Do., 07.03.2019

Jüngste Grabungsfunde bekommen dauerhaft Platz im Pfalzenmuseum Blick in den Alltag unserer Vorfahren

Stadtarchäologin Sveva Gai, Stadtheimatpfleger Michael Pavlicic, Museumsleiter Martin Kroker, LWL-Chefarchäologe Michael Rind und Designerin Catherine Francois (von links) in der neuen Museumsabteilung.

Stadtarchäologin Sveva Gai, Stadtheimatpfleger Michael Pavlicic, Museumsleiter Martin Kroker, LWL-Chefarchäologe Michael Rind und Designerin Catherine Francois (von links) in der neuen Museumsabteilung. Foto: Jörn Hannemann

Von Manfred Stienecke

Paderborn (WB). An mehr als 100 Stellen der Stadt haben Archäologen bisher nach Zeugnissen der Vergangenheit gesucht. Die schönsten dabei gefundenen Objekte haben jetzt dauerhaft ihren Platz im Museum in der Kaiserpfalz.

»Die Einrichtung der neuen Abteilung zur Stadtarchäologie hatte für uns etwas von der Quadratur des Kreises«, blickt Museumsleiter Dr. Martin Kroker auf die vergangenen Wochen zurück. »Wir wollten mehr Exponate zeigen, diese aber auch schöner und

großzügiger präsentieren.«

Zum Gelingen beigetragen hat das Konzept des Stuttgarter Planungsbüros »Raum hoch n«. Die Designerinnen Catherine Francois und Natalie Kleemann schufen für die rund 150 Schaustücke im Untergeschoss der Pfalz eine helle, L-förmige Vitrine sowie eine mitten im Raum platzierte »Bürgertafel«.

Alltagsgegenstände

In den Vitrinen machen ausgewählte Exponate deutlich, wie die Paderborner vom Mittelalter bis in die Neuzeit hinein gelebt haben. Gezeigt werden Alltagsgegenstände aus Küche und Kleiderschrank, aus Spielzimmer und Schreibstube. Zugang zu den einzelnen Themenbereichen finden Besucher, wenn sie jeweils ein Kläppchen öffnen, hinter dem sie kleine Aufgaben zum Ausprobieren finden. Sie können Heilkräuter erschnuppern, exotische Handelswaren ertasten oder in hölzerne Pantinen, sogenannte »Trippen«, schlüpfen, mit denen ihre Vorfahren einst durch die unbefestigten und verschlammten Gassen der Stadt liefen.

Größtes Ausstellungsstück ist eine gut 500 Kilogramm schwere steinerne Grabplatte, die bei Ausgrabungen auf dem Domplatz gefunden wurde. Unter ihr war der Schneider Johan Surlant bestattet worden, der 1628 im Streit von dem fürstbischöflichen Finanzverwalter Jorgen Baer erschlagen wurde. Ebenfalls keine Leichtgewichte sind zwei Kanonenkugeln, die im Siebenjährigen Krieg (1756-63) zur Verteidigung der Stadt am Ikenberg unterhalb des Doms gelagert wurden.

Mehrere tausend Objekte zutage gefördert

»Jedes Jahr führen wir in Paderborn mehrere Grabungen durch«, sagt Stadtarchäologin Dr. Sveva Gai. Seit die Stadtarchäologie 1993 gegründet wurde, wurden mittlerweile bei mehr als 100 Grabungskampagnen mehrere tausend Fundstücke geborgen, die nach und nach in Münster restauriert werden. »Zuerst kommen wegen sonst drohender Korrosion metallische Funde dran«, so die Altertumswissenschaftlerin. »Eile geboten ist auch bei Glas, Leder und Textilien. Bei Keramikfunden haben wir mehr Zeit.« Probleme bereitet dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe zunehmend die Verwahrung des rasch zunehmenden Fundmaterials.. »Wegwerfen können wir nichts«, betont Chefarchäologe Prof. Michael Rind. »Bessere Analyseverfahren ermöglichen immer wieder neue Erkenntnisse.«

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