So., 24.03.2019

WV-Serie: Imker Günther Kley aus Paderborn über die aktuelle Situation des Insekts Bienen brauchen Hilfe

Die Temperaturen steigen – das Gesumme geht wieder los: Auf dem Vereinsbienenstand des Imkervereins Paderborn zeigt Günther Kley eines der insgesamt elf Bienenvölker. Damit es im Frühjahr blüht, ist die Natur auf die Bienen angewiesen.

Die Temperaturen steigen – das Gesumme geht wieder los: Auf dem Vereinsbienenstand des Imkervereins Paderborn zeigt Günther Kley eines der insgesamt elf Bienenvölker. Damit es im Frühjahr blüht, ist die Natur auf die Bienen angewiesen. Foto: Lukas Brekenkamp

Von Lukas Brekenkamp

Paderborn (WB). Die gute Nachricht zu Beginn: Der Bestand an Honigbienen macht Günther Kley aktuell keine Sorgen. »Zumindest solange es uns Imker gibt.« Anders sieht es jedoch bei den Wildbienen aus.

Blumenduft fürs Bienenglück

Ohne Bienen kann unsere Welt nicht mehr dieselbe sein. Deshalb ist es ein guter Vorsatz, Wildbienen zu schützen, in dem wir ihnen Raum zum Leben geben. Symbolisch für diesen guten Vorsatz hat das WESTFÄLISCHE VOLKSBLATT die WESTFÄLISCHE VOLKSBIENE aus der Taufe gehoben und mehrere tausend Tüten Blumensamen mit dem süßen Insekt darauf herstellen lassen. Mitarbeiter dieser Zeitung verteilen diese Samentüten in den kommenden Wochen bei Frühlings- und Stadtfesten in der Region. Machen Sie mit und säen auch Sie »Blumenduft fürs Bienenglück«. Die WESTFÄLISCHE VOLKSBIENE und ihre Artgenossen werden es danken. Und wir Menschen auch

Der Begriff Bienensterben scheint irreführend. Bedroht sind nämlich vor allem die Wildbienen. Allerdings gibt es Probleme für das schwarze-gelb Insekt. »Das Interesse der Öffentlichkeit hat die Situation der Bienen schon besser gemacht«, sagt Günther Kley, Vorsitzender des Imkervereins Paderborn.

Trotzdem sieht der Experte genug Ansatzpunkte für Verbesserung, um den verschiedenen Bienenarten zu helfen. »Wenn jeder in seinem Garten ein paar Qua­dratmeter für Bienen oder Insekten freihält, wäre schon viel gewonnen«, betont er. Moderne Gärten, in denen Blumenbeete von Steinwüsten oder Kiesfläche abgelöst werden, sind für die Biene problematisch.

Denn sie findet dort kein Futter in Form von Nektar. Glück haben dabei die Honigbienen, die vom Menschen aufgrund ihrer Honigproduktion genutzt werden. Sie werden von Imkern zum Teil gefüttert.

Biene findet nicht mehr nach Hause

Ebenfalls ein Problem für Bienen ist die Landwirtschaft. Denn dabei werden zum Teil Giftstoffe versprüht, die Pflanze oder Insekt angreifen und töten. »Einige Stoffe stören den Orientierungssinn der Biene. Sie findet nicht mehr nach Hause«, so Kley. Außerdem finde man in der Landwirtschaft oft monotone Agrarlandschaften, in denen nichts blüht. Auch deshalb sieht Günther Kley für die Biene zum Teil bessere Überlebensmöglichkeiten in der Stadt. »Dort gibt es viele öffentliche Grünflächen wie Friedhöfe oder Parkanlagen«, sagt er.

Die Mitglieder des Imkervereins, der dieses Jahr 120-jähriges Bestehen feiert, halten in Paderborn und Umgebung insgesamt etwa 490 Bienenvölker. Kley betont auch: Viele Landwirte würden bereits immerhin so genannte Blühstreifen anlegen. »Damit ist schon sehr geholfen.« Als weitere Faktoren werden auch der Klimawandel oder Umweltverschmutzung – auch durch Abgase – angesehen.

Welt ohne Bienen

Dass das Bienensterben Konsequenzen mit sich bringt, dürfte klar sein. »Bienen sind durch die Bestäubung für die Fortpflanzung eines großen Teils der Pflanzen verantwortlich«, erklärt Kley. »Das würde wegfallen.« Ein Supermarkt in Hannover hat vor etwa einem Jahr in einem Experiment eine Welt ohne Bienen simuliert – und alle Produkte aussortiert, die es ohne die Insekten nicht geben würde. Das Ergebnis: Etwa 60 Prozent des Sortiments fehlten.

Und auch die Farbenpracht im Frühjahr bliebe auf der Strecke. Bienen überwintern im Volk. Wenn die Temperaturen etwa die zwölf Grad überschritten haben und die Sonne mitspielt, beginnt das große Summen. Dann bestehe ein Bienenvolk aus 5000 bis 10.000 Bienen, die durch die Futtersuche mit der Bestäubung beginnen, so Kley. In der Hochzeit können pro Volk sogar bis zu 75.000 Bienen unterwegs sein.

Und auch andere Tiere hätten ein Problem: Denn so mancher Vogel ernährt sich von Insekten wie Bienen. Ein Teil ihrer Ernährung würde entfallen.

Für die Honigbiene sieht Kley derweil nur eine Bedrohung: die Varroamilbe. Diese ernährt sich vom Blut der Biene. Im Kampf gegen den Parasiten ist das Insekt auf den Imker angewiesen. »Sonst hätte die Honigbiene keine Chance«, sagt Kley. Denn eine gängige Möglichkeit der Bekämpfung ist laut Kley das Verdampfen von Ameisensäure im Bienenstock nach der Honigernte. »Das ist ein natürlicher Stoff und völlig ungefährlich«, betont der Imker.

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