Ausstellung im Stadtmuseum in Paderborn – mit Video
Zerstörte Synagoge virtuell rekonstruiert

Paderborn (WB). Gut 80 Jahre nach der Reichspogromnacht steht die Paderborner Synagoge wieder – wenn auch nur als Gipsmodell im Stadtmuseum. Sie ist Teil der Ausstellung »Synagogen in Deutschland – eine virtuelle Rekonstruktion«.

Freitag, 29.03.2019, 07:03 Uhr aktualisiert: 29.03.2019, 10:04 Uhr
Der stellvertretende Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Paderborn, Wladimir Verlinsky, die Vorsitzende der Christlich-Jüdischen Gesellschaft, Monika Schrader-Bewermeier, Andreas Brodowski und Verena Koch (Vermessungsamt) sowie Dr. Andreas Neuwöhner (Kulturamt) lassen sich von Dr. Marc Grellert (von links) das Modell der Paderborner Synagoge erläutern. Foto: Jörn Hannemann
Der stellvertretende Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Paderborn, Wladimir Verlinsky, die Vorsitzende der Christlich-Jüdischen Gesellschaft, Monika Schrader-Bewermeier, Andreas Brodowski und Verena Koch (Vermessungsamt) sowie Dr. Andreas Neuwöhner (Kulturamt) lassen sich von Dr. Marc Grellert (von links) das Modell der Paderborner Synagoge erläutern. Foto: Jörn Hannemann

Insgesamt 21 der von den Nationalsozialisten zerstörten jüdischen Gotteshäuser in Deutschland hat Architekt Dr. Marc Grellert von der Technischen Universität Darmstadt mit Computerhilfe aufwändig wieder erstehen lassen. Die von ihm im Jahr 2000 für das Haus der Deutschen Geschichte in Bonn konzipierte Ausstellung ist jetzt erstmals wieder in Deutschland zu sehen, nachdem sie von einer Auslandstournee durch Israel, die USA und Kanada zurückgekehrt ist.

Paderborn ist nur eine von rund 1000 Städten in Deutschland, in denen 1938 die von den Nationalsozialisten in Brand gesetzten Synagogen zerstört wurden. Die Namen der Städte geleiten die Besucher in den Ausstellungsraum, in dem sie sich an mit Bildschirmen ausgestatteten Arbeitstischen ausführlich über die rekonstruierten Bauwerke informieren können.

Blick in den Innenraum möglich

Anhand von historischen Fotos hat die Arbeitsgruppe von Dr. Grellert die jüdischen Gotteshäuser am Computer virtuell nachgebaut. Man kann um die Gebäude herumwandern, sich Details anschauen und einen Blick in die Innenräume werfen. Die Bilder und Videosequenzen wirken wie echte Aufnahmen.

Kulturamts-Mitarbeiter Dr. Andreas Neuwöhner hat nicht nur die ungewöhnliche Ausstellung nach Paderborn geholt. Er hat Marc Grellert auch für die Rekonstruktion der Paderborner Synagoge gewinnen können, die Am Busdorf gegenüber dem Vincenz-Krankenhaus stand und die am 10. November 1938 von den Nazis in Brand gesteckt wurde. Sie lässt sich jetzt wieder zumindest virtuell besuchen.

Das Stadtamt für Vermessung und Geoinformation hat aus der Computeranimation im 3-D-Druckverfahren ein Gipsmodell hergestellt. »Wir haben das Gebäudemodell dafür in fünf Teile zerlegt«, berichtet Mitarbeiterin Verena Koch. »Der Druck eines jeden Gebäudeteils hat dann zwischen 14 und 18 Stunden gedauert.« Die Mühe hat sich gelohnt: Durch ein offen gelassenes Segment des achteckigen Gebäudes lässt sich ein Blick in den Innenraum werfen, in dem unten Platz für 200 Männer und auf der Galerie für 150 Frauen gewesen ist.

Hörstation mit Zeitzeugenberichten

Neue Ausstellung im Stadtmuseum zeigt Rekonstruktion der Paderborner Synagoge

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  • Foto: Jörn Hannemann
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  • Foto: Architectura Virtualis / Dr. Marc Gellert
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  • Foto: Jörn Hannemann
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»Wir konnten auf gute Fotografien zurückgreifen, die es erlaubten, die Proportionen der Paderborner Synagoge genau zu treffen«, erläutert der Darmstädter Wissenschaftler. »Nur vom Innenraum gibt es keine Aufnahmen, so dass wir hier bei der Rekonstruktion auf Farbe verzichtet haben.«

An einer Hörstation kann man Berichten von Zeitzeugen lauschen, die Marc Gellert nicht nur in Deutschland, sondern auch in Tel Aviv und in den Vereinigten Staaten aufgesucht hat. Eines der wenigen erhaltenen Filmdokumente zeigt die brennende Bielefelder Synagoge. Dazu gibt es einen fünfminütigen Animationsfilm über die ehemalige Paderborner Synagoge.

Eröffnet wird die Ausstellung, die bis zum 30. Juni gezeigt wird, am Sonntag, 31. März, um 15 Uhr im Stadtmuseum am Abdinghof. Schon von Samstag an ist aber ein Besuch möglich. Zur Ausstellung werden gezielte museumspädagogische Begleitprogramme für Schulklassen der Sekundarstufe I und II angeboten.

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