Do., 14.02.2019

Städtische Sammlung erhält 70 Arbeiten des Paderborner Künstlers geschenkt Werke von Georg Brandt in der Reithalle

»Die Paderquelle«, Aquarell von Georg Brandt aus dem Jahr 1925.

»Die Paderquelle«, Aquarell von Georg Brandt aus dem Jahr 1925. Foto: Stienecke

Von Manfred Stienecke

Paderborn (WB). Bekannt gemacht hat die Paderborner Galerieleiterin Dr. Andrea Wandschneider mit den Werken vieler großer Meister. Ihr letztes Projekt widmet die 63-Jährige jetzt einem heimischen Künstler: Georg Brandt.

Mit der Ausstellung »Georg Brandt – Werke der zwanziger Jahre« in der Städtischen Galerie in der Reithalle Schloß Neuhaus ermöglicht das Haus bis zum 10. Juni den Blick auf einen Maler und Grafiker, dessen freies künstlerisches Schaffen sich auf kaum mehr als ein Jahrzehnt beschränkt. 1897 In Paderborn geboren zieht Brandt 1927 aus beruflichen Gründen nach Kassel, wo er 1965 auch stirbt. Gearbeitet hat er als Dekorationsmaler und Tapezierer. Da bleibt dem Familienvater offenbar keine Zeit für die weitere künstlerische Entfaltung.

Erhalten geblieben ist dennoch ein erstaunlich facettenreiches Oeuvre. Das Gros der Ausstellung bildet ein Konvolut von knapp 70 Arbeiten, die die Familie der Städtischen Kunstsammlung als Schenkung überlassen hat. Ergänzt wird die Schau um einige Leihgaben aus Privatbesitz.

In Vergessenheit geraten

Nach seinem Fortzug wird es in Paderborn still um den Künstler, der nach einer Lehre beim Malermeister Gottfried Lange ein Studium an der Bielefelder Kunstgewerbeschule beginnt. Dabei hat er 1923 gemeinsam mit vier Künstlerkollegen aus Paderborn – Franz Leifert, Heinrich Niedieck, Josef Thiele und Waldemar Wilcke – die freilich nur fünf Jahre bestehende Gruppe »Fünf Westfalen« gegründet, die gemeinsam in der Region ausstellt.

Neu »entdeckt« wird Brandt erst 1994 wieder von der Kunsthistorikerin Dr. Friederike Steinmann bei ihrer Arbeit am Paderborner Künstlerlexikon. »Bis dahin war er in Paderborn völlig in Vergessenheit geraten«, berichtet Andrea Wandschneider. Aufgrund der Vorarbeiten am Künstlerlexikon konnte 1995 eine erste Einzelausstellung mit seinen Arbeiten in der Städtischen Galerie Am Abdinghof gezeigt werden.

Vom Expressionismus zur Neuen Sachlichkeit

Den Schwerpunkt seines Gesamtwerks bildet die Druckgrafik. Hier präsentiert sich der junge Kunststudent beeinflusst vom Expressionismus, ohne jedoch das Pathos seiner aufbegehrenden Zeitgenossen zu übernehmen. Seine als Linolschnitte ausgeführten Porträts zeigen nachdenkliche, ernsthafte Menschen. Schneidiger und zupackender verwendet Brandt die expressionistische Formensprache in seinen Landschafts- und Architekturmotiven. So lässt der Holzschnitt »Alt-Paderborn« mit seinen bedrohlich aufziehenden Wolken und den stürzenden Dachlinien das Paderquellgebiet zu einem geheimnisvollen Ort werden.

Gerade die Landschaftsbilder markieren in den nächsten Jahren auch bei Brandt den Übergang in die Zeit der »Neuen Sachlichkeit«, die den Expressionismus ablöst. Schlichte Formen, flächige Kuben und der Verzicht auf Details kennzeichnen den neuen, unaufgeregten Blick auf die Welt.

Einen Katalog gibt es nicht

Aus Brandts Kasseler Jahren erhalten sind im Wesentlichen künstlerische Dekorationsentwürfe für Innenräume. In der Reithalle sind einige der bühnenhaften Gestaltungsentwürfe zu sehen, in denen sich eine Rückbesinnung auf Elemente aus dem »Art Deco« und dem Jugendstil zeigt. Abgerundet wird der Blick auf den Künstler durch einige Werbeentwürfe für heimische Auftraggeber wie die Bielefelder Maschinenbaufirma Dürkopp und das »Spezialhaus« Martin Filter in Paderborn.

Der Rundgang durch die Galerieräume macht deutlich, welch kreatives Potenzial in dem jungen Künstler steckte, und lässt darüber spekulieren, in welche Richtung er sich in den fünfziger Jahren möglicherweise weiterentwickelt hätte. Einen Katalog wird es diesmal zur Ausstellung nicht geben. Andrea Wandschneider verweist hier auf die zuvor noch zu leistende exakte Bestandsaufnahme der nun in die Städtische Sammlung eingegangenen Werke.

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