Mi., 03.04.2019

Regeln im Luftraum trotz Beinahezusammenstoß gelockert Pilotengewerkschaft sieht Unfallgefahr in Paderborn

Von Florian Weyand

Paderborn (WB). Die Pilotengewerkschaft Cockpit befürchtet ein erhöhtes Risiko von Zusammenstößen in der Luft am Flughafen Paderborn . Hintergrund der Warnung ist eine Lockerung der Luftraumregeln durch das Bundesverkehrsministerium.

Im Kern geht es um den Verzicht auf Funkkontakt. »Diese Entscheidung gefährdet Piloten und Passagiere«, kritisiert Cockpit-Vorstandsmitglied Björn Reimer gegenüber dem WESTFALEN-BLATT. Gerade mit Blick auf einen Zwischenfall im Juli 2018 sei diese Entscheidung nicht hinzunehmen.

Bei dem Vorfall kam es über dem sauerländischen Meschede zu einer Beinahekollision zwischen einem Segelflieger und einer Passagiermaschine des Typs Embraer 190, die sich im Landeanflug auf den Flughafen in Büren befand. Zwar kamen beide Flugzeuge sicher an ihr Ziel, doch bei der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung dokumentierte man den Fall als »eine schwere Störung«, wie BFU-Pressesprecher Germout Freitag berichtet.

Piloten müssen sich nicht mehr per Funk beim Tower melden

Dennoch wurden die Regeln im Paderborner Luftraum gelockert. Das Bundesverkehrsministerium weist diesem Gebiet seit dem 28. März nun die Klasse E und nicht mehr die Klasse D zu. Das bedeutet laut Cockpit, dass Piloten sich – egal ob in einer Passagiermaschine oder in einem Segelflugzeug – über Funk nicht mehr beim dortigen Tower melden müssen. Die Pilotengewerkschaft sieht das als Sicherheitsrisiko.

Dass alle Maschinen auch nach der Änderung weiter über einen Transponder verfügen müssen, der den Fluglotsen Daten wie Höhe und Geschwindigkeit übermittelt, spiele nach der Einschätzung der Pilotenvereinigung keine Rolle. »Ohne Funkkontakt ist es den Fluglotsen oft nicht möglich, Verkehrsflugzeuge zu staffeln und zuverlässig einen sicheren Abstand herzustellen«, kritisiert Reimer.

Deutscher Aero-Club begrüßt die Entscheidung

Die Ordnung des Luftraums in Deutschland erfolgt einmal im Jahr durch das Bundesverkehrsministerium. Zuvor trifft sich im Herbst eine Expertengruppe zur so genannten Luftraumkonsultation. An dieser Runde nehmen außer Sprechern der Fluggesellschaften sowie dem Deutschen Aero-Club auch Vertreter der Deutschen Flugsicherung, der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung sowie die Pilotengewerkschaft Cockpit teil.

Beim Deutschen Aero-Club, der 150.000 Mitglieder vertritt, begrüßt man die Änderung der Luftraumklasse. Für Hobbysportler galt im Raum über Paderborn aufgrund geographischer Bedingungen sowie der Klasse D zuvor eine »faktische Luftraumsperre«, wie Habbo Brune vom Aero-Club erklärt. Ein Sicherheitsrisiko sieht der Experte für den Luftraum über Paderborn nach der Änderung nicht. In unmittelbarer Nähe des Flughafens dürfe auch trotz der Lockerung niemand ohne die Freigabe der Fluglotsen fliegen.

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