Do., 24.01.2019

Erzbischof Hans-Josef Becker über die Reaktionen auf seinen Brief Becker: »Das Frauenbild in der Kirche muss sich ändern«

Erzbischof Hans-Josef Becker will alle Zuschriften zu seinem Brief beantworten.

Erzbischof Hans-Josef Becker will alle Zuschriften zu seinem Brief beantworten.

Paderborn (WB). Der zum Jahreswechsel von Erzbischof Hans-Josef Becker verschickte Brief an alle Haushalte im Erzbistum hat viele Frauen verärgert. Das Schreiben war zum Großteil nur an die Männer adressiert. Im Interview spricht Becker über die Reaktionen auf seinen Brief und darüber, was die katholische Kirche im Umgang mit Frauen ändern muss. Die Fragen stellten Matthias Band, Ingo Schmitz und An­dreas Schnadwinkel.

Würden Sie den Brief noch einmal so aussenden?

Hans-Josef Becker : Den Brief ja, aber etwas anders.

Was wäre anders?

Becker : Viele Frauen haben sich wegen der Adressierung nicht angesprochen oder sogar ausgegrenzt gefühlt. Dieser Fehler ist leider passiert, aber er war natürlich in keiner Weise beabsichtigt. Ich entschuldige mich dafür. Und ich hoffe, diese Entschuldigung wird auch angenommen. Denn das Erzbistum Paderborn will keine Frau mutwillig enttäuschen oder ausschließen.

Inhaltlich könnte der Brief noch einmal so versendet werden?

Becker : Inhaltlich habe ich nichts zu korrigieren. Natürlich wird das Schreiben unterschiedlich bewertet, ich sehe mich durch die vielen positiven Rückmeldungen aber insgesamt bestätigt.

Wie gehen Sie persönlich mit den Reaktionen auf den Brief und mit dem Fehler bei der Adressierung um?

Becker : Das Spektrum der Rückmeldungen ist sehr breit. Es reicht von wohlwollender, kons­truktiver und hilfreicher Kritik, über das uneingeschränkte Lob, das erlebe ich auch in Begegnungen auf der Straße, bis hin zu verletzenden und beleidigenden ­Äußerungen. Damit muss ich leben, und das musste ich wahrscheinlich auch erwarten. Im Ganzen sehe ich den Brief als positive Basis für den von mir ja dort bewusst angekündigten weiteren Dialog auf ganz unterschiedlichen Ebenen.

Wie kann die katholische Kirche die Wertschätzung der Frauen, ob ehrenamtlich oder beruflich tätig, weiter steigern?

Becker : Mir ist klar, dass die Frage, ob Frauen in der Kirche genügend Wertschätzung, Anerkennung und Aufmerksamkeit zuteil wird, ganz grundsätzlich ist. Da haben wir auch auf der Leitungsebene der Kirche noch einiges zu tun. Das Frauenbild muss sich in vielen Köpfen ändern. Frauen sind mit ihren besonderen Talenten und Begabungen eine Bereicherung für die Kirche. Sie gehören selbstverständlich wesentlich dazu und fördern das kirchliche Leben in vielen Bereichen. Gerade Frauen sind es doch oft, die den Glauben als erste weitergeben und vorleben!

Also würden Sie sagen, dass es nicht reicht, wenn der Pastor einmal im Jahr, zum Beispiel bei einer Weihnachtsfeier, Danke sagt?

Becker : Natürlich reicht das nicht. Das wäre ja nicht einmal eine Minimalanforderung. Es kommt auf die ständige Wertschätzung an. Dabei muss man ein­ander ja nicht permanent lobhudeln. Jede und jeder spürt doch, ob die Anerkennung im guten Miteinander aufrichtig ist. Und jede Frau hat ein gesundes Empfinden dafür, ob sie tatsächlich gemeint ist und anerkannt wird oder ob sie bloß eine Quote erfüllt. Letzteres fände ich zutiefst verletzend und unwürdig.

Lässt die Bandbreite der Reaktionen auf den Brief Rückschlüsse auf die Stimmung in unserer Gesellschaft zu?

Becker : Genau das macht mich so nachdenklich und besorgt. Der Ton ist rauer und aggressiver geworden. Diese Beobachtung mache ich auch weit über die Resonanz des Briefes hinaus.

Auch aufgrund dieser Erfahrung: Muss die katholische Kirche mehr Gefühl zeigen und emotionaler werden, vor allem auch in den Gottesdiensten?

Becker : In den Gottesdiensten sollten wir tatsächlich mehr auf das Emotionale achten. Gute Beispiele sind attraktive und jugendgemäße Formen wie »Nightfever« und »Young Mission« oder unsere Wallfahrten. Da bin ich oft überrascht, wie ehrlich und unbefangen sich Menschen in verschiedene Weisen, Gottesdienst zu feiern, einfinden können. Wir haben in vielen Gottesdiensten die Emotion lange vernachlässigt. Wir machen vieles über den Kopf, müssen aber mehr das Herz und alle Sinne ansprechen. Und wir müssen noch mehr auf unsere Sprache achten, damit die Botschaft die Menschen auch erreicht.

 

Lesen Sie auch unseren Leitartikel zum Thema.

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