Fr., 08.03.2019

Energy-Drink »Effect« kommt aus Paderborn – MBG wird 25 »Red Bull« auf den Fersen

MBG-Gründer und Chef Andreas Herb mit dem Energy-Drink aus Paderborn im firmeneigenen Fitnessstudio.

MBG-Gründer und Chef Andreas Herb mit dem Energy-Drink aus Paderborn im firmeneigenen Fitnessstudio. Foto: Jörn Hannemann

Von Bernhard Hertlein

Paderborn (WB). Über Energy Drinks gehen die Meinungen auseinander – über den Geschmack sowohl als über Wirkung und Nebenwirkungen als Aufputschmittel. Die bekannteste Marke ist zweifellos »Red Bull«. Doch das Paderborner Unternehmen MBG ist ihm mit »Effect« auf den Fersen.

Der Abstand zwischen beiden Marken hat sich in den vergangenen Jahren spürbar verringert. Weitere starke Marken sind Rockstar und Monster, wobei die meisten Energy- Drinks allerdings unter Handelsnamen verkauft werden. Hergestellt wird Effect im Auftrag von MBG, das gerade 25. Geburtstag feiert, in der zu Warsteiner gehörenden Paderborner Brauerei.

MBG entwickelt und vermarktet über den Energydrink hinaus weitere in der Gastronomie und im Handel bekannte Marken. Das Biermixgetränk Salitos gehört dazu, außerdem der Prosecco Scavi & Ray, das in auffallend dunkelblauen Flaschen abgefüllte Mineralwasser Aqua Morelli sowie im Spirituosenbereich Goldberg, Three Sixty, Dos Mas und Mahiki.

Zielgruppe ist vor allem das Partypublikum angesagter Clubs und Diskotheken, doch werden die Getränke auch in der normalen Gastronomie, in Tankstellen, im Getränke- und im Lebensmitteleinzelhandel vermarktet.

Der Chef – energiegeladen

Andreas W. Herb, der Gründer und Chef von MBG, produziert nicht nur Energydrinks, er versprüht auch selbst Energie. Es wird erzählt, dass man sich in Dortmund in Szene-Gaststätten noch lange Zeit an diesen »verrückten Jungen« erinnert hat, der vor mehr als 25 Jahren mitten in der Nacht anrief, um ein Bier namens »Sol« zu vermarkten.

Zuvor absolvierte Herb übrigens eine Ausbildung als Bankkaufmann – ebenso wie sein heutiger Partner als geschäftsführender Gesellschafter, Peter Jürgens. Doch das hat sie nicht ausgefüllt.

Die Miller-Brand-Story

Umstrittenes Taurin

Energy-Drinks sind als Aufputschmittel nicht unumstritten. Kritisiert wird der Zusatz Taurin, der die Wirkung von Koffein verstärkt. Das künstlich hergestellte Aminosulfonsäure–Produkt, das auch – natürlich vorkommend – in Lebensmitteln (Tier, Fisch) und im Körper die Fettverdauung unterstützt, steht im Verdacht, in konzentrierter Form und zu großer Menge zu innerer Unruhe und Nervosität bis hin zu Herzrasen führen zu können. Energy-Drinks enthalten ungefähr so viel Zucker wie eine normale Cola. Ärzte warnen, Energy-Drinks mit Wodka oder anderem Alkoholika zu mischen. Die gesundheitlichen Risiken für Herz und Nieren würden vergrößert. Taurin kommt von Taurus – lateinisch: Stier. Die hin und wieder geäußerte Behauptung, der Stoff werde aus Stierhoden gewonnen, ist falsch. Taurin wird künstlich im Labor hergestellt.

Schon ein gutes Jahr nach Gründung des Unternehmens, das ursprünglich P.O.S. Marketing + Vertrieb hieß, reiste Herb 1995 in die USA. Sein Ziel: die Vertriebslizenz für das amerikanische Miller Beer zu bekommen. Tatsächlich wurde der junge Deutsche mit dem Management des US-Zigarettenherstellers Philip Morris, in dessen Besitz sich die Miller-Brauerei damals befand, einig. Herb benannte das P.O.S. in »Miller Brands Germany« um und nahm die Warsteiner-Brauerei als Partner mit ins Boot.

Heute ist von Miller Brands nur noch das Kürzel MBG als Firmenname geblieben. 2008 beschloss der neue Eigentümer von Miller, den Vertrieb wieder auszuschreiben. Zwar hatte Herb den Verkauf bis auf 78.000 Hektoliter pro Jahr hochgebracht – und das, obwohl eine Kiste des in der typischen Longneck-Weißglas-Flasche abgefüllten US-Biers in Deutschland für immerhin 36 Euro und damit deutlich erkennbar als Premiummarke verkauft wurde. Doch dem Eigentümer war das zu wenig. MBG verlor die Lizenz und Herb durchlebte eine schwere Zeit. Für den US-Konzern hat sich der Schritt nicht gelohnt: Der Verkauf in Deutschland sackte auf einen Bruchteil. Als MBG im vergangenen Jahr gefragt wurde, ob es die Lizenz nicht zurückhaben wolle, lehnte Herb dankend ab.

Seit 25 Jahren

Dass MBG jetzt überhaupt den 25. Firmengeburtstag feiern kann, liegt daran, dass es Herb gelang, neue Produkte zu integrieren und das Geschäft mit anderen bestehenden Marken auszubauen. Dazu gehört Salitos, das 2002 zu MBG stieß. Dessen Ursprung liegt in Panama, wo MBG noch lange Zeit ein kleines Büro unterhielt. Neben Miller hatten die Paderborner zeitweise andere prominente Marken in Lizenz. Aber sowohl Almdudler aus Österreich, für den MBG den deutschen Markt überhaupt erst erschloss, als auch Orangina und das französische Mineralwasser Perrier wurden irgendwann nicht verlängert.

»Gibt es keinen Erfolg, verliert der Hersteller das Interesse. Ist man aber erfolgreich, will der Inhaber der Marke gern den gesamten Gewinn einstecken«, erklärt Herb das Dilemma. Inzwischen hat er die Konsequenz gezogen: »Wir werden uns künftig weitestgehend auf Marken beschränken, die wir selbst aufgebaut oder käuflich erworben haben.«

Die weiteren Pläne

Für die Zukunft hat sich MBG sehr viel vorgenommen. Der Umsatz soll bis 2025 von derzeit 200 auf 500 Millionen Euro steigen. Dazu will Herb auch im Ausland stärker wachsen. Vertriebsbüros gibt es derzeit in Spanien, Dänemark und Dubai. 150 der 250 fest angestellten Beschäftigten haben ihren Arbeitsplatz in Paderborn, wo sie in den Pausen die firmeneigenen Fitnessstudios kostenlos nutzen, sich massieren lassen und demnächst sogar eine Sauna besuchen können.

Das Portfolio der Paderborner umfasst gut 20 Marken und 500 unterschiedliche Produkte inklusive Snacks und Dips. Bei den Getränken kooperiert MBG mit 31 Abfüllstätten in Europa, darunter auch Carolinen in Bielefeld. Bei Szenegetränken, dem Kern-Portfolio, ist der Marketingaufwand groß. Allein der Bestand der in Paderborn gelagerten Werbemittel hat nach Angaben von Pressesprecherin Lena Schmidt einen Wert von vier Millionen Euro.

Das Werbemittel-Lager wurde gerade an die BS Logistik abgegeben. Zugleich investiert MBG fortwährend am Standort in den Ausbau des Getränkelagers.

Energy und Sport

Während der Aufstieg von Red Bull in Deutschland eng mit dem RB Leipzig verbunden ist, sponsert MBG im Profi-Fußball neben dem SC Paderborn seit kurzem auch die Dortmunder Borussen und – ganz neu – Arminia Bielefeld. Zudem hat Herb früh den E-Sport als Werbeplattform entdeckt. Hier ist MBG Partner von Schalke 04, dem VfL Wolfsburg und VfL Bochum. Die Wettkämpfe von Video- bzw. Computerspielern ziehen immer mehr Zuschauer an. Teilweise gehen die Zahlen live, aber vor allem online und im Fernsehen in die Millionen.

Kommentare

Interessanter Artikel. Man nennt das auch "Werbung".

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