Di., 12.02.2019

Alexander Ostermann gestaltet die Raumfahrt-Ausstellung im Heinz-Nixdorf-Museumsforum Er versetzt die Paderborner in unendliche Weiten

Ein dreiköpfiges Team um den leidenschaftlichen Paderborner Alexander Ostermann hat Ideen gesammelt und Entwürfe wie diese angefertigt. Die Besucher der Schau sollen sich fühlen, als wären sie an Bord eines Raumschiffs statt am Boden.

Ein dreiköpfiges Team um den leidenschaftlichen Paderborner Alexander Ostermann hat Ideen gesammelt und Entwürfe wie diese angefertigt. Die Besucher der Schau sollen sich fühlen, als wären sie an Bord eines Raumschiffs statt am Boden. Foto: Jörn Hannemann

Von Dietmar Kemper

Paderborn (WB). Wenn es bis zu einer Ausstellung unendlich weit ist, ist das schlecht. Wenn man dagegen in einer Ausstellung neue Horizonte entdeckt, ist das gut. Ins All will Alexander Ostermann aus Paderborn die Besucher demnächst im Heinz-Nixdorf-Museumsforum geleiten.

In der Arbeitsgemeinschaft ORS gestaltet er zusammen mit dem Architekten Christian Rakautz und dem Szenografen und Bühnenbildner Raimund Schucht die Schau »Aufbruch ins All – Raumfahrt erleben«, die am 5. Juli beginnt und bis zum 5. Januar 2020 zu sehen sein wird.

Unendliche Weiten auf 800 Quadratmetern?

»Wir waren uns darin einig, dass die Besucher unendliche Weiten erleben müssen«, erzählt der Innenarchitekt und Tischler Ostermann. Die 800 Quadratmeter Ausstellungsfläche sind jetzt nicht gerade unendliche Weiten, aber durch die Konzeption der Schau soll bei den Gästen trotzdem dieser Eindruck entstehen.

Die neun vorgegebenen Themenbereiche ergänzte das Team um drei weitere. Wer die Rolltreppe in die dritte Etage hochgefahren ist, soll durch eine Schleuse ins Weltall geschickt werden, »der Realität entrissen«, wie es Ostermann ausdrückt.

Auch einen Kinderspielplatz wird es geben

Zu den Themenbereichen gehören der Blick unserer Vorfahren zu den Sternen, die Entwicklung von der Analogsteuerung bis zur Digitalisierung, der »Sputnik-Schock« (Im Oktober 1957 schießt die Sowjetunion den ersten Satelliten ins All und versetzt den Westen in Aufregung) und die Mondlandung, das Leben auf Weltraumstationen, die Satellitennavigation, der Kinderspielplatz »Lunar Lander Land« und die Zukunft im All zum Beispiel auf dem Mars.

Was können uns das Weltall und die Forschung bieten? Das ist die Frage, an der sich Ostermann orientiert hat. Dabei sollen die Besucher selbst zu Entdeckern werden. Ostermann wird nicht Vitrine neben Vitrine stellen, sondern Objekte hinter Stellwänden verstecken, so dass die Besucher sie erst suchen müssen. »Erst auf den zweiten Blick werden die Leute sehen ›Da ist ja noch was‹«, beschreibt der 45-Jährige sein Konzept.

Wer eine quietschbunte Schau erwartet, sollte besser gar nicht erst anreisen. Das Team mit Ostermann als Hauptverantwortlichem wird reduzierte Farben und reduziertes Licht einsetzen, schließlich ist es im Weltall hauptsächlich dunkel. Und still.

Sichtachsen zur Dauerausstellung

Ostermann will Sichtachsen von der Sonder- zur Dauerausstellung schaffen. So wird der Blick von oben auf den Gemini 2-Bordrechner in der Dauerpräsentation fallen. Neben Inszenierungen und besonderen Lichtstimmungen sollen ohnehin die mehr als 50 Exponate für sich sprechen – wie zum Beispiel die abgebrannte Brennkammer der V2-Rakete, mit der Nazi-Deutschland den Zweiten Weltkrieg noch gewinnen wollte. »Wenn eine Tonne Schrott vor einem steht, ist das beeindruckend«, verspricht Ostermann.

Wer alle Exponate gesehen hat, wird aus der Ausstellung laut der Konzeption nicht einfach entlassen, sondern in Form eines Epilogs verabschiedet. Mehr Einzelheiten will Ostermann noch nicht verraten. Bislang sei alles im Zeitplan, drei Wochen vor der Eröffnung wolle man fertig sein.

Den Auftrag, die Ausstellung zu konzipieren, erhielt er vom HNF Ende September 2018. »Das ehrt mich sehr«, sagt Ostermann, der zu Paderborn eine ganz besondere Beziehung hat. Am Theodorianum bestand er sein Abitur, anschließend lernte er bei einem Tischler in Warburg und in der Akademie für Gestaltung und Denkmalpflege in Ebern, bis er schließlich in Detmold Innenarchitektur studierte.

Diplomarbeit hieß »Heimweh nach Paderborn«

Seine Diplomarbeit nannte er »Heimweh nach Paderborn«. In einem Zelt platzierte er neben anderem einen Bischofsstab und einen platten Fußball, er bot Paderborner Luft zum Inhalieren und Paderwasser zum Trinken an. Ostermann gestaltete T-Shirts, zeichnete die Skyline Paderborns und einohrige Hasen. Die Ideen des Vaters von zwei Söhnen fielen dem HNF auf, das Ostermann schließlich mit der Konzeption der Ausstellung über die Raumfahrt betraute. Für glatte Oberflächen, Grafiken, Audiotechnik und die Montage von Holzwerkstoffplatten, Glas und Metall braucht er Experten. Aber weil Ostermann gern in Netzwerken arbeitet, hat er »für jedes Gewerk jemanden in der Schublade«, wie er sagt.

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