Gedrückte Stimmung im Betrieb

Das Möbelhaus Finke in Münster-Nienberge soll bestehen bleiben – allerdings zu neuen Bedingungen für die rund 180 Beschäftigten. Die Gewerkschaft Verdi warnt vor einer Verschlechterung.

Das Möbelhaus Finke in Münster-Nienberge soll bestehen bleiben – allerdings zu neuen Bedingungen für die rund 180 Beschäftigten. Die Gewerkschaft Verdi warnt vor einer Verschlechterung. Foto: Oliver Werner

Von Lukas Speckmann

Münster/Paderborn (WB). Übernimmt ein neuer Inhaber einen Betrieb, darf er bestehende Arbeitsverträge ein Jahr lang nicht zum Nachteil der Mitarbeiter ändern – es sei denn, die einzelnen Arbeitnehmer sind damit einverstanden. Unterschreiben oder nicht? Das ist derzeit die drückende Frage bei Möbel Finke in Münster.

Den rund 180 Beschäftigten des Möbelhauses Finke steht ein unruhiges Weihnachtsfest bevor. D as Unternehmen mit Hauptsitz in Paderborn wurde am 1. November von der Krieger Handel SE (»Möbel Höffner«) übernommen.

Der Standort Münster soll zwar erhalten bleiben – allerdings werden dem Vernehmen nach die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seit einigen Tagen einzeln aufgefordert, neue Arbeitsverträge zu unterschreiben. Die Gewerkschaft Verdi rät davon ab; die Bedingungen seien deutlich schlechter.

»Keine Gründe, neue Verträge zu unterschreiben«

Am Mittwoch fand kurz vor der Geschäftsöffnung um 10 Uhr auf Einladung des Betriebsrats eine außerordentliche Betriebsversammlung statt – an der zumindest die Belegschaft des Tages teilgenommen haben soll. Gewerkschaftssekretärin Gaby Beuing berichtet von einer »sehr guten Versammlung«, bei der die rechtliche Situation habe geklärt werden können.

Ihr Fazit: »Es gibt keine Gründe, neue Verträge zu unterschreiben.« Nach einem Betriebsübergang dürften laut Gesetz die Vertragsbedingungen ein Jahr lang nicht zum Nachteil der Arbeitnehmer geändert werden. Das sei bei den Beschäftigten nun definitiv angekommen und habe zur Beruhigung beigetragen.

Angebot des Arbeitgebers

Ein Mitarbeiter des Hauses bestätigt dies gegenüber den »Westfälischen Nachrichten«, sagt aber auch, dass die Stimmung nach wie vor sehr gedrückt sei. Schließlich ließen sich Arbeitsverträge eben doch ändern, wenn es in gegenseitigem Einvernehmen geschieht – die Arbeitnehmer müssen nicht, aber sie dürfen unterschreiben. Und in einigen Fällen sei genau dies aus Angst um den Arbeitsplatz bereits geschehen. Es gebe seitens des Arbeitgebers das Angebot, nach einer Unterschrift für eine Übergangszeit einige alte Bedingungen gelten zu lassen.

Gaby Beuing hofft darauf, dass das Unternehmen die vorschnell unterschriebenen Verträge als Zeichen des guten Willens wieder zurücknimmt – das habe sie dem bei der Versammlung anwesenden Hausleiter als Wunsch zu Weihnachten mit auf den Weg gegeben. Schließlich gewähre auch der neue Vertrag keinen Schutz vor Kündigung.

Der Hausleiter von Möbel Finke war für die Redaktion nicht zu erreichen – wie sich auch der neue Eigentümer bislang kaum öffentlich äußert. Der Unternehmer Kurt Krieger hatte Möbel Finke vor einigen Wochen als »Sanierungsfall« bezeichnet. Was der Belegschaft in Nienberge besonders im Nacken sitzt: Das Möbelhaus am Finke-Stammsitz in Paderborn soll Mitte 2019 aufgegeben werden. Dort verlieren rund 300 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz.

Blick nach Paderborn: Dort zeichnet sich ein Wettstreit der Möbelgiganten XXX­Lutz und Höffner ab. Nach WB-Informationen interessiert sich Lutz für den Finke-Standort. Eine offizielle Bestätigung gab es bisher nicht. Wie berichtet, hat Höffner die Schließung und den Finke-Abriss für Mitte 2019 geplant.

 

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