Mo., 25.03.2019

Anwohner des Hollandwegs in Elsen schimpfen über den ASP Gehbehindert Tonnen schleppen

Dirk Trappe, Friedhelm Maßmann und Michael Buschmeier (von links) müssen jetzt die Mülltonnen zur Straße An der Dicken Linde bringen. Das empfinden sie als Zumutung.

Dirk Trappe, Friedhelm Maßmann und Michael Buschmeier (von links) müssen jetzt die Mülltonnen zur Straße An der Dicken Linde bringen. Das empfinden sie als Zumutung. Foto: Dietmar Kemper

Von Dietmar Kemper

Paderborn (WB). Weil Mülltransporter nicht rückwärts in ihre Sackgasse fahren dürfen, müssen gehbehinderte und herzkranke Anwohner des Hollandwegs in Paderborn-Elsen ihre Tonnen bis zu 75 Meter weiter als bisher abstellen. Die finden das »unter aller Sau«, wie es Anneliese Duczek ausdrückt. Der ASP verweist auf Unfallverhütungsvorschriften.

Die 73-jährige Anneliese Duczek kann kaum noch laufen, die Mülltonnen künftig bis zur Durchfahrtstraße An der Dicken Linde zu schleppen, schafft sie körperlich nicht. Auch der herzkranke und am Stock gehende Friedhelm Maßmann (78), sein ebenfalls herzkranker Nachbar Klaus Ko­zycki (79), dessen Frau Renate (77) und der zur Zeit krankgeschriebene Michael Buschmeier (61) empfinden die Neuregelung als Zumutung. Sie alle wohnen in dem Teil des Hollandwegs mit vier Häusern, der eine Sackgasse ist.

Mülltonnen müssen jetzt bis zur Durchfahrtstraße

Seit 40 Jahren und länger stellten sie ihre Mülltonnen auf den Bürgersteig vor ihren Häusern. Das geht jetzt aber nicht mehr. Am 13. März erhielten die Anwohner ein Schreiben vom Abfallentsorgungs- und Stadtreinigungsbetrieb ASP, wonach sie künftig die Abfallbehälter an der Durchfahrtstraße im Bereich vor einem bestimmten Haus auf dem Gehweg aufstellen müssen.

»Fahren Sie mal die schwere blaue oder grüne Tonne die 70 Meter bis da vorne und über den Bordstein auf den Bürgersteig«, klagt Friedhelm Maßmann und ärgert sich über die Art des Umgangs: »Warum hat der ASP die Leute nicht vorher angeschrieben, das Problem geschildert und uns um eine Stellungnahme gebeten? Stattdessen heißt es ›Friss oder stirb‹.« So ein Verhalten erzeuge Verdrossenheit.

»Die Müllgebühren steigen und der Service sinkt«

»Die Müllgebühren steigen und der Service sinkt«, schimpft Michael Buschmeier. Die Müllgebühren seien in seinem Fall von 141 Euro im Jahr 2015 auf jetzt 185 Euro geklettert – trotzdem solle er jetzt die je nach Abholtermin bis zu zwei Mülltonnen viel weiter abstellen als bislang.

»Auf längere Sicht wird uns nichts anderes übrigbleiben, als jemandem damit zu beauftragen, die Mülltonnen mittwochabends dorthin zu bringen, wo sie geleert werden«, mutmaßt Buschmeier mit Blick auf das hohe Durchschnittsalter in der Nachbarschaft. Und jemanden damit zu beauftragen, koste Geld. »Die gehen ausgerechnet an alte Menschen ran«, kritisiert Nicole Duczek (48), die die Regelung genausowenig wie ihr Lebensgefährte Dirk Trappe und ihre Mutter Anneliese akzeptieren will. Was spreche denn dagegen, die Mülltonnen vor dem Holzzaun am Hollandweg abzustellen, fragen die Anwohner.

Der ASP sieht sich im Recht. Die Bürger seien Mitte März darüber informiert worden, »dass wir ab sofort nicht mehr in ihre Sackgasse hineinfahren können, da es dort keine ausreichende Wendemöglichkeit gibt«, erklärt der stellvertretende ASP-Chef Dietmar Regener. Hintergrund der Änderung sei eine neue Regelung der Unfallversicherungsträger, die 2016 mit der »Branchenregel Abfallwirtschaft, Teil: Abfallsammlung« erlassen worden sei.

Rückwärtsfahren »gefährlicher Verkehrsvorgang«

Regener verweist zudem auf die ebenfalls gültige Informationsschrift »Sicherheitstechnische Anforderungen an Straßen und Fahrwege für die Sammlung von Abfällen«. Demnach stelle das Rückwärtsfahren einen »so gefährlichen Verkehrsvorgang dar, dass er nach Möglichkeit zu vermeiden sei. Regener: »In der Informationsschrift heißt es sogar, dass Sackgassen nicht befahren werden dürfen, wenn keine ausreichenden Wendemöglichkeiten vorhanden sind. Da wir in Elsen mit Seitenladerfahrzeugen fahren, die lediglich mit einer Person und zwar dem Fahrer besetzt sind, kommt erschwerend hinzu, dass kein Einweiser zur Verfügung steht, der den Fahrer bei der Rückwärtsfahrt unterstützen könnte.« Deshalb, so der ASP weiter, sei es »nicht vertretbar, die Straße weiter zu befahren«.

ASP: 100 Meter sind zumutbar

Nach der Rechtsprechung könne es Anliegern zugemutet werden, Mülltonnen bis zu einer Entfernung von etwa 100 Meter zur nächsten Erschließungsstraße zu bringen. Regener betont, im Hollandweg betrage die Entfernung maximal 75 Meter. Er empfiehlt, auf Nachbarschaftshilfe zu setzen. Regener: »Eventuell müssen wir auch über einen kostenpflichtigen Zusatzservice nachdenken, wenn die Anlieger keine andere Möglichkeit finden.«

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