Mo., 11.02.2019

Bei der Krebsvorsorge werden Männer benachteiligt Prostata-Krebs: Paderborner Ärzte fordern mehr Vorsorge für Männer

Der Urologe Thorsten Meuer (links) und der Radiologe Dr. Carsten Figge kombinieren ihre Befunde aus Ultraschallbild und MRT-Untersuchung. Dadurch könnten rund 20 Prozent mehr klinisch relevante Krebsfälle frühzeitig entdeckt werden.

Der Urologe Thorsten Meuer (links) und der Radiologe Dr. Carsten Figge kombinieren ihre Befunde aus Ultraschallbild und MRT-Untersuchung. Dadurch könnten rund 20 Prozent mehr klinisch relevante Krebsfälle frühzeitig entdeckt werden. Foto: Jörn Hannemann

Von Manfred Stienecke

Paderborn (WB). Bei der Krebsvorsorge werden Männer von den gesetzlichen Krankenkassen benachteiligt. Die Früherkennung von Tumoren werde dadurch erschwert. Darauf haben zwei Paderborner Mediziner hingewiesen.

Anders als bei Frauen, die zur Früherkennung von Brustkrebs alle zwei Jahre zu einem für sie kostenlosen sogenannten Mammografie-Screening eingeladen werden, sei die Vorsorge der bei Männern häufigsten Krebserkrankung, dem Prostata-Karzinom, für sie mit Kosten verbunden.

Die Untersuchung auf das in derartigen Fällen erhöhte Bluteiweiß PSA (Prostata-spezifisches Antigen) gehöre nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Kassen, sagt der Paderborner Urologe Torsten Meuer. »Die Messung des PSA-Werts im Blut ist eine freiwillige Leistung und muss vom Patienten bezahlt werden. Die Kosten betragen zwar nur etwa 20 Euro. Aber viele Männer verzichten dann trotzdem darauf. Die Leitlinien unserer Urologischen Fachgesellschaft verpflichten mich aber, den Patienten diese Voruntersuchung anzubieten.«

Unzureichende wissenschaftliche Nachweise

»Der PSA-Test gehört tatsächlich nicht zum Krebsfrüherkennungsangebot«, bestätigt Claudia Widmaier, Pressereferentin des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherungen GKV, auf Anfrage. Als Grund dafür nennt sie unzureichende wissenschaftliche Nachweise über den Nutzen der Tests. Zudem zeigten Studien, »dass der PSA-Test auch Tumore findet, die den Männern mit hoher Wahrscheinlichkeit nie Beschwerden bereitet hätten.«

Vom Nutzen der Blutwertmessung überzeugt ist dagegen auch der Radiologe Dr. Carsten Figge. »Die PSA-Untersuchung müsste für Männer ab 45 Jahren im Leistungskatalog der Krankenkassen enthalten sein«, fordert er. Die beiden Paderborner Mediziner arbeiten seit fünf Jahren eng zusammen, um die Früherkennung von Prostata-Krebs zu verbessern. Sie setzen auf die Kombination von urologischer Untersuchung und einer anschließenden gezielten Analyse per Kernspintomografie (MRT). »Durch die kombinierte Analyse können rund 20 Prozent mehr klinisch relevante Krebsfälle frühzeitig entdeckt werden«, sagt Meuer.

Prostata-Krebs am häufigsten

Während der Brustkrebs bei den Frauen die verbreitetste Krebserkrankung darstellt, tritt bei Männern der Prostata-Krebs am häufigsten auf. Er ist mit einem Anteil von etwa 30 Prozent in der Statistik vertreten, gefolgt vom Lungenkrebs. Das Prostata-Karzinom gilt als besonders heimtückisch. Etwa jeder siebte erkrankte Patient stirbt daran. Um so wichtiger sei es, diese Krebsart möglichst frühzeitig zu erkennen, um die Heilungschancen zu verbessern.

Die Untersuchung des »Männerorgans« – die etwa kastaniengroße Prostata, auch Vorsteherdrüse genannt, produziert einen Teil des Spermas und liegt unterhalb der Blase im Unterbauch – erfolgt beim Urologen zunächst durch einfaches Abtasten auf eine eventuelle Vergrößerung, die auf einen Tumor hindeuten könnte.

Der sogenannte PSA-Test, bei dem der entsprechende Blutserumwert gemessen wird, gibt weitere Aufschlüsse über einen möglichen Tumorbefall. Bei erhöhten Messwerten entnimmt der Urologe dem Patienten etwa zwölf Gewebeproben (Biopsien) aus der Prostata.

Gewebeentnahme bei jedem Dritten

Genau an diesem Schritt setzt die Zusammenarbeit der beiden Paderborner Mediziner ein, die in verschiedenen Praxen tätig sind. Um den möglicherweise betroffenen Bereich der Prostata besser eingrenzen zu können, legen sie ihre jeweiligen Untersuchungsbilder (Ultraschall beim Urologen, MRT beim Radiologen) übereinander. »Auf dem Ultraschallbild ist ein Tumor nicht zu erkennen«, erläutert Meuer. »Durch die Kombination mit der MRT-Untersuchung, die wir in Zweifelsfällen hinzuziehen, wird der Krebs früher erkennbar und die anschließende Probenentnahme ist punktgenauer möglich.«

Seit dem Beginn ihrer Zusammenarbeit vor fünf Jahren haben Meuer und Dr. Figge mehr als 1000 gemeinsame Untersuchungen durchgeführt. Bei knapp jedem dritten Patienten wurde eine anschließende Gewebeentnahme notwendig, die dann gezielt erfolgen konnte. Die beiden Fachärzte sind sicher, dass der Prostata-Krebs auf diese Weise deutlich früher festzustellen ist. Nach ihren Angaben ist eine solche enge Zusammenarbeit zwischen Facharztpraxen in OWL bislang einzigartig.

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