Konzept sieht Aufbau von 335 Ladesäulen bis 2028 vor – mehr Parkraum benötigt
E-Autos stellen Stadt vor neue Aufgaben

Paderborn (WB). Die Elektromobilität wird vom Jahr 2022 an in Paderborn deutlich an Fahrt aufnehmen. Davon gehen jüngste Prognosen aus. Wo die Autos künftig geladen werden sollen, damit befasst sich nun die Stadt Paderborn.

Freitag, 05.04.2019, 06:00 Uhr
Am Maspernplatz kann schon heute Strom getankt werden. Foto: Jörn Hannemann
Am Maspernplatz kann schon heute Strom getankt werden. Foto: Jörn Hannemann

Aktuell gibt es rund 200 E-Fahrzeuge im Stadtgebiet Paderborn. Auch für die beiden kommenden Jahre wird zunächst nicht mit erheblichen Zuwächsen gerechnet. Von 2022 an werde sich der Bestand aber verzehnfachen. Das sind die Prognosen des E-Mobilitätskonzepts, das für die Stadt Paderborn erarbeitet worden ist.

Die zu erwartenden deutlichen Zuwächse werden damit begründet, dass immer mehr E-Modelle auf den Markt rollen und damit wohl auch die Preise sinken werden. Die Studie geht davon aus, dass im Jahr 2025 rund 13.600 E-Autos im Stadtgebiet unterwegs sein beziehungsweise parken werden. Im besten Fall geht man sogar von knapp 30.000 aus.

Aktuell gibt es 26 öffentliche Ladesäulen in Paderborn

Für diese Fahrzeuge müsse auch die Ladeinfrastruktur ausgebaut werden. Nach Angaben der Experten sei bis zum Jahr 2022 mit einem überschaubaren Investitionsbedarf zu rechnen. Doch danach steige der Bedarf rasant, so die Prognose von Dr. Stefan Sauer von der Uni Paderborn (SICP).

Nach deren Zahlen gibt es aktuell 26 öffentliche Ladesäulen im Stadtgebiet. Spätestens im Jahr 2022 müssten es 73 und im Folgejahr schon 129 sein. Für 2025 wird ein Bedarf von 211 sowie für das Jahr 2028 von 335 Ladesäulen erwartet. Diese seien nicht nur auf den insgesamt 18 innerstädtischen Parkplätzen und Parkhäusern wie Maspernplatz und Königsstraße zu errichten, sondern auch in den Stadtteilen, forderte Sauer. Pro Ladesäule sei mit Kosten in Höhe von 2500 Euro zu rechnen. Man gehe aber davon aus, dass durch neue Entwicklungen die Kosten auf unter 1000 Euro sinken werden, sagte Sauer im Betriebsausschuss.

Die Experten gehen davon aus, dass 80 Prozent der E-Auto-Besitzer in der heimischen Garage oder am Arbeitsplatz den Akku auffüllen werden. Die Ladesäulen auf den öffentlichen Parkplätzen würden nicht nur für Anwohner benötigt, die keine Garage haben, sondern auch für Pendler, Gäste und Touristen. Wie hoch der Bedarf tatsächlich sei, sei aber schwer zu sagen.

Experten empfehlen »Leitstelle Elektromobilität«

Daher empfehlen die Experten, die aktuelle Nutzung der Ladesäulen weiter zu beobachten und daran orientiert den Ausbau voranzutreiben. Das Energienetz der Stadt Paderborn sei darauf gut vorbereitet. Unklar sei jedoch, wie sich die Tankstellen-Betreiber zur E-Mobilität aufstellen werden. Dort sei wohl eher mit dem Einsatz von Schnellladesäulen zu rechnen, die ein Vielfaches von den »normalen« Ladepunkten kosten. Daher sollte sich die Stadt in diesem Bereich zurückhalten, lautete eine Empfehlung.

Geklärt werden soll nun, ob sich die Stadt Paderborn, Westfalen Weser Netz oder die Stadtwerke mit dem Ausbau des Ladesäulen-Netzes weiter befassen soll. Empfohlen wird zudem die Einrichtung einer »Leitstelle Elektromobilität«. Sie könnte Anlaufpunkt für Personen sein, die privat eine Ladestation installieren möchten, oder Firmen, die Parkplätze mit Ladesäulen ausstatten wollen. Eines sei jetzt schon klar, betonte Kämmerer Bernhard Hartmann. Man werde für den Übergang mehr Parkraum benötigen.

Kommentar

Die E-Mobilität kommt mit aller Wucht. Spätestens in vier Jahren wird sich die Zahl der E-Autos vervielfacht haben. Es ist gut, dass die Stadt Paderborn schon jetzt ihre Hausaufgaben macht und in ihrer Planung den Aufbau der nötigen Ladesäulen im Blick hat. Ob es allerdings Aufgabe der Kommune sein kann und muss, die Infrastruktur mit vollem Risiko zu betreiben, kann man bezweifeln. Dafür gibt es andere Spieler am Markt, die dieses Geschäft sicher besser beherrschen. Die Stadt tut gut daran, sich passende Partner zu suchen. Die sollten dann auch möglichst zügig eine »Leitstelle E-Mobilität« zur Beratung der Verbraucher aufbauen.   Ingo Schmitz

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