Mi., 13.02.2019

Volllast-Konjunktur sorgt im Handwerk für Wartezeiten bei Kunden Nachwuchs-Kampagne zeigt erste Erfolge

»Komm wie du bist«: Mit diesem Slogan und dem US-Campmobil wirbt das Handwerk erfolgreich um Nachwuchs.

»Komm wie du bist«: Mit diesem Slogan und dem US-Campmobil wirbt das Handwerk erfolgreich um Nachwuchs.

Paderborn (WB). Die Konjunktur im Handwerk brummt im Kreis Paderborn weiter. »Die Auftragsbücher der Firmen sind voll. Insbesondere aber der Fachkräftemangel macht dem Wirtschaftszweig zu schaffen«, teilt die Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe mit. Daher soll die vor fünf Jahren ins Leben gerufenen Azubi-Kampagne »Komm wie du bist« fortgesetzt werden. Hier seien erste Erfolge erkennbar.

»Seit vier Jahren eilt das Handwerk von Allzeithoch zu Allzeithoch«, sagt Peter Gödde, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe. Kehrseite der Volllast-Konjunktur: Die Betriebe arbeiteten an ihren Kapazitätsgrenzen, es finde sich nicht genügend Personal und der Wettbewerb um Fachkräfte sei groß. Das Ergebnis sei, dass die Wartezeiten für die Kunden immer länger würden. Das sei auch für die Betriebe im Handwerk unbefriedigend. Größte Herausforderung sei, den Fachkräftebedarf zu sichern.

»Schon jetzt bremsen die fehlenden Mitarbeiter ein noch stärkeres Wachstum im Handwerk. Sollte sich die Situation nicht bessern, hätte das nicht allein negative Auswirkungen auf das Handwerk, sondern auf die Gesamtkonjunktur und Lage in Deutschland«, sagt Gödde. Wichtige Zukunftsprojekte wie die Energiewende, der Breitbandausbau, der Bau neuen und zusätzlichen Wohnraums oder einer guten Verkehrsinfrastruktur seien nur mit dem Handwerk zu realisieren. Nur wenn es gelinge, wieder mehr junge Menschen für eine Berufsausbildung zu gewinnen, werde Deutschland in der Lage sein, eigenständig die erforderlichen Fachkräfte bereit zu stellen.

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Es bedarf nicht weniger als einer Bildungswende

Peter Gödde

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»Es bedarf nicht weniger als einer Bildungswende: Wir müssen wegkommen von einem Bildungsideal, wonach möglichst viele akademische Abschlüsse als Indiz für Bildungsgerechtigkeit verstanden werden«, mahnt Gödde. Stattdessen müsse man wieder dahin kommen, berufliche und akademische Ausbildung als gleichwertige Wege in ein erfolgreiches Berufsleben anzuerkennen.

Mit dem Beschluss über die Fortführung der Ausbildungsoffensive »Komm wie du bist« habe die Mitgliederversammlung der Kreishandwerkerschaft ein deutliches Zeichen gesetzt, sagt auch Michael Lutter, stellvertretender Hauptgeschäftsführer. Vor fünf Jahren ins Leben gerufen, rühre die Kampagne kräftig die Werbetrommel für eine Ausbildung im Handwerk – und das mit Erfolg.

Die Ausbildungszahlen bescheinigten dem Handwerk in Paderborn und Lippe zehn Prozent mehr eingetragene Ausbildungsverhältnisse als in den Vorjahren. »Damit liegen wir OWL-weit deutlich an der Spitze«, sagt Lutter. Mit der Kampagne will man künftig gezielt an Hochschulen um Studienabbrecher werben.

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