Mi., 13.02.2019

Nahverkehrsverbund beantragt eine neue Machbarkeitsstudie zur Strecke bis Brilon Die Almetalbahn als Zukunftschance

Bei Wewer erinnern Gleise und Achsen an den Bahnhof sowie an die Almetalbahn, die um 1900 in Betrieb genommen wurde. Die Trasse ist nicht entwidmet worden und kann planungsrechtlich für den Eisenbahnverkehr reaktiviert werden

Bei Wewer erinnern Gleise und Achsen an den Bahnhof sowie an die Almetalbahn, die um 1900 in Betrieb genommen wurde. Die Trasse ist nicht entwidmet worden und kann planungsrechtlich für den Eisenbahnverkehr reaktiviert werden Foto: Jörn Hannemann

Paderborn (WB/bel). Die Senne- und die Almetalbahn rücken verstärkt in den Fokus der regionalen Verkehrspolitik. So will der Nahverkehrsverbund Paderborn/Höxter (NPH) für die Almetalbahn eine aktuelle Machbarkeitsstudie für die Reaktivierung der Strecke zwischen Paderborn und Brilon erstellen lassen.

Auch bei der Sennebahn will man am Ball bleiben und wartet eine Überprüfung ab, ob zwischen Paderborn und Bielefeld Elektro- oder Batterie-Treibfahrzeuge zum Einsatz kommen können.

Auf Antrag der CDU-Fraktion gab es in der NPH-Verbandsversammlung am Montagabend einen Sachstandsbericht zur 60 Kilometer langen Almetalbahn zwischen Paderborn und Brilon, die 1981 für den Personenverkehr stillgelegt wurde und deren Trasse der Kreis Paderborn für einen symbolischen Euro gesichert hatte. 2010 wurde für eine mögliche Reaktivierung eine Kosten-Nutzen-Analyse für die Strecke zwischen Paderborn und Büren erstellt. Sie kam zu dem Ergebnis, dass neben einmaligen Investitionskosten über 30 Millionen Euro für die Reaktivierung der Strecke zwischen Paderborn und Büren ein jährlicher Betriebskostenzuschuss von 3,8 Millionen Euro aufzubringen wäre, um hier einen Personennahverkehr auf der Schiene rollen zu lassen. Untersucht wurden seinerzeit drei Trassenvarianten, favorisiert wurde die bestehende historische Trasse. Gerechnet wurde mit einem 30-Minuten-Takt in der Hauptverkehrszeit.

TRassenkauf für symbolischen Euro

Einige Jahre zuvor, im Jahr 2006, hatte es bereits eine Machbarkeitsstudie dazu gegeben, ob eine direkte Zuganbindung des Paderborner Flughafens über die Trasse finanzierbar sei. Sie fiel jedoch mit weit mehr als 40 Millionen Euro noch ungünstiger aus.

Trotzdem wollen der Kreis Paderborn und der NPH diese Trasse nicht einfach brach liegen lassen, und der NPH beschloss einstimmig, für diese Strecke beim NWL als Aufgabenträger für die Schiene in der Region eine aktuelle Machbarkeitsstudie und eine wirtschaftliche Bewertung für die komplette Strecke bis nach Brilon erstellen zu lassen. Sie soll auch die Anbindungspotentiale in Nordhessen beleuchten.

Während die frühere Untersuchung stark an den Paderborner Flughafen mit entsprechender Anbindung gekoppelt war, soll die neue Untersuchung die gesamte Strecke unter die Lupe nehmen. Landrat Manfred Müller als Gast in der NPH-Sitzung betonte, dass eine neue Untersuchung nicht eine Entscheidung für eine Reaktivierung sei, sondern vor allem eine Grundlage für fundierte Entscheidungen, die rechtzeitig getroffen werden müssten. Die damalige Sicherung der Trasse durch den Kreis sei eine strategisch richtige Entscheidung gewesen. Sie habe die Trasse nicht nur für Verkehr, sondern beispielsweise auch für Versorgungsleitungen offengehalten.

E-Züge mit 100 Kilometern Reichweite

In der Sitzung der Verbandsversammlung wurde kritisiert, dass die DB Netz AG eine Untersuchung zur Reaktivierung abgelehnt habe, weil die Strecke nicht in Besitz der DB Netz sei. Eine mögliche Reaktivierung wird aber nicht nur vom NWL, sondern auch vom Zweckverband Ruhr-Lippe unterstützt. Im Bürener Rat brachten die Bündnisgrünen am Dienstag ebenfalls eine Untersuchungsantrag zur Reaktivierung der Strecke ein.

Zur Sennebahn informierte der stellvertretende NPH-Geschäftsführer Stefan Atorf die Mitglieder, dass derzeit der NWL eine Zukunftskonzeption für alle dieselbetriebenen Bahnstrecken erstellt. Geprüft wird dabei auch für die Sennebahn, ob hier Elektro- oder Batterie-Triebfahrzeuge eingesetzt werden können. Aufgrund der technischen Entwicklung, so auch Kreistagsmitglied Wolfgang Weigel, sei nicht nur an eine Elektrifizierung zu denken. Derzeit seien bereits E-Züge mit einer Reichweite von 80 bis 100 Kilometern im Einsatz, die allerdings über Ladestationen verfügen müssen. Erste Ergebnisse der NWL-Untersuchung sollen im Frühjahr vorliegen.

Kommentar von Bernhard Liedmann

Das Thema Reaktivierung der Almetalbahn fokussierte sich immer wieder auf den regionalen Schienenpersonennahverkehr. Viel wichtiger wird in Zukunft aber der Güterverkehr werden. Im Raum Hannover und Braunschweig sind die Bahn-Strecken bereits weit überlastet, deshalb plant die Bahn die Verdreifachung des Güterverkehrs über Altenbeken nach Kassel. Hier wird sogar eine neue Trasse mit sechs Kilometern für 80 Millionen Euro gebaut, um die Verbindung über Nordhessen in Richtung Thüringen und Osteuropa zu beschleunigen. Um bei diesen geradezu fast globalen Überlegungen der Bahn den Zug nicht zu verpassen, ist eine neue Machbarkeitsstudie zu dieser Schienenverbindung richtig. Vor allem, dass sie Brilon und die Anbindung in den Bereich Nordhessen mit einbezieht. Die holzverarbeitende Industrie in diesem Raum und ihr Transportbedarf ist nur ein Aspekt. Die Bahn sucht händeringend nach großräumigen Entlastungen für bestehende Verbindungen. Da kann sich eine Untersuchung zur Reaktivierung von kleinen Nebenstrecken als Ausweichoption ganz anders rechnen und der Personennahverkehr wäre dann ein interessanter Mitnahmeeffekt. Dies bedarf aber aktueller Untersuchungen. Gleichzeitig zeigt die Sennebahn, welche Potentiale für den Nahverkehr auf der Schiene trotz einer parallelen Autobahn liegen. Aus dem Dornröschenschlaf vor zwei Jahrzehnten erwacht, ist diese Verbindung bei der Nachfrage zur drittgrößten Zugverbindung im Raum mit knapp 4000 Fahrgästen an Werktagen geworden. Und dies mit alten Dieseltriebwagen.

 

 

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