Sa., 05.01.2019

Die Gesamtschule Elsen macht sich unabhängig vom Mensa-Caterer Frisch gekocht in eigener Küche

Henri (12) lobt die große Auswahl in der Elsener Gesamtschul-Mensa.

Henri (12) lobt die große Auswahl in der Elsener Gesamtschul-Mensa. Foto: Jörn Hannemann

Von Manfred Stienecke

Paderborn (WB). Seit Monaten ärgern sich viele Kinder und deren Eltern über die unzuverlässige Mittagsverpflegung in den Paderborner Schulen. Eine löbliche Ausnahme bildet die Gesamtschule Elsen. Hier wird verlässlich jeder satt.

An der sechszügigen Gesamtschule braucht niemand auf den Caterer zu warten. Hier wird seit bald 20 Jahren selbst gekocht. Küchenchef Stefan Striegl (56) und sein 18-köpfiges Mensa-Team bereiten täglich Mahlzeiten für gut 1100 hungrige Mäuler zu – das sogar preiswerter als an den mit Fertigmenüs belieferten Schulen.

Schon bevor morgens die ersten Schulbusse eintreffen, brennt Licht in der Küche der Gesamtschule. »Wir fangen um 7 Uhr mit den Vorbereitungen an«, berichtet Striegl. Täglich müssen 50 Kilo Kartoffeln und 30 Kilo Salat verarbeitet werden. Dazu gibt es eine Tagessuppe, diverse Nudelsorten mit zwei unterschiedlichen Soßen, Fleisch, Gemüse, Obst und ein Dessert. Freitags kommt zusätzlich frisch gebackene Pizza auf den Tisch.

»Mit dem Pizzaofen haben wir angefangen«, erzählt Sigrid Beer. Die Landtagsabgeordnete der Grünen ist Vorsitzende des Fördervereins der Gesamtschule, der den Mensabetrieb organisiert und finanziert. Als die Elsener Gesamtschule 1990 an den Start ging, beauftragte die Stadt zunächst einen Caterer mit der Mittagsverpflegung. Weil sich in der Schülerschaft aber vermehrt Unzufriedenheit mit dem Mahlzeitenangebot breit machte, wurde der Förderverein tätig.

»Wir haben im Jahr 2000 damit angefangen, parallel zu den angelieferten Essen Brötchen zu schmieren und Suppen zu kochen«, erinnert sich Sigrid Beer. Ein immer größerer Teil der Schülerschaft sei damals zum Eltern-Buffet umgeschwenkt. »Der Caterer wurde zum Teil nur noch 20 Essen los.« Die meisten Gesamtschüler bevorzugten frisch zubereitete Speisen. »Das ging dann nicht mehr im Ehrenamt«, sagt die Fördervereins-Chefin.

Im Schuljahr 2005/06 wurde umgestellt. Seither arbeitet der Förderverein ganz professionell. Er schließt die Arbeitsverträge mit dem Personal ab, organisiert den Einkauf und kalkuliert die Essenspreise. Mit einem Betrag von 3,50 Euro für die Einzelmahlzeit oder 42 Euro monatlich speisen die Elsener Gesamtschüler sogar günstiger als ihre Paderborner Mitschüler. »Die Stadt übernimmt nur die Kosten für Strom und Wasser sowie die Reinigung«, sagt Sigrid Beer. Auch die Anschaffung einer neuen Küchenausstattung im Jahr 2008 habe der Verein mit eigenen Mitteln bezuschusst. Der jährliche Etat des Mensabetriebs beläuft sich mittlerweile auf stolze 500.000 Euro. »Den bestreiten wir kostendeckend nur aus dem Essenbeitrag.«

Pünktlich um 12.40 Uhr stürmen die hungrigen Schüler die Mensa. Weil die 320 Sitzplätze bei weitem nicht ausreichen – eine Erweiterung um 120 Plätze ist geplant –, muss in drei Schichten getafelt werden. »Die längsten Schlangen gibt es immer freitags an der Pizzatheke«, weiß Henri (12). Dem Sechstklässler schmecken aber auch Gemüse und die Portionen von der Salatbar. Er lobt ausdrücklich die große Auswahl.

Sein Klassenkamerad Anton (11) ist wie Henri ebenfalls als »Mensa-Guide« eingeteilt. »Wir helfen anschließend beim Einsammeln der Tabletts, beim Geschirr-Einräumen und beim Saubermachen«, ergänzt dieser. Beim Küchenpersonal hat er sich ein paar Kochtipps abgeschaut. »Ich habe zu Hause auch schon Schnitzel gebraten. Das ging ganz gut, aber die Vorbereitungen dafür sind ganz schön groß«, hat er gelernt.

Immerhin 890 der insgesamt 1260 Gesamtschüler nehmen derzeit das Essensangebot in der Mensa wahr. Dazu kommen rund 100 Lehrer und 120 Grundschüler aus der benachbarten Dionysiusschule. Für Küchenchef Striegl und sein Team bedeutet das genaueste Kalkulation, damit jeder satt wird und trotzdem nicht allzu viel übrig bleibt. »Jeder Schüler darf sich so lange nachnehmen, bis er satt ist«, betont er. Dennoch kann Striegl nicht verhindern, dass pro Woche bis zu 250 Kilogramm Essensreste entsorgt werden müssen.

»Wir möchten den Anteil der weggeworfenen Lebensmittel natürlich reduzieren«, betont Sigrid Beer. »Wir ermuntern die Schüler immer wieder, sich kleinere Portionen auf die Teller zu laden und lieber noch mal nachzunehmen.« Durch regelmäßige Befragung der Schüler und Eltern bemühe man sich auch darum, auf Wünsche etwa nach einem vegetarischen oder veganen Angebot einzugehen. Dem Förderverein liege die Qualität der Mahlzeiten besonders am Herzen. Beer: »Zu Beginn eines jeden Schuljahres laden wir die Eltern immer zu einem Probeessen ein.«

Die Fördervereins-Vorsitzende hält das Elsener System für beispielhaft. Es könne überall in Paderborn die Probleme, die es immer wieder mit Caterern gebe, verhindern helfen. Beer: »Ich bin überzeugt davon, dass vor allem an den anderen Gesamtschulen unser System eingeführt werden könnte.« Was Frische und Qualität der Ernährung anbetreffe, sei ein dezentrales System der Anlieferung immer vorzuziehen.

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