Mi., 03.04.2019

Ausweitung der Sperrzeiten auf dem Truppenübungsplatz befürchtet Bürger fordern offene Senne

Von Ingo Schmitz und Monika Schönfeld

Paderborn (WB). Täglich 30 Kilometer Umweg zur Arbeit nach Stukenbrock: Für Olaf Weeke aus Schlangen sowie andere Pendler hat die Sperrung des Truppenübungsplatzes Senne erhebliche Nachteile. Bürger befürchten, dass es bei einer weiteren Zunahme des Übungsbetriebs zu einer Vollsperrung kommen könnte. Sie fordern die Politiker der Anrainerkommunen zum Handeln auf.

Die Bürgerinitiative »Schlangen 4.0« hat mit ihrer Aktion »Open Senne« den Stein ins Rollen gebracht. Deren Sprecher Henning Schwarze bezieht sich auf ein internes Schreiben des britischen Brigadegenerals Richard Clements an politische Vertreter. Demnach könnten die Sperrzeiten auf dem Truppenübungsplatz vom kommenden Jahr an wegen des möglicherweise zunehmenden Übungsbetriebs auf bis zu 50 Wochen ausgedehnt werden. Spaziergänge, Radtouren oder die Nutzung der Verbindungsstraßen zum Beispiel zwischen Schlangen und Augustdorf wären damit gänzlich ausgeschlossen.

Mike Whitehurst, Sprecher der Britischen Streitkräfte in Deutschland, betont, dass es sich bei der Formulierung »möglicherweise bis zu 50 Wochen« um eine sehr vage Maximalangabe handele, die wohl nicht erreicht werde. Allerdings: Noch stehe überhaupt nicht fest, wie intensiv die britischen Streitkräfte und andere Nato-Partner den Platz künftig nutzen werden. Das Konzept werde in den kommenden Monaten erarbeitet, erklärte Whitehurst.

Beliebte Abkürzung für Autofahrer

 

Die Senne ist seit Jahrzehnten militärisches Übungsgelände mit einzigartigen Trainingsmöglichkeiten sowie Naturparadies und beliebte Abkürzung für Autofahrer: Dort treffen viele Interessen aufeinander, die bisher nachbarschaftlich gut gelöst worden seien, sagt Paderborns Landrat Manfred Müller. Mit Blick auf die drohende Ausweitung der Sperrzeiten sei er zuversichtlich, dass man mit den Briten auch in Zukunft eine gute Lösung finden werde.

Das aber ist den Mitgliedern der Initiative »Schlangen 4.0« zu wenig. Sie berufen sich auf die Sennevereinbarung, die im Mai 1989 von der Bundesfinanzverwaltung, den Britischen Streitkräften und den damaligen Vertretern der Kreise Gütersloh und Paderborn, der Städte Paderborn und Bad Lippspringe sowie den Gemeinden Hövelhof, Schlangen und Schloß Holte-Stukenbrock unterzeichnet worden ist. Darin ist geregelt, dass die Senne montags bis freitags von 7.30 bis 16.15 Uhr und freitags von 7.30 bis 13.15 Uhr gesperrt ist. In den vergangenen Monaten, so bestätigen Anwohner Olaf Weeke, Initiator Henning Schwarze sowie auch Mitarbeiter der Range Control sei die Senne kaum geöffnet gewesen. Das gilt auch für die laufende Woche.

Sperrzeiten

Die Sperrzeiten werden unter anderem auf den Internetseiten der Anrainergemeinden veröffentlicht. Wer dort durchfahren will, muss sich also erst informieren, damit er nicht vor der verschlossenen Schranke steht. Whitehurst kündigte gestern an, dass man von Seiten der Streitkräfte über­lege, den Service für die Bürger auszuweiten. Denkbar wäre zum Beispiel eine Handy-App, die über die Öffnungszeiten informieren könne. »Dazu sind wir nicht verpflichtet. Denn in erster Linie ist der Truppenübungsplatz militärisches Gebiet und ein gefährlicher Ort«, betont Whitehurst.

Schloß Holte-Stukenbrocks Bürgermeister Hubert Erichlandwehr sagt hingegen: »Die Senne lebt von den kurzen Wegen und dem touristischen Erlebnis.« Zuletzt seien die Straßen häufig geschlossen gewesen. »Wir haben erfahren, dass das mit dem geänderten Haftungsrecht zusammenhängt. Deshalb sind die Briten vorsichtiger geworden. Wir haben aber deutlich gemacht, dass es uns wichtig ist, dass Autofahrer den Weg über den Truppenübungsplatz nach Detmold, Schlangen, Bad Lippspringe oder Augustdorf als Abkürzung nutzen können.« Er akzeptiere die Nutzung durch das Militär. »Aber es muss ein Geben und Nehmen bleiben.«

Kommentare

Die Senne ist militaerisches Sperrgebiet. Das Millitaer kann
die Senne 365 Tage sperren, wenn es fuer noetig befunden wird.
Soldaten ueben nicht nach geregelten Arbeitszeiten, haben
keine 40 Stundenwoche, sie erhalten einen Sold pro Tag,
keinen Stundenlohn. Sie ueben folglich auch in der Nacht, frueh
und spaet.

Kriege finden ja auch nicht Mo-Fr von 7.30-16.30 statt
Wochenende kriegsfrei gabs auch noch nicht.

Handy-App gibt es schon

Die von Herrn Whitehurst angedachte Handy-App gibt es bereits. Sie nennt sich Sennesperrzeiten und ist bei Google im Play Store kostenlos erhältlich.

Erwartungshaltung

Ein Weg über den Truppenübungsplatz ist Teil des Truppenübungsplatzes. Panzer- und Panzerringstraßen sind nicht nur Zubringer für übende Truppenteile, sie sind Bestandteil des Übungsgebietes. Das aus diesem Grunde ist eine Sperrung während laufender Übungen selbstverständlich und konsequent. Aus dem Umstand, dass die "Abkürzung" unter Umständen für den öffentlichen Individualverkehr freigegeben wird, kann doch kein Grundsätzlicher Anspruch auf Nutzung resultieren. Was für eine Erwartungshaltung tritt hier zu Tage und welche Arroganz kommt zum Vorschein, wenn der Herr Bürgermeister Erichlandwehr die Nutzung eines Truppenübungsplatzes für Übungen durch Truppen "akzeptiert"? Hier wird eine völlig verkorkste Scheindebatte geführt.

3 Kommentare

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