Do., 21.03.2019

Beim Metal-Festival ist eine Band mit verdächtigem Namen dabei Nazi-Verdacht im Schützenhof

Die italienische Band »Schwarze Sonne« tritt im Paderborner Schützenhof auf.

Die italienische Band »Schwarze Sonne« tritt im Paderborner Schützenhof auf. Foto: Nicola Cerea

Von Manfred Stienecke

Paderborn (WB). Im Vorfeld eines am 30. März in Paderborn geplanten Metal-Konzerts schlagen Empörer Alarm. Sie befürchten, dass eine Band offen rechtsradikale Propaganda betreiben könnte.

Stein des Anstoßes ist die italienische Rammstein-Coverband »Schwarze Sonne«. Sie wurde von der E.E.E.-Eventagentur zum Festival »Rammstein versus Onkelz« eingeladen, das am Samstag der kommenden Woche im Paderborner Schützenhof über die Bühne gehen soll – zum siebten Mal bereits. Bisher hat es bei dieser phonstarken Veranstaltung noch keinerlei Probleme gegeben. Jetzt aber wittern Kritiker, dass das Festival zum Aufmarsch von Neonazis führen könnte.

Verdächtig ist ihnen neben der martialischen Bühnendekoration der Italiener vor allem der Name. Die »Schwarze Sonne« ist ein uraltes Symbol aus zwölf kreisförmig angeordneten Strahlen, das von den Nationalsozialisten entlehnt und ideologisch verbrämt wurde. Eine der bekanntesten NS-Darstellungen befindet sich im ehemaligen SS-Obergruppenführersaal im Nordturm der Wewelsburg in der Form eines Bodenmosaiks.

Veranstalter um Aufklärung bemüht

»Zu unserem großen Bedauern geht das geplante Coverband-Event ’Rammstein vs. Onkelz’ mit der Sorge einher, dass im Schützenhof eine Band mit rechtsradikaler Gesinnung auftreten würde«, reagierte die Geschäftsführerin der Paderborner Stadthallen-Betriebsgesellschaft, Dr. Maria Rodehuth, auf die aufgeflammte Diskussion. Über den Veranstalter Elmar Schniedermeyer habe man Kontakt zu der eingeladenen Band aus Mailand aufgenommen und um Aufklärung der Vorwürfe gebeten.

Die Antwort der italienischen Hardrocker erfolgte prompt. »Die Band ’Schwarze Sonne’ ist in keinster Weise einer politischen Ideologie oder Partei zugehörig, und ist auch nicht dem ’Black Sun Cult’ in irgendeiner Weise zugetan«, heißt es in der am 21. März verbreiteten Erklärung. »Der einzige Zweck der Band ist es, die Songs und Bühnenshows der Band Rammstein zu kopieren, um die Fans und Bandmitglieder mit größter Sorgfalt zu unterhalten.« Die Band und ihre Mitglieder würden auch »nie zu missverständlichen oder irreführenden politischen oder kulturellen Ansichten aufrufen.«

»Nicht an Schwarze-Sonne-Kult gedacht«

Durch die in Paderborn entfachte Kritik an der Einladung sei man erst auf das sensible Thema des Nazi-Symbols aufmerksam geworden, behaupten die Italo-Rocker. »Die Band hat verstanden, dass der Name ’Schwarze Sonne’ kontrovers diskutiert wird und dass es andere Bands dieses Namens gibt, die politische Ideologien oder Kulte unterstützen«, sagt der Gitarrist und Band-Sprecher Gabriel Ferent. »Aus diesem Grund steht die Frage zur Debatte, ob die Band nicht doch lieber ihren Namen ändern sollte.«

Schon fast putzig liest sich die Erläuterung Ferents, wie es zur Wahl des Bandnamens gekommen sei. »Der Name wurde 2011 bei Gründung der Band ausgewählt und bezog sich auf den Rammstein-Song ’Sonne’. Da ’Sonne’ zu kurz erschien, wurde ’Schwarze’ davorgestellt, da es dann einen schöneren Klang hatte.« Man müsse auch berücksichtigen, dass kein Bandmitglied der deutschen Sprache mächtig sei. »Es sind Italiener, die haben nicht an den Schwarze-Sonne-Kult gedacht. Es liegt nicht im Interesse der Band, kontroverse Diskussionen auszulösen, und sie zieht ernsthaft eine Namensänderung in Erwägung, falls die Diskussionen anhalten sollten.«

Angekündigt wurde das Festival am 30. März im Schützenhof als »die Live-Schlacht des Jahres«. Eröffnet wird es um 20.30 Uhr von der Rammstein-Coverband »Schwarze Sonne«. Ab 23 Uhr wird die Coverband »Koma« dann Songs der »Böhsen Onkelz« spielen.

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