Mo., 04.02.2019

Großes Lob nach ZDF-Fernsehgottesdienst in Schloß Neuhaus – Viele rufen Hotline an 400 Gläubigen sind die Kameras egal

Einen nicht alltäglichen Gottesdienst haben 400 Gemeindemitglieder am Sonntag in der Pfarrkirche St. Heinrich und Kunigunde in Schloß Neuhaus erlebt. Die Messe wurde live ins ZDF übertragen. Hier gibt Benjamin Krysmann (rechts) Regieanweisungen.

Einen nicht alltäglichen Gottesdienst haben 400 Gemeindemitglieder am Sonntag in der Pfarrkirche St. Heinrich und Kunigunde in Schloß Neuhaus erlebt. Die Messe wurde live ins ZDF übertragen. Hier gibt Benjamin Krysmann (rechts) Regieanweisungen. Foto: Sonja Möller

Von Sonja Möller

Paderborn-Schloß Neuhaus (WB). Bevor Pfarrer Peter Scheiwe am 3. Februar in die Pfarrkirche St. Heinrich und Kunigunde einzieht, müssen die Gemeindemitglieder erstmal Regie-Anweisungen lernen und vorsingen. Damit der live im ZDF übertragene Fernsehgottesdienst bei den Zuschauern zuhause optimal ankommt, gibt es einiges zu beachten.

400 Gemeindemitglieder zieht es an diesem Sonntag in die Kirche. Nur die vorderen drei Reihen sind leer. Das gefällt Benjamin Krysmann gar nicht. »Leere Reihen sehen im Fernsehen nicht toll aus. Wer möchte denn nach vorne kommen?«, fragt der Redakteur der katholischen Fernseharbeit bei der Deutschen Bischofskonferenz in die Runde. Zwei Mädchen zeigen zaghaft auf und wechseln mit ihren Eltern nach vorne. Weitere folgen. »Und weil leere Plätze nicht schön aussehen, füllen Sie die Reihen bitte nach vorne auf«, fordert Krysmann auf.

600.000 bis 800.000 verfolgen wöchentlich den ZDF-Fernsehgottesdienst

Etwa 600.000 bis 800.000 Menschen verfolgen jede Woche den ZDF-Fernsehgottesdienst. »Und sie sind sehr dankbar, dass Sie das alles hier ertragen«, betont der Redakteur mehrfach. Als alle sitzen, geht’s um den Ablauf: Die Besucher erfahren, dass die Kollekte erst am Ausgang eingesammelt wird. »Bei der Kommunion gibt die Aufnahmeleiterin ein Zeichen. Dann drehen Sie bitte um und gehen wieder in ihre Bank. Die Kommunion wird hinterher nachgeholt«, erläutert Benjamin Krysmann.

Dann kommt die typische Kino-Ansage: »Alle Handys müssen ausgestellt werden.« Auch Kaugummis und Bonbons sollen aus dem Mund verschwinden. »Sie sind mitunter in Großaufnahme zu sehen. Da irritiert es die Zuschauer, wenn Sie ein Kaugummi kauen«, sagt Krysmann. Was die Besucher auch tunlichst unterlassen sollen, ist der direkte Blick in die Kamera. »Das wirkt auf dem Bildschirm so, als würden Sie direkt in die Augen der Zuschauer gucken. Ignorieren sie die Technik um sie herum deshalb bitte komplett. Sie feiern einfach ganz normal Gottesdienst«, sagt Krysmann.

Der Gottesdienst wird ohne Zwischenfälle gefilmt

Dann ist es mucksmäuschen still in der Kirche. Aufnahmeleiterin Sylke Hart ruft: »Jetzt läuft der Einspieler.« Auf ihr Zeichen setzt die Orgelmusik ein und Pfarrer Scheiwe zieht mit den Messdienern in die Kirche ein. Der Gottesdienst wird ohne Zwischenfälle gefilmt. Die Besucher singen an den richtigen Stellen und folgen den stummen Anweisungen des Kamera-Teams. Kantorin Anna-Lena Kuhlmann erzeugt mit ihrer glockenklaren Stimme bei den Solo-Gesangseinlagen Gänsehaut-Atmosphäre, die von den Zuschauern hinterher besonders gelobt wird. Während das Kamerateam in der Kirche zusammen packt, verteilt Pfarrer Scheiwe den Blasius-Segen

Dann geht’s ins Roncalli-Haus. Wer will, kann sich die Übertragung nochmal auf Großleinwand anschauen. Die Möglichkeit nehmen viele gerne an. Sylke Hart bedankt sich erst noch für die tolle Zusammenarbeit: »Danke, dass Sie das Drei-Tage-Experiment mitgemacht haben. Es ist absolut gelungen.« Dann läuft der Einspieler und alle schauen gebannt auf den Bildschirm.

30 Ehrenamtliche kümmern sich um die Anrufer

Derweil sitzt Pfarrsekretärin Martina Klöckner im Pfarrbüro und nimmt Anrufe entgegen. Nach einem ZDF-Fernsehgottesdienst gibt es viele, die Fragen haben oder sich einfach bedanken möchten. Darum kümmern sich am Sonntag 30 Ehrenamtliche, die bis zum frühen Abend Gespräche entgegen nehmen. »Die Telefone sind umgeleitet. Viele Helfer sitzen bei sich zuhause und nehmen Gespräche an«, erzählt Klöckner.

Es gibt viel Redebedarf: Die Telefone klingeln unablässig. »Viele haben sich einfach nur bedankt für die schöne Messe. Und sie haben besonders den Gesang der drei jungen Frauen gelobt«, erzählt Gemeindereferentin Petra Scharfen. Viele erzählen auch aus ihrem Leben und schildern, was sie bedrückt. Die Gespräche gehen zu Herzen, erzählen die Ehrenamtlichen. Sie hören zu und nehmen sich Zeit. Das kommt besonders gut an. »Als wir den ZDF-Fernsehgottesdienst geplant haben, war mir nicht klar, wie wichtig er für die Menschen ist, die nicht mehr in die Kirche gehen können. Und wie wichtig auch dieser Telefondienst ist«, sagt Petra Scharfen.

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