Fr., 15.03.2019

Stadt Paderborn plant Carsharing mit eigenen Fahrzeugen Dienstwagen für die Bürger

Die Stadt als Vorbild: Im Fuhrpark der Verwaltung befinden sich fünf elektrische VW-Kleinwagen. Sie seien im Kollegenkreis für Dienstfahrten sehr beliebt. Die Stadt plant nun eine Ausweitung des Carsharings auf die Bürger.

Die Stadt als Vorbild: Im Fuhrpark der Verwaltung befinden sich fünf elektrische VW-Kleinwagen. Sie seien im Kollegenkreis für Dienstfahrten sehr beliebt. Die Stadt plant nun eine Ausweitung des Carsharings auf die Bürger. Foto: Jörn Hannemann

Von Ingo Schmitz

Paderborn (WB). 44.600 Pendler müssen jeden Tag nach Paderborn. Rote Ampeln, Baustellen, Staus, hohe Feinstaubbelastungen: Die Stadt hat ein Mobilitätsproblem. Es wird an vielen Stellen überlegt, das zu ändern. Die Verwaltung arbeitet jetzt an einem Carsharing-Konzept, bei dem städtische Dienstwagen von Bürgern genutzt werden können.

Fast 2700 Mitarbeiter hat die Stadt. Die alle müssen irgendwie zur Arbeit kommen. Doch nicht nur das. Es geht zur Baustelle, zum anderen Verwaltungsstandort, zur Pflegefamilie oder zum Pressetermin: Die Mitarbeiter der Stadt sind viel unterwegs. Obwohl es im Jahr 2013 insgesamt 37 Dienstwagen gab, haben die Beschäftigten stolze 600.000 Kilometer mit ihren eigenen Autos für dienstliche Zwecke zurückgelegt und die Kosten erstattet bekommen.

Viele Mitarbeiter schon auf ÖPNV umgestiegen

Diese Entwicklung will die Stadt mit Blick auf die wachsenden Mobilitätsprobleme möglichst intelligent lösen. Inzwischen ist nicht nur die Fahrzeugflotte umgestellt worden, sondern auch die Organisation, wie jetzt Monika Bürger, Leiterin des Haupt- und Personalamtes, auf Anfrage erklärte.

»Ganz vorne steht die Sensibilisierung der Mitarbeiter«, berichtet Jürgen Meier, zuständig für den Bereich Prozessoptimierung. Fuhren Mitarbeiter ehemals überwiegend mit dem Auto zur Arbeit, so sind inzwischen etliche dank der Subventionierung des Jobtickets auf den ÖPNV umgestiegen. »Wir haben ausrechnen lassen, wie lange die Mitarbeiter unterwegs sind, wenn sie mit dem Auto oder dem Bus fahren«, berichtet Bürger.

Unterwegs mit dem Dienst-Pedelec

Um die Schadstoffbelastungen zu reduzieren, setzt die Stadt zudem auf einen Mobilitätsmix. Um Termine in der Stadt zu absolvieren, können die Beschäftigten nun auch den Bus nutzen oder mit dem Dienst-Pedelec fahren. Acht Diensträder gibt es, die im Sommer bei trockener Witterung viel unterwegs sind. Besonders gefragt sind auch die Elektro-Fahrzeuge, die die Verwaltung als Dienstwagen nun auch im Bestand hat.

Die Auseinandersetzung mit der Thematik habe zu einem Umdenken geführt, sagt Meier. Gab es im Jahr 2016 am Technischen Rathaus in der Pontanusstraße zwölf Fahrzeuge, die von 85 Beschäftigten genutzt wurden, so sind es jetzt 28 für 458 Nutzer an den Standorten Hoppenhof, Abdinghof und Pontanusstraße.

Nutzung auch nach Feierabend

Gegen eine Gebühr können die Beschäftigten die Dienstwagen sogar nach Feierabend und am Wochenende nutzen. Das erhöht die Auslastung der Fahrzeuge. »Unser Siebensitzer ist am Wochenende viel unterwegs: für den Möbelkauf, für Sportveranstaltungen oder Kindergeburtstage«, erklärt Bürger. Die Abrechnungsmethode sei vom Finanzamt anerkannt.

Das elektronische Buchungssystem könnte in einem weiteren Schritt auch auf die Bevölkerung ausgeweitet werden, erklärt Monika Bürger. Die Handy-App legt dann je nach Bedarf fest, welches Fahrzeug von wem für was genutzt wird. Die vorhandene Technik in den Fahrzeugen ist bereits darauf ausgelegt. Sie funktioniert völlig automatisiert und öffnet zum Beispiel erst nach einer Führerscheinüberprüfung die Türen.

Die Amtsleiterin geht davon aus, dass spätestens mit dem Neubau der Verwaltung am Abdinghof das Bürger-Carsharing starten kann. Beim Neubau sollen Ladesäulen berücksichtigt werden.

Kommentar

Bei vielen Firmen und Verwaltungen stehen sich die Dienstwagen an den Wochenenden die Reifen platt. Durch die innovative Idee der Stadt Paderborn könnte sich das nachhaltig ändern. Neueste Fahrzeuge mit besten Abgaswerten könnten künftig von Bürgern genutzt werden, die selbst kein Auto haben oder mit ihrem alten Diesel in bestimmte Städte nicht mehr fahren dürfen.

Durch den Einsatz der E-Fahrzeuge werden nach Angaben der Verwaltung bei 30.000 Kilometer Laufleistung 4,5 Tonnen CO 2 gespart. Hier hat die Stadt bereits einen wichtigen Beitrag für eine saubere Luft geleistet.

Dass die Stadt Paderborn besonders fortschrittlich unterwegs ist, zeigt sich darin, dass die hier gemachten Erfahrungen in anderen Städten gefragt sind. Carsharing: Dahinter steht eine Form des Mobilitätsgedankens, der im Konzert mit anderen Maßnahmen helfen kann, die Probleme der Zeit zu lösen.                                 Ingo Schmitz

 

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