Do., 14.02.2019

Straftaten im Kreis Paderborn sind deutlich zurück gegangen Weniger Diebstahl, mehr Gewalt

Die falschen Polizisten rufen auch unter der Nummer »110« an. Sie bereiten der Polizei im Kreis Paderborn große Probleme. Der Schaden, der Opfern entstanden ist, beträgt inzwischen weit mehr als 100.000 Euro.

Die falschen Polizisten rufen auch unter der Nummer »110« an. Sie bereiten der Polizei im Kreis Paderborn große Probleme. Der Schaden, der Opfern entstanden ist, beträgt inzwischen weit mehr als 100.000 Euro. Foto: Jörn Hannemann

Von Ingo Schmitz

Paderborn (WB). Im Kreis Paderborn lebt es sich sicher. Das betont Landrat Manfred Müller mit Blick auf die Zahl der Straftaten: Diese haben im vergangenen Jahr einen »historischen Tiefstand« erreicht.

Rückblick: Auf offener Straße wird im November in Bad Lippspringe ein 74-jähriger Mann brutal überfallen. Er wird mit einem Messer schwer verletzt. Der mutmaßliche Täter wird kurz darauf gefasst. Nur wenige Wochen später wird an einer Straße in Delbrück eine Leiche entdeckt. Das Opfer ist erstochen worden. Und auch in diesem Fall wird ein Tatverdächtiger festgenommen. Die Fälle haben für Aufsehen gesorgt. Was für die Bevölkerung beängstigend wirken mag, wird von den Zahlen aber nicht belegt. Denn: Straftaten sind rückläufig.

Am Mittwoch haben Landrat Manfred Müller, Kriminaldirektor Alfons Schäfers und Pressesprecher Michael Biermann die Statistik für das Jahr 2018 vorgestellt. Und die sagt deutlich aus, dass die Kriminalität auf dem Rückzug ist. Im Jahr 2018 wurden im Kreis Paderborn 16.267 Straftaten registriert. Das sind 2055 Fälle weniger, als im Jahr zuvor. Das hat laut Müller zum einen statistische Gründe, denn die Verstöße von Flüchtlingen gegen das Aufenthaltsgesetz (betrifft Insassen der Abschiebehaftanstalt in Büren, die aus ganz Deutschland kommen) werden nicht mehr in der Paderborner Statistik geführt.

Straften im Kreis Paderborn 2018
Deliktgruppen Fallzahlen im Kreis Paderborn  
2017 2018 Differenz
Straftaten gesamt 18.322 16.267 -11,2%
Diebstahl 6732 6100 -9,4%
Raub 138 96 -30,4%
Körperverletzung 1195 1319 +10,4%
gef. Körperverletzung 417 460 +10,3%
Ladendiebstahl 1285 949 -26,2%
Taschendiebstahl 372 231 -37,9%
Fahrraddiebstahl 1186 1022 -13,4%
Wohnungseinbrüche 391 373 -4,6%
Betrug 3177 2270 -28,6%
Schwarzfahren 1587 1152 -27,4%
Stalking 70 96 +37,7%
Sexualdelikte 187 218 +16,6%
Drogendelikte 935 1147 +22.7%
Gewaltdelikte 2413 2578 +6,8%

Zahl der Einbrüche gesenkt

Zum anderen seien die Rückgänge auf Erfolge der Ermittler zurückzuführen, lobte Manfred Müller die Polizisten. Beispiel Einbrüche: Durch die Festnahme von insgesamt zehn Tatverdächtigen konnte die Zahl der Einbrüche im Kreis Paderborn drastisch gesenkt werden: von rund 500 im Jahr 2016 auf nun 373. Kriminaldirektor Schäfers betonte, dass dies ein Erfolg der Ermittlungskommission sei, die hier in Sisyphos-Arbeit die Mosaiksteinchen aus Überwachungen und Observationen zusammengeführt habe. Müller betonte, dass sich auch die überörtliche Zusammenarbeit der Polizei bewährt habe. Äußerst positiv ist auch die Entwicklung, dass rund 50 Prozent der Einbrüche bereits im Versuch stecken bleiben. Damit liege man deutlich über dem Landesschnitt, sagte Müller – ein Erfolg der Bürgerberatungen.

Deutlich abgenommen hat 2018 auch die Zahl der Diebstahlsdelikte. Im Jahr 2018 wurden 632 Fälle weniger registriert, als noch 2017.

Die Zahl der Körperverletzungen hat zugenommen

Ein Problem bleiben aber die Enkeltrickbetrüger und falschen Polizisten. Ende November hatten Unbekannte mit ihrer Telefonmasche von einem 66-Jährigen aus Schloß Neuhaus 100.000 Euro ergaunert. »Die falschen Polizisten bereiten uns echte Probleme«, gibt Alfons Schäfers zu. Das gilt übrigens auch für Sexualdelikte. Immer häufiger verschicken Jugendliche Nacktfotos und -videos von sich per Handy und werden anschließend erpresst, berichtete Müller. Die Aufklärungsquote liege bei 86 Prozent. Und noch etwas stimmt nachdenklich: Die Zahl der Körperverletzungen hat um 158 auf 1845 Fälle zugenommen. Diese Taten würden meist im privaten Umfeld oder auf Festen verübt. Müller: »Im Privatbereich haben wir kaum eine Chance, dem entgegen zu wirken.«

Kommentar von Ingo Schmitz

Wer den Wetterbericht hört, wird häufig mit »gefühlten« Temperaturen konfrontiert. Auch bei der Kriminalität gibt es eine »gefühlte« Wahrnehmung: Manche nutzen diese Ängste der Bürger geschickt, um Stimmung zu machen. Doch die gestern vorgestellten Zahlen rücken das Bild, das manche in ihren Köpfen tragen, gerade: Die Straftaten im Kreis Paderborn sind auf einem historischen Tiefstand angelangt. Der Kreis Paderborn ist also sicher wie nie. Einbrüche, Betrug, Diebstahl: In all diesen Bereichen hat die Polizei Rückgänge verzeichnet. Sie muss sich aber verstärkt mit Körperverletzungen und Sexualdelikten befassen. Doch das ist auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Es gehört Mut dazu, nicht wegzuschauen, sondern couragiert einzugreifen.

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