Mo., 14.01.2019

Wenn Inszenierungen die Justiz beschäftigen Theater beklagen Attacken von AfD und rechten Gruppierungen

Diese Seiten im Programmheft gehen der AfD zu weit – juristische Folgen haben sie aber nicht.

Diese Seiten im Programmheft gehen der AfD zu weit – juristische Folgen haben sie aber nicht. Foto: Jörn Hannemann

Berlin/Hannover/Paderborn (dpa). Wenn das Theater die Justiz beschäftigte, ging es früher häufig um die Verletzung religiöser Gefühle. Jetzt haben Staatsanwälte und Richter immer wieder Inszenierungen zu prüfen, weil Rechte Anstoß nehmen.

Gegen das im Herbst 2015 uraufgeführte Stück »Fear« von Falk Richter an der Berliner Schaubühne klagte unter anderem erfolglos die AfD-Politikerin Beatrix von Storch, da Fotos von ihr verwendet wurden. In Paderborn zeigte der AfD-Kreisverband das Theater wegen Verleumdung und Volksverhetzung an.

Die Lokalpolitiker nahmen an einer Grafik im Spielzeit-Heft Anstoß. Darin waren unter anderem Wahlergebnisse der NSDAP und der AfD gegenübergestellt. Die Staatsanwaltschaft nahm keine Ermittlungen auf, da es hierfür keine rechtlichen Voraussetzungen gab.

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Im Grunde wird alles, was nicht AfD ist, als linksversifft bezeichnet.

Ulrich Khuon, Präsident des Deutschen Bühnenvereins

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Der Präsident des Deutschen Bühnenvereins, Ulrich Khuon, beobachtet zunehmend Angriffe von rechts auf die Kunstfreiheit. »Verbal geschieht das auf eine aggressive, giftige Art. Im Grunde wird alles, was nicht AfD ist, als linksversifft bezeichnet. Außerdem gibt es den Weg über Gerichte und Kleine und Große Anfragen in den Parlamenten«, sagt der Intendant des Deutschen Theaters Berlin. An seinem eigenen Haus wurde 2018 die Performance »Global Gala« von Anhängern der rechtsextremen »Identitären Bewegung« gestört.

Der Chef des Bühnenvereins plädiert dafür, dass die Theater verstärkt den Blick auf das Ganze werfen und die Gesellschaft spiegeln. »Es geht um Fragen wie: Warum haben Menschen das Gefühl, dass sie zu kurz kommen? Warum gibt es keinen Wohnraum? Warum verdient die Kita-Erzieherin so wenig?«, erläuterte der 67 Jahre alte Theatermacher.

Bewegung »Die Vielen«

Die Bühnen tauschten sich bundesweit über den Umgang mit Anfeindungen aus, sagte Khuon. Zudem haben sich schon rund 500 Kulturinstitutionen der Bewegung »Die Vielen« angeschlossen, die sich für Kunstfreiheit und gegen Rechtspopulismus und Rassismus einsetzt.

Das politische Theater maße sich an, die moralisch zulässigen Antworten auf komplexe gesellschaftliche Debatten zu kennen, sagte der kulturpolitische Sprecher der AfD im Bundestag, Marc Jongen, der dpa. Wer diese Antworten nicht teile, dem werde auf der Bühne der »Schauprozess« gemacht. Deshalb stelle die AfD Anträge auf Kürzungen von Förderungen.

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