Mo., 01.04.2019

Düngeverordnung: Bauern sehen Existenzen bedroht Landwirten stinkt’s

Gegen die erneute Novellierung der Düngeverordnung ist eine Großkundgebung in Münster geplant. »Diese Verschärfungen bedrohen die gesamte Landwirtschaft«, so Hubertus Beringmeier, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes.

Gegen die erneute Novellierung der Düngeverordnung ist eine Großkundgebung in Münster geplant. »Diese Verschärfungen bedrohen die gesamte Landwirtschaft«, so Hubertus Beringmeier, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes. Foto: Florian Pottkamp

Paderborn (WB). Die erneute Novellierung der Düngeverordnung stinkt den Landwirten: Unter dem Motto »Bauern brauchen Zukunft – Zukunft braucht Bauern« veranstaltet der Bauernverband Westfalen-Lippe am Donnerstag, 4. April, eine Großkundgebung in Münster auf dem Domplatz; und das mit großer Beteiligung aus dem Kreis Paderborn.

Rund 5000 Teilnehmer – auch aus den vor- und nachgelagerten Bereichen des grünen Berufszweiges – und etwa 150 Trecker werden erwartet. »Aus dem Kreis Paderborn werden sich 220 Landwirte mit vier Bussen, 23 Schleppern und Privatautos zur Kundgebung auf den Weg machen«, erklärt Hubertus Beringmeier, Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Paderborn, auf Nachfrage dieser Zeitung.

»Die neue, fachlich fragwürdige Verschärfung der Verschärfung der Düngeverordnung droht vielen Höfen den Garaus zu machen«, sagt der Vorsitzende. »Wir werden mit der Großkundgebung deutliche Zeichen an die Politik richten.«

Gleichzeitig betont Beringmeier: »Wir wollen unser Wasser sauber halten.« Doch die neuen Vorschläge seien das bislang letzte Beispiel einer Reihe immer mehr kostensteigernder Auflagen und Wünsche an die Landwirtschaft. »Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem sich Politik und Gesellschaft entscheiden müssen, ob sie auch künftig noch eine von bäuerlichen Familienbetrieben getragene flächendeckende Landwirtschaft in Deutschland wollen«, untermauert Beringmeier. »Wir brauchen dringend eine ehrliche Diskussion, unter welchen Voraussetzungen dies möglich ist.«

Zeichen der Dialogbereitschaft

Weiter solle die Kundgebung ein deutliches Zeichen für die Dialogbereitschaft der Landwirte setzen: »Wir wollen vor Ort unsere Bemühungen beim Wasser- und Artenschutz zeigen.«

Ihren Unmut haben heimische Landwirte schon am Mittwoch beim sechsten Zukunftsforum Landwirtschaft in Scharmede kundgetan. 200 Landwirte aus dem Kreisgebiet kamen, um ihren Frust über die geplante Verschärfung und andere Belastungen abzulassen.

Den Zorn bekamen vor allem die politischen Vertreter zu spüren. »Die Stimmung war explosiv«, berichtete Bundestagsabgeordneter Carsten Linnemann. »Die Landwirte haben den berechtigten Eindruck, von allen Seiten in die Enge getrieben und unter Generalverdacht gestellt zu werden. Landwirte sind aber keine Kriminellen, Tierquäler oder Umweltverschmutzer«, so Linnemann.

Albert Stegemann ist Referent

Als Referent stellte sich Albert Stegemann, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Ernährung und Landwirtschaft der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und selbst Landwirt, der Diskussion, die neben Ferkelkastration, Glyphosat und Zuckerrübenanbau vor allem um die neue Düngeverordnung kreiste. So berichtetet er, dass voraussichtlich ab Mai 2020 Landwirte in nitratbelasteten Gebieten einige Getreidesorten und Nutzpflanzen im Herbst nicht mehr düngen dürfen. Die Menge soll ebenfalls reduziert werden, im Schnitt um 20 Prozent.

»Die Politik ist gerade dabei, einen ganzen Berufsstand zu vernichten«, war eine der Wortmeldungen, die Stegemann entgegenschlugen. Stegemann dämpfte zwar die Erwartungen auf eine vollständige Zurücknahme, da sonst Strafzahlungen der Europäischen Union drohten. »Wir befinden uns aber in Gesprächen mit der EU-Kommission über die 20 Prozent Unterdüngung, die fachlich und strukturpolitisch sehr problematisch ist«, sagte Stegemann.

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