Fr., 11.01.2019

NRW-Jubiläumsgeschenk für Kreis Paderborn ist bereits nach zehn Jahren arg lädiert Vorzeige-Allee mit Halbwertszeit

Unter großer medialer Präsenz wurde 2009 die Allee gepflanzt. Mit dabei (von links): Landrat Manfred Müller, Bürgermeister Heinz Paus, Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl. Nach nur zehn Jahren ist ein Großteil der Bäume beschädigt, bilanziert das Kreis-Umweltamt, das auf Initiative des Naturschutzbeirates aktiv wurde.

Unter großer medialer Präsenz wurde 2009 die Allee gepflanzt. Mit dabei (von links): Landrat Manfred Müller, Bürgermeister Heinz Paus, Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl. Nach nur zehn Jahren ist ein Großteil der Bäume beschädigt, bilanziert das Kreis-Umweltamt, das auf Initiative des Naturschutzbeirates aktiv wurde. Foto: Jörn Hannemann

Von Bernhard Liedmann

Paderborn (WB). Es war ein Millionen-Projekt des Landes NRW mit Vorbildfunktion: Das 100-Alleen-Programm unter der Regie des damaligen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers, das im Kreis Paderborn vor zehn Jahren die Krönung mit 150 Ahorn-Bäumen nebst Gedenktafel erfuhr. Doch die Nachhaltigkeit war kurz, es reichte nicht einmal für die Halbwertszeit: Der Großteil der Bäume ist erheblich beschädigt.

Der Beitrat der Unteren Naturschutzbehörde beim Kreis Paderborn hat jetzt das seinerzeitige Prestige-Objekt des Landes auf der Tagesordnung. Beschädigungen an zahlreichen Bäumen wurden dem Beirat gemeldet, der wiederum die untere Naturschutzbehörde im November zu einer Ortsbegehung der Baumreihen am Imkerfeld bei Neuenbeken veranlasste.

Das Ergebnis: Ein Großteil der 150 Alleenbäume weist Schäden auf, die witterungsbedingt als auch auf Beschädigungen durch landwirtschaftliche Geräte und Fahrzeuge zurückzuführen sind, bilanziert die Verwaltung. Außerdem komme noch ein oftmals zu geringer Abstand bei der landwirtschaftlichen Bearbeitung zum Stamm der Gehölze hinzu, ist das Fazit der Fachleute für die Sitzung des Beirates am 17. Januar im Kreis. Einen Allee-Baum erwischte es besonders schlimm: von ihm steht nur noch der Stamm.

Die Gedenktafel am Stein erinnert an den besonderen Tag. Foto: Jörn Hannemann

In Gesprächen mit der Stadt Paderborn, die immerhin Eigentümerin der Allee bei Neuenbeken ist, wurde laut Kreisverwaltung auch festgestellt, dass die »Flurstückgrenzen bei der Bewirtschaftung nicht eingehalten werden und diese bis an die Alleengrenze vorgenommen wird«. Jetzt sollen Baumschutzmaßnahmen durch die Stadt erfolgen mit dem Ziel der »Wiederherstellung der Unversehrtheit dieser 2009 angelegten Allee«. Es sollen zudem Markierungsanzeigen der Grenze erfolgen, dies soll auch an anderen Wegen durchgeführt werden. Nach Abschluss der Maßnahmen soll die Stadt Paderborn dem Landrat sowie auch dem Naturschutzbeirat beim Kreis eine entsprechende Mitteilung machen.

Jährlich eine Million Euro

Immerhin war die 100. Allee des Landes NRW regelrecht ein persönliches Ministergeschenk. Rüttgers reiste mit der Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl nach Paderborn zur Allee am Imkerfeld am 23. September an, und mit Landrat Manfred Müller und dem damaligen Bürgermeister Heinz Paus erfolgte medienwirksam das Pflanzen des Jubiläumsbaumes als letztem der insgesamt 150 Ahorn-Bäume, an denen heute noch die Nummernschilder hängen. Rüttgers begründete damals vor Ort den Ursprung des 100-Allee-Projektes des Landes mit einem persönlichen »Ärgernis«: »Als eine Umgehungsstraße gebaut wurde, fiel ihr eine ganze Allee zum Opfer und wurde nicht nachgepflanzt«, ärgerte er sich.

Pro Jahr stellte dann ab 2006 das Land eine Million Euro für das Programm zur Verfügung, dass in Paderborn mit der 100. Allee seinen Abschluss fand. Es sei auch ein Beitrag zum Umweltschutz, sagte Rüttgers, und um Alleen an Straßen und Wegen künftig besser zu schützen, wurden sie im Landschaftsgesetz des Landes 2007 unter gesetzlichen Schutz gestellt. Der hat allerdings in Paderborn nicht einmal zehn Jahre richtig gehalten.

Kommentar von Bernhard Liedmann

Geschenke sind natürlich immer relativ. In vielen Bürgermeisterkellern und auf Rathausdachböden stapeln sich sicherlich Präsente aus vielen Jahrzehnten. Dass manche Ersatzanpflanzung für Baumaßnahmen in Feld und Flur unbeachtet vor sich hindümpelt, ist auch verständlich. Eine Allee mit Gedenktafel als »Stiftungserinnerung« hat aber sicherlich Besseres verdient. Sicherlich wird der eine oder andere Baum mal unbeabsichtigt beschädigt. Dass ein Jubiläumsgeschenk aber so achtlos behandelt und offensichtlich vergessen wird, hat auch der Schenkende nicht verdient. Zum Glück kontrolliert er auch nicht, was aus einer 80-prozentigen Förderung geworden ist.

 

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