Mi., 27.03.2019

Bauern im Paderborner Land wehren sich gegen strengere Düngeverordnung »Viel Nitrat in der Lippe«

Harald Gülzow (links) und Milan Toups ziehen eine Wasserprobe. Das Ergebnis ihrer Messfahrt zeigt, dass die Lippe und die Nebenflüsse zu viel Nitrat aufweisen. Nun fordert VSR mehr ökologische Landwirtschaft.

Harald Gülzow (links) und Milan Toups ziehen eine Wasserprobe. Das Ergebnis ihrer Messfahrt zeigt, dass die Lippe und die Nebenflüsse zu viel Nitrat aufweisen. Nun fordert VSR mehr ökologische Landwirtschaft. Foto: Gerhard Seybert

Paderborn (WB). Eine Messfahrt vom VSR-Gewässerschutz zeigt, dass die Lippe und ihre Zuflüsse mit Nitraten belastet sein soll. Verantwortlich macht VSR dafür intensive Landwirtschaft und stellt Forderungen. Diese hält der Landwirtschaftliche Kreisverband Paderborn für unverhältnismäßig.

VSR-Gewässerschutz kommt nach der Auswertung einer Messfahrt vom Februar 2018 an der Lippe und seinen Nebenflüssen zu dem Ergebnis, dass die Lippe von der Quelle bis zur Mündung in den Rhein eine viel zu hohe Nitratkonzentration aufweist. Nach den Vorgaben der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) dürfte das Lippewasser für einen guten Zustand höchstens elf Milligramm Nitrat pro Liter aufweisen.

Die Ergebnisse

Bereits die Karstquelle der Lippe in Bad Lippspringe sei mit 22,2 Milligramm Nitrat pro Liter belastet. Bis nach Paderborn bleibe die Belastung unverändert hoch. Nach dem Zufluss der Pader (30,4 Milligramm) und der Alme (31,3) steige die Nitratkonzentration in der Lippe auf 29,3 Milligramm pro Liter in Sande. Dies sei die höchste gemessene Belastung auf dieser Messfahrt. Erst nach dem Zufluss des Wassers aus dem Lippesee falle die Konzentration auf 26,5 Milligramm. Bis Hamm bleibe die Nitratbelastung weitgehend unverändert. Durch den Zufluss der stark belasteten Ahse mit 34,9 Milligramm steige die Werte wieder auf 28,8 an. Mit geringen Schwankungen durch den Zufluss der Seseke bleibe die Nitratbelastung in der Lippe bis Datteln auf diesem sehr hohen Niveau. Der wasserreichste Nebenfluss, die mit 27,4 Milligramm pro Liter belastete Stever, senke den Wert der Lippe auf 27,8. Im weiteren Verlauf verringere sich die Nitratkonzentration weiter. Nach Passieren der neu gestalteten Lippeauen im Mündungsraum, ströme die Lippe letztlich mit 25,6 Milligramm Nitrat pro Liter dem Rhein zu.

Die Forderungen

Es müsse in der Landwirtschaft gehandelt werden. »Die derzeitige Düngeverordnung erlaubt eine Überdüngung der Felder und reicht somit nicht aus, um die Nitratbelastung in die Lippe und Nebenflüsse so weit zu senken, dass ein guter Zustand erreicht wird«, so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz. Dagegen vermindere eine ökologische Bewirtschaftung nach neuesten Untersuchungen die Stickstoffausträge um 28 Prozent.

»Bei der Auswertung fiel uns auf, dass im Lippeeinzugsgebiet der ökologische Landbau gegenüber anderen Flusseinzugsgebieten eine sehr geringe Fläche ausweist«, sagt Susanne Bareiß-Gülzow. So würden dort weniger als drei Prozent der landwirtschaftlichen Fläche vom ökologischen Landbau bewirtschaftet. Das liege unter dem Durchschnitt von 8,2 Prozent in Deutschland. Der VSR-Gewässerschutz fordert eine Erhöhung der ökologischen Flächen. Dies sei in Anbetracht des politischen Ziels von 20 Prozent ökologisch bewirtschafteter Landflächen bis 2030 nötig. Damit die ökologischen Betriebe auch ausreichend landwirtschaftliche Flächen pachten können, rät der VSR-Gewässerschutz Gemeinden, Kreisen und Kirchengemeinden, ihre landwirtschaftlichen Flächen in Zukunft nur ökologisch bewirtschaften zu lassen.

Hubertus Beringmeier, Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Paderborn, hält das für unverhältnismäßig. Die Belastung für Gewässer käme schließlich auch von Kläranlagen. »Das Problem wird auf die Landwirtschaft abgewälzt«, sagt er.

Großkundgebung im April

Derweil findet eine Großkundgebung am 4. April unter dem Motto »Bauern brauchen Zukunft – Zukunft braucht Bauern!« in Münster statt. Mit dabei sind 180 Landwirte aus dem Kreis Paderborn – insgesamt werde mit 5000 Teilnehmern gerechnet. Erwartet werden Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und NRW-Agrarministerin Ursula Heinen-Esser. »Die neue, fachlich fragwürdige Verschärfung der Verschärfung der Düngeverordnung droht vielen Höfen den Garaus zu machen«, erklärt Beringmeier. Er betont: »Wir wollen unser Wasser sauber halten.« Der Schutz des Grundwassers habe für die Bauern erste Priorität. Doch die neuen Vorschläge seien das bislang letzte Beispiel einer Reihe von immer mehr kostensteigernden Auflagen und Wünschen an die Landwirtschaft. 2017 ist eine neue Düngeverordnung in Kraft getreten, welche die Landwirte vor Herausforderungen stellt. »Vieles in dieser Verordnung ist richtig und wird von den Bauern mitgetragen«, so der Vorsitzende. Es brauche aber Zeit, bis der Erfolg der Maßnahmen der Düngeverordnung Wirkung zeige. Nun jedoch habe das Bundeslandwirtschaftsministerium ohne Absprache einen Vorschlag zur weiteren Verschärfung an die EU gereicht, die die Landwirtschaft auch im Kreis verändern werde.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6501041?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2512560%2F