Do., 21.03.2019

Oschmann-Show in der Paderhalle kann hohe Erwartungen nicht erfüllen Altbackenes aus dem Wartezimmer

Ingo Oschmann mag kein politisches Kabarett: »Da werden nur Leute beleidigt.«

Ingo Oschmann mag kein politisches Kabarett: »Da werden nur Leute beleidigt.« Foto: Stienecke

Von Manfred Stienecke

Paderborn (WB). Dass die Paderhalle beim Heimspiel des in Bielefeld geborenen Spaßmachers Ingo Oschmann am 19. März nicht mal zur Hälfte gefüllt war, passte ins Bild eines wenig überzeugenden Abends. Die Show des 49-jährigen Wahl-Düsseldorfers versprach mehr, als sie zu halten vermochte.

Schon der Auftakt gerät eher zum Stimmungskiller. Da hockt mit Michel Klein ein trauriger Sänger im Bühnenhintergrund am E-Piano und ertränkt seinen Weltschmerz im Cyndi-Lauper-Hit »Time After Time«. Zum Glück erlöst ihn Ingo Oschmann gleich nach dieser Nummer mit seiner Anmoderation. Ganz auf den Gute-Laune-Onkel getrimmt witzelt er über seinen leicht aus den Fugen geratenen Körper. »Ich bin dick geworden und alt – das liegt wohl an den grauen Haaren.«

Und ein bisschen auch an seinem türkischen Frisör. Der biete neben dem Haarschnitt auch Burger an, plaudert der Gastgeber, der sich angeblich auf der Bühne in Paderborn besonders wohl fühlt. »In der Kulturwerkstatt hatte ich meinen ersten Auftritt.«

Marcus Jeroch ist die Entdeckung des Abends

Das ist das Stichwort für Sascha Korf. Der ist in Paderborn aufgewachsen und versucht sich mittlerweile im Comedy-Fach. Das macht er nicht schlecht, wirkt aber leicht hyperaktiv und arg aufgezogen. Als Assistenten holt er sich Christopher aus dem Publikum auf die Bühne, um mit ihm die Kennenlernszene mit dessen Freundin Natascha durchzuspielen, die in der zweiten Reihe sitzen bleiben darf. Stimmen Korfs Mutmaßungen über die sich anbahnende Partnerschaft, soll Christopher bimmeln, andernfalls eine Hupe betätigen. Das ist leidlich amüsant und mündet in die Pointe, dass am Schluss des ersten Tages weiter nichts passiert ist.

Die Entdeckung des Abends ist Marcus Jeroch. Der Wortakrobat hält einen skurrilen Vortrag, bei der er nach und nach auf die Buchstaben »d«, »w« und »t« verzichtet. Das Publikum nimmt staunend und applaudierend zur Kenntnis, dass sich der größte Teil des Texte »’ro’z’em« noch erschließen lässt.

Die anschließende Jonglage-Nummer, in der Jeroch gleichzeitig mit dem Kopf wackelt, mit beiden Armen und Beinen Bälle und Kugeln in koordinierten Bewegungsabläufen in Schwung hält und zudem noch einen Reifen um die Hüften kreisen lässt, ist absolut zirkusreif.

Üppiger Körper, müde Pointen

Wer mit mageren Texten punkten will, muss optisch ein bisschen dicker auftragen. Unter diesem Motto wogt die mit üppigen körperlichen Konturen ausgestattete Daphne de Luxe durch ihre Varieté-Nummer, die dort spielt, wo sich jeder bestens auskennt: im Wartezimmer des Arztes. Mit abgestandenen Witzchen und müden Pointen vertreibt sie dem Publikum die Wartezeit bis zum Aufruf in das Behandlungszimmer: »Das hat gedauert«, echauffiert sie sich. »In der Zeit hätte ich selber Medizin studieren können.«

Oschmann, der bekennt, kein Freund des Kabaretts zu sein, weil da nur Politiker beleidigt würden, verblüfft das Publikum dann noch mit einem Mitmachspiel, in dem jeder für sich beliebig Dinge aus vorgegebenen Begriffsfeldern wählen darf. Am Ende läuft es immer auf die Erdbeere hinaus.

Kommentare

Kritik an der Show von Ingo Oschmann

Mir und meiner Begleitung hat der Abend sehr gut gefallen und auch die Zuschauer in meiner Umgebung haben viel gelacht. Deshalb kann ich die Kritik nicht gut nachvollziehen.

1 Kommentare

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