Sa., 02.02.2019

Domkapitel, Restaurator und Stadt einigen sich auf Sanierung Durchbruch beim Brunnen

Noch sieht er verkommen aus, aber das wird sich ändern. Ulrich Nüthen, Joachim Göbel und Stefanie Kroll (von links) besprechen das weitere Vorgehen im Hinblick auf den Brunnen, der an die Zeit des Wiederaufbaus in Paderborn erinnert.

Noch sieht er verkommen aus, aber das wird sich ändern. Ulrich Nüthen, Joachim Göbel und Stefanie Kroll (von links) besprechen das weitere Vorgehen im Hinblick auf den Brunnen, der an die Zeit des Wiederaufbaus in Paderborn erinnert. Foto: Jörn Hannemann

Von Dietmar Kemper

Paderborn (WB). Der Brunnen auf dem Domplatz, der an die Leistung der »Trümmerfrauen« nach dem Zweiten Weltkrieg erinnert, wird vor dem Verfall bewahrt. Darauf haben sich die Stadt, das Domkapitel und der Restaurator Ulrich Nüthen verständigt.

Dompropst Joachim Göbel sagte am Freitag dieser Zeitung: »Die Vereinbarung sieht vor, dass Herr Nüthen die restauratorischen Arbeiten übernimmt, das Domkapitel die Brunnenversorgung sicherstellt und die Stadt für die Sauberkeit und Wartung der Brunnenanlage sorgt.« Um die Wasserzufuhr zu gewährleisten, werde eine Edelstahlpumpe in den Schacht hinter dem Brunnen eingebaut. Auf einen Wassereinlauf aus Bronze, wie er ursprünglich bestand, werde verzichtet: »Der erste war schnell gestohlen worden.«

Relief stammt aus dem Jahr 1954

Wie bereits berichtet, bekam der Brunnen seit Jahren kein Wasser mehr. Er geht auf eine Anregung des ehemaligen Dompropstes Brockmann zurück. Das Relief aus dem Jahr 1954 schuf der Bildhauer Wilhelm Hanebal (1905-1982). Es zeigt Frauen und Männer beim Wiederaufbau des zerstörten Paderborn.

Auf der Inschrift ist »Nova ruinis reddita vita« zu lesen (»Neues Leben ist den Ruinen wiedergegeben«). Der Brunnen wurde 1984 in die Denkmalliste der Stadt aufgenommen. Deshalb müsse die Untere Denkmalbehörde den Maßnahmen noch zustimmen, sagte Stefanie Kroll vom Bauamt des Erzbistums am Freitag.

Restaurator will im Frühjahr loslegen

Der Chef der Firma Nüthen Restaurierungen in Bad Lippspringe, Ulrich Nüthen, geht davon aus, dass die Arbeiten im Frühjahr beginnen können und etwa sechs Wochen lang dauern werden. Geld will er dafür nicht verlangen. So wie ihn schmerze der Anblick des Brunnens auch seine Eltern, die den Zweiten Weltkrieg noch miterlebt haben, hatte er bereits Anfang Januar dieser Zeitung gesagt.

Am Freitag beschrieb Nüthen den Zustand des Brunnens und sein weiteres Vorgehen: »Der Brunnen ist insgesamt verschmutzt, es sind normale Alterungsspuren. Es muss eine Oberflächenreinigung erfolgen, außerdem müssen die Fugen im Brunnen komplett erneuert werden.«

Eine chemische Analyse soll klären, woher die weißen Ablagerungen stammen. Vermutlich wird der Brunnen mit Lasertechnik nachgereinigt. Zuvor soll und muss die Wasserzu- und Wasserableitung überarbeitet werden.

Die Firma Nüthen mit 200 Mitarbeitern hat zum Beispiel in Weimar Erfahrungen mit der Instandsetzung von Brunnen gesammelt. Die Zentrale befindet sich in Erfurt, weitere Standorte sind Berlin, Hamburg und eben Bad Lippspringe. Ulrich Nüthen wurde in Paderborn geboren.

Brunnen sollte an den Markttagen Wasser spenden

Dompropst Göbel erinnerte an die ursprüngliche Aufgabe des Brunnens. Er habe an den Markttagen und zu Libori die Versorgung mit Wasser sicherstellen sollen, allerdings auch nur dann. Nach der Restaurierung werde für den Brunnen gelten: »Er hatte einen praktischen Zweck und ist jetzt ein höchst dekoratives Element dieses Platzes.«

Mahnmal für die Schrecken des Krieges

Für Göbel ist das Denkmal allerdings mehr als nur Dekoration: »Es geht um die Wertschätzung der Menschen, die nach 1945 mühsam die Trümmer weggeräumt haben. Die Erinnerung daran ist aller Ehren wert.« Gleichzeitig erinnere der Brunnen mahnend daran, was ein Krieg in einer Stadt anrichte. Damals sei vieles verlorengegangen. Ulrich Rüthen bezeichnete das Restaurieren erhaltenswerter Objekte als eine »Ewigkeitsaufgabe«. Der Brunnen wird jetzt auf jeden Fall erhalten.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6363248?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2512560%2F