Fr., 18.01.2019

Paderborner Softwarehersteller Connext Vivendi eröffnet integratives Tagungshotel Hoher Anspruch wird gelebt

Hotelmanager Thomas Ihde liebt seinen neuen Arbeitsplatz. Er durfte bereits bei der Einrichtung mitrede

Hotelmanager Thomas Ihde liebt seinen neuen Arbeitsplatz. Er durfte bereits bei der Einrichtung mitrede Foto: Jörn Hannemann

Von Maike Stahl

Paderborn (WB). In der Mittagspause schlendern die 235 Mitarbeiter des Paderborner Softwareherstellers Connext neuerdings gerne mal ins Hotel. Das Vivendi hat Anfang September direkt nebenan eröffnet und gehört zum Unternehmen, trägt sogar den Namen der hauseigenen Software. Das Hotel ist für Firmengründer Jörg Kesselmeier die konsequente Fortführung seiner Unternehmensphilosophie.

»Wir verdienen unser Geld im Sozialbereich, da ist es für uns selbstverständlich, dass wir uns da auch engagieren«, sagt Kesselmeier. Das gilt auch für das Anfang September eröffnete Hotel, das integrativ geführt wird.

Im Vivendi sollen auch Menschen einen Arbeitsplatz erhalten, die es aus unterschiedlichen Gründen auf dem Arbeitsmarkt schwer haben. Hotelmanager Thomas Ihde (31), der bereits in anderen integrativen Häusern gearbeitet hat, hat damit sehr gute Erfahrungen gemacht. »Es macht Spaß, mit Menschen mit Handicap zu arbeiten, weil sie tolle Arbeit leisten und oft mit mehr Freude dabei sind«, hat der gebürtige Unterfranke festgestellt. Von derzeit 13 sozialversicherungspflichtig angestellten Mitarbeitern für die Bereiche Küche, Rezeption, Housekeeping und Technik besetzen drei integrative Arbeitsplätze, Tendenz steigend. »Wir wachsen noch. Zur Zeit suchen wir weitere Mitarbeiter für die Rezeption, um diese auch in den hoteltypischen Zeiten besetzen zu können«, sagt Ihde. Derzeit sei die Rezeption von 8 bis 20 Uhr besetzt, teilweise in Kooperation mit Connext-Mitarbeitern.

Auch im Restaurant soll sich – nicht nur personell – noch einiges tun, da dort über das Frühstücksbuffet und das Mittagsangebot hinaus auch ein A-la-Carte-Betrieb etabliert werden soll. Zusätzlich zu den festangestellten Mitarbeitern beschäftigt das Hotel Vivendi Praktikanten mit verschiedenen Handicaps, um zu sehen, ob eine Anstellung für beide Seiten in Frage kommen könnte.

Thomas Schlosser hat sich gleich wohlgefühlt

So ist auch Thomas Schlosser ins Team gekommen. Der 57-Jährige ist gelernter Dachdecker und seit 1980 schwerbehindert. »Als der Betrieb, bei dem ich gearbeitet habe, 2013 in die Insolvenz ging, war ich gerade in einer Reha-Maßnahme«, erzählt er. In seinem Alter mit den gesundheitlichen Beeinträchtigungen habe damit eine sehr belastende Zeit für ihn begonnen. »Ich hatte die Hoffnung fast aufgegeben, noch mal einen Chef zu bekommen, als ich mich hier vorstellen konnte.« Das Vorstellungsgespräch selbst hat ihn am meisten überrascht. »Das war sehr persönlich und locker, gleich per Du, da habe ich mich wohlgefühlt«, erzählt Schlosser.

Begonnen hat er mit einem Praktikum, um zu sehen, ob er die Arbeit im Haustechnikbereich schafft und sich schnell bewährt. Das einzige, was für ihn immer noch ein bisschen ungewohnt ist: »Gleitende Arbeitszeit«, sagt der Bad Driburger und lacht. »Das habe ich bisher noch nie erlebt.«

Modernste Heiz- und Lüftungstechnik dank Betonkernaktivierung

In ihrem Bereich haben Thomas Schlosser und seine Kollegen es mit modernster Heiz- und Lüftungstechnik basierend auf einer Betonkernaktivierung zu tun. »In Fußböden und Decken ist ein wasserzirkulierendes Rohrsystem verbaut, das je nach Außentemperatur Wärme aus den Wänden aufnimmt oder wieder abgibt«, erläutert Ihde. »So kommen wir ganz ohne Klimaanlage aus.«

Und auch die Hotelsoftware ist auf die Bedürfnisse des Hauses zugeschnitten – entwickelt von den Connext-Programmierern. »Damit hier wirklich integrativ gearbeitet werden kann, setzt die Software auf Symbole und Farben. Sie ist sehr anwenderfreundlich, barrierefrei und komfortabel gestaltet«, erläutert Ihde. Darüber werden auch die 13 Veranstaltungsräume verwaltet – ein Herzstück des Vivendi. Denn allein 5000 Teilnehmer werden jährlich bei Connext als Anwender der dort entwickelten Software für die Sozialwirtschaft geschult. »Beim großen Anwendertreffen kommen allein bis zu 800 Menschen zusammen«, berichtet Ihde. »Das wird 2019 erstmals hier stattfinden. Das wird spannend.«

15 Kitakinder erhalten ihr Mittagessen ebenfalls aus der Hotelküche

Aber auch externe Anfragen zur Nutzung des Tagungshotels häufen sich inzwischen. Für Ihde ist das keine Überraschung. Er schätzt die Atmosphäre im gesamten Haus als sehr herzlich und wertschätzend. Dazu tragen nicht zuletzt die kleinen Gäste der von der Vivendi-Stiftung geführten Kindertagesstätte bei, die in das Hotelgebäude integriert ist. Mittagessen erhalten die 15 Kinder der Tagesstätte ebenfalls aus der Hotelküche. Dort setzt Küchenchef Thomas Schweizer auf regionale, frische und gesunde Küche – der Anspruch, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, soll gelebt werden.

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