Mo., 14.01.2019

Paderborner Chemiker Richard Grothe warnt vor »Heets« Wie ungesund sind Tabak-Sticks?

Chemiker Richard Grothe hat Tabak-Sticks ausprobiert und warnt vor ihnen. Hersteller Philipp Morris spricht von der »mit Abstand erfolgreichsten Neueinführung einer Industrie-Markenfamilie im deutschen Zigarettenmarkt«.

Chemiker Richard Grothe hat Tabak-Sticks ausprobiert und warnt vor ihnen. Hersteller Philipp Morris spricht von der »mit Abstand erfolgreichsten Neueinführung einer Industrie-Markenfamilie im deutschen Zigarettenmarkt«. Foto: Jörn Hannemann

Von Dietmar Kemper

Paderborn (WB). Plötzlich bekam Richard Grothe beim Fußballspielen Herzstiche. »Ich habe die Dinger eine Woche verwendet und konnte beim Fußball nicht mehr richtig atmen«, sagt der Chemiker. Mit den »Dingern« meint er die »Heets« von Marlboro. Grothe testete das Produkt – und warnt nun davor.

»Heets« sind Tabak-Sticks, die den E-Zigaretten Konkurrenz machen und dem Umsatzeinbruch bei herkömmlichen Zigaretten entgegenwirken sollen. Sie brennen nicht ab wie Zigaretten sondern verdampfen bei 300 Grad. Um sie zu konsumieren, brauchen Raucher einen Heizstift (Iqos-Gerät). In ihn wird der knapp fünf Zentimeter große Stick aus gepresstem Pfeifentabak gesteckt.

Der Konzern Philipp Morris spricht von der »mit Abstand erfolgreichsten Neueinführung einer Industrie-Markenfamilie im deutschen Zigarettenmarkt« und verweist auf einen Anteil von 0,5 Prozent nach gut einem Jahr. Der werde noch deutlich wachsen, heißt es. »Laut Werbung enthalten sie 90 Prozent weniger Schadstoffe«, weiß Grothe.

Masterabschluss 2015 an der Uni Paderborn gemacht

Grothe machte im Oktober 2015 an der Universität Paderborn seinen Master in Chemie und promoviert derzeit im Studiengang »Polymere Materialien und Prozesse«. Für bedenklich hält er, dass bei den »Heets« ein Kunststofffilter aus PLA (Polylactidsäure-Polymer) anschmore. »So können schädliche Polymerketten aus Polylactidsäure in die Luft und die Lunge gelangen«, erläutert der 33-Jährige aus Bad Lippspringe. Diese Ketten legten sich wie ein Teppich auf die Lunge.

Mehrfach hat Grothe nach eigenen Worten das Tabakprodukt, das als »echter Tabak in neuer Form« angepriesen wird, getestet – jedes Mal habe der Kunststofffilter angefangen zu schmoren. »Die entwickelten Gase sind extrem schädlich, sie riechen wie eine verbrannte Plastiktüte«, betont Grothe. Wegen seiner Bedenken hat er den Konzern Philip Morris, zu dem die Marke Marlboro gehört, angeschrieben. Das Produkt sei gesundheitlich unbedenklich, erhielt er zur Antwort. Grothe glaubt das nicht. Es sei nicht klar, wie das PLA in den »Heets« hergestellt wird, »das heißt, ob Katalysatorreste oder sonstige gefährliche Inhaltsstoffe enthalten sind«.

Zusatzstoffe entstehen bei der Erhitzung

Dies bedeute, dass noch stärker als die Molekülketten die herauslösbaren Zusatzstoffe und die bei der Erhitzung entstehenden chemisch veränderten Produkte das Problem darstellten. Grothe beruft sich auf ein Sicherheitsdatenblatt der niederländischen 3D-Drucker-Firma Ultimaker zu PLA als Druckerfilament. Demnach sollte das Einatmen vermieden werden, weil die Dämpfe in hoher Konzentration zu »Unwohlsein« führen könnten.

Der Chemiker Grothe ist überzeugt: »Insgesamt sind die ›Heets‹-PLA-Filter mit absoluter Vorsicht zu behandeln und es sollten grundlegende Untersuchungen in Bezug auf die Toxizität beim Einatmen der Dämpfe gemacht werden, die bei den Temperaturen in den Iqos-Geräten und ›Heets‹-Sticks entstehen.« Bedenken hat auch schon das Blaue Kreuz im schweizerischen Bern geäußert, nachdem sich ein Forschungsinstitut in seinem Auftrag die Methode des Erhitzens von Tabak angeschaut hatte. Demnach seien die Filter der »Heets« teilweise geschmolzen, berichtete das schweizer Nachrichtenportal »20 Minuten«.

Kommentare

Totaler Humbug

Wo sind denn bitte die Fakten und Beweise das es von Heets kommt? Ich bin Astmatiker und "rauche" schon seit Monaten Heets. Mir geht es wie vielen Anderen Heetern wesendlich besser als mit herkömmlichen Zigaretten. Das was dort "anschmort" ist der Maisteil des Filters und gesundheitlich völlig unbedenklich.

Thema Rauchen

Das ist ja ungeheuerlich was dort beschrieben wird. Da läuft es mir kalt den Rücken runter. Am Besten ist es gar nicht zu rauchen. Vielleicht ein guter Vorsatz für 2019 nach dem Erlebten für den Chemiker?!

2 Kommentare

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