Di., 05.02.2019

Universität ist Schauplatz für Paderborner Medizin-Seminar für Patienten und Ärzte Sichere Schrittmacher, Prothesen und Implantate

Um Prothesen wie solch ein Hüftgelenk geht es in dem Medizin-Seminar.

Um Prothesen wie solch ein Hüftgelenk geht es in dem Medizin-Seminar.

Von Ingo Schmitz

Paderborn (WB). Es wird eines der größten Medizin-Seminare für Patienten und Ärzte, das es je in Paderborn gegeben hat: Im Audimax, dem größten Hörsaal der Uni Paderborn, geht es am Mittwoch, 20. Februar, um die Sicherheit von Medizin-Produkten.

Bei den Vorträgen geht es um Herzschrittmacher, Insulinpumpen und Glukosesensoren, Knie- und Hüftprothesen, Bandscheibenprothesen und Brustimplantate. Ihr Einsatz entscheidet über Leben und Tod, ermöglicht Mobilität oder kann nach Krebs dazu dienen, die Brust zu rekonstruieren. Doch die Verunsicherung in der Bevölkerung ist groß, denn immer wieder gibt es mit Medizin-Produkten auch Probleme.

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Wir wollen erklären, welche Unsicherheiten es bei Medizin-Produkten gibt

Professor Dr. An­dreas Götte

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»Wir wollen die Patienten über die Sicherheit und das Risiko aufklären und Stellung beziehen. Wir wollen erklären, welche Unsicherheiten es bei Medizin-Produkten gibt«, erläutert Professor Dr. An­dreas Götte den Hintergrund.

Veranstalter des Seminars ist der Kreisärzteverein Paderborn. Professor Dr. Götte gehört dem Vorstand an. »Wir haben beschlossen, in die Offensive zu gehen«, sagt der Mediziner. Schon der Skandal um gefährliche Brustimplantate hatte viele Patientinnen beunruhigt. Im Herbst hatte die TV-Sendung Report in der ARD dann auch noch über »Plastikschrott im Körper« und »bröselnde Bandscheiben« berichtet und damit die Verunsicherung weiter vergrößert.

Die Referenten

Dr. Carsten Schneekloth ist Neurochirurg und niedergelassener Arzt. Er spricht über die Sicherheit und Unsicherheit von Bandscheibenprothesen und Osteosynthesematerial bei Spondylodesen (Operation zur Wirbelsäulenversteifung). Dr. Johannes Wolf ist Oberarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Facharzt für Kinder-Endokrinologie und -Diabetologie am St.-Vincenz-Krankenhaus. Er wird über Insulinpumpen und Glukosesensoren referieren. Dr. Stephan Bambach ist Chefarzt der Caspar-Heinrich-Klinik Bad Driburg, Orthopädische Reha-Klinik. Sein Thema ist die Sicherheit und das Risiko von Knie- und Hüftprothesen. Professor Dr. Andreas Götte, Chefarzt der Kardiologie im St.-Vincenz-Krankenhaus erläutert die Risiken rund um das Thema Herzschrittmacher und Defibrillatoren. Dr. Mazen Hagouan befasst sich mit dem Thema Brustimplantate. Dr. Hagouan ist Oberarzt der Klinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie in Düsseldorf.

»Die Ärzte haben viele Anfragen bekommen«, stellt Götte fest. Alles, was berichtet worden sei, sei korrekt, meint der Paderborner Chefarzt der Kardiologie im St.-Vincenz-Krankenhaus. »Aber vieles, was nur aus einer Perspektive kommt, sorgt für Stimmung«, meint er.

Egal ob künstliches Kniegelenk oder Schrittmacher: Die Patienten gingen in der Regel davon aus, dass sie diese Produkte bis zum Ende ihres Lebens im Körper tragen können. »Nicht jedes Medizinprodukt funktioniert aber in jedem Körper einwandfrei«, gibt Götte zu bedenken. Die Hersteller hätten nach 150.000 Implantaten und ständigen Qualitätskontrollen natürlich mehr Erfahrungen mit ihrem Produkt, als bei einer Markteinführung, der eine ausgiebige Testphase vorausgeht, sagt er.

Beispiel Herzschrittmacher: Wie der Chefarzt berichtet, habe es vor einigen Jahren Elektrodenbrüche gegeben. Diese entstünden durch Materialermüdung. Batterieprobleme seien ebenso aufgetreten wie auch Software-Defekte. Die Eingriffe in solchen Fällen seien in der Regel recht unkompliziert. Problematisch und für den Patienten nicht ungefährlich seien aber Fälle, in denen Elektroden mit dem Herzen verwachsen seien.

Götte betont, dass die Veranstaltung im Audimax nicht von der Industrie unterstützt werde. Der Kreisärzteverein sei ein Zusammenschluss von niedergelassenen sowie Krankenhaus-Ärzten. »Für uns ist das ein Mitteilungs- und Fortbildungsforum«, sagt das Vorstandsmitglied.

Fünf Mediziner werden in der gut zweistündigen Veranstaltung auf die verschiedenen Themenbereiche eingehen. »Die Vorträge werden für Patienten allgemein verständlich sein«, sagt Götte. Aber auch Hausärzte sind willkommen, sich an diesem Tag zu informieren. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Zwischen den Vorträgen gibt es jeweils 15 Minuten Zeit für Fragen und Diskussionen.

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