Sa., 19.01.2019

Initiative will ein Taubenmanagement in Paderborn einführen »Gut für Tiere und Stadt«

Ärgernis Taubendreck: Auch die Mariensäule in der Paderborner Innenstadt dient als »Zielscheibe«. Es ist noch nicht lange her, da wurde sie aufwändig und für viel Geld restauriert (Foto). Aber die Tauben scheren sich einen Dreck darum.

Ärgernis Taubendreck: Auch die Mariensäule in der Paderborner Innenstadt dient als »Zielscheibe«. Es ist noch nicht lange her, da wurde sie aufwändig und für viel Geld restauriert (Foto). Aber die Tauben scheren sich einen Dreck darum. Foto: Jörn Hannemann

Von Maike Stahl

Paderborn (WB). An Tauben scheiden sich die Geister: Während die einen sie trotz Verbots füttern, sind die anderen genervt von den »Ratten der Lüfte«. Kerstin Beele und Simon Diekneite mögen Tauben und haben einen Plan entwickelt, der eigentlich allen gefallen dürfte: Ein Taubenmanagement, das sich in anderen Städten bewährt hat, gut für die Tiere ist und ihre Vermehrung gleichzeitig eindämmen soll.

Sie wollen etwas für die Tauben in Paderborn und für diejenigen, die von den Vögeln genervt sind, tun: (von links) Kerstin Beele, Simon Diekneite, Julia Rotthoff, Karsten Grabenstroer, Norina Duzella, Katharina Wiesenack und Victoria Alderton. Foto: Maike Stahl

»Wir möchten die Stadt motivieren, an den Brennpunkten betreute Taubenhäuser aufzustellen«, skizziert Diekneite den Plan. »Dort erhalten die Tiere artgerechtes Futter und ihre Eier werden regelmäßig gegen Attrappen ausgetauscht.« In anderen Städten wie Würzburg und Stuttgart habe sich das Taubenmanagement bereits bewährt. Um das Konzept auch in Paderborn realisieren zu können und verletzte und kranke Tauben versorgen zu können, hat das Paar die Initiative Paderborner Stadttauben gegründet, die demnächst auch als gemeinnütziger Verein eingetragen werden soll.

»Stadttauben sind Haustiere, deshalb pflanzen sie sich auch ganzjährig fort«, stellt Kerstin Beele klar. Früher dienten sie den Menschen als Eier- und Fleischlieferanten und wurden entsprechend gefüttert. Heute müssen sie sich ihr Futter selbst suchen und flattern am liebsten dort herum, wo Menschen essen und dabei krümeln. Ihre Ruhe- und Nistplätze suchen sie sich auf Mauervorsprüngen, in Nischen und besonders gerne auf den Lampen in der ehemaligen Zentralstation. »Weil es dort warm ist, wenn die Lampen brennen«, erläutert Karsten Grabenstroer. Der CDU-Ratsherr hat sich privat der Initiative angeschlossen, weil er in dem geplanten Taubenmanagement eine gute Lösung für das Problem sieht. Denn an den Plätzen, an denen sich die Tauben derzeit ihren Rückzugsort suchen, sind sie in der Regel nicht willkommen.

»Aber selbst Abwehrmaßnahmen wie Gitter oder Metallspitzen helfen oft nicht, sondern führen nur dazu, dass die Tiere sich verletzen«, sagt Kerstin Beele. Bei der Futtersuche in der Innenstadt laufen die Tauben zudem Gefahr, dass sich Haare oder Fäden um ihre Füße wickeln, die dann absterben. »Eine solche Taube haben wir vor gut einem Jahr gefunden, und sind so erst für das Thema sensibilisiert worden«, erzählt sie, warum ihr das Thema am Herzen liegt. »In Würzburg habe ich selbst gesehen, dass das Management funktioniert. Dort sieht man Tauben fast nur noch am Himmel«, berichtet Grabenstroer.

Wenn sie ausreichend und artgerechtes Futter erhalten, sei der Kot zudem nicht mehr so ätzend und damit auch nicht mehr so schädlich für die Bausubstanz, nennt Kerstin Beele ein weiteres Argument für das Management. Starten sollte die Stadt nach Ansicht der Initiative zunächst mit einem betreuten Taubenschlag und das Management dann nach und nach ausbauen. »Wir würden das Projekt ehrenamtlich unterstützen, was die Säuberung der Taubenschläge, die Fütterung und den Austausch der Eier angeht«, sagen sie und werben um weitere Unterstützung ihres Anliegens. Eine entsprechende Online-Petition wurde bereits mehr als 5140 mal unterzeichnet.

Kontakt und weitere Informationen gibt es für Interessierte über die Facebookseite »Initiative Paderborner Stadttauben« und per E-Mail: padertauben@aikq.de.

Kommentar

Ein Fütterungsverbot und Abwehrmaßnahmen an Gebäuden gibt es in Paderborn. Beides verhindert nicht, dass Taubenkot und die Vögel selbst gerade im Sommer an einigen Stellen in der Innenstadt zum Ärgernis werden. Die Idee, ein Taubenmanagement einzuführen, klingt überzeugend. Und wenn dazu noch ehrenamtliche Unterstützung in Aussicht gestellt wird, gibt es eigentlich keinen Grund, das nicht auszuprobieren. Schließlich werden gerade Millionen in neue Bausubstanz, Plätze und die Sanierung historischer Fassaden investiert. Da sollte sich ein Pilotprojekt, vielleicht auch mit Unterstützung der Kirchen oder der Werbegemeinschaft rechnen. Maike Stahl

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