Mo., 15.04.2019

Spaßmacher mit afghanischen Wurzeln in der ausverkauften Paderhalle Kawusi ist ein Comedy-Schwergewicht

Faisal Kawusi kokettiert gern mit seiner Leibesfülle.

Faisal Kawusi kokettiert gern mit seiner Leibesfülle. Foto: Michael Welling

Von Michael Welling

Paderborn (WB). Wenn Kabarettisten ihren Migrationshintergrund zum zentralen Thema ihres Comedy-Materials machen, dann sorgt das auch in Paderborn oft für volle Häuser.

Mit Faisal Kawusi steht am Freitagabend ein in den letzten Jahren bundesweit sehr erfolgreicher afghanischer Vertreter seiner Zunft mit seinem Programm »Anarchie« auf der Bühne der restlos ausverkauften Paderhalle. »Überraschung, dies ist keine Fernsehen – ich kann euch auch sehen!«, begrüßt er sein schnell begeisterungsfähiges Publikum mit einem Seitenhieb auf seine momentan häufige Fernsehpräsenz.

Sein Programm hat eigentlich keinen roten Faden. Verbale Spitzfindigkeiten und genialen Wortwitz sucht man beim Wahl-Kölner vergebens, aber genau das macht ihn so sympathisch. Faisal Kawusi redet scheinbar völlig frei, erzählt Geschichten aus seiner Kindheit, aus seinem Alltag und von seiner Familie und sucht dabei immer wieder den direkten Dialog mit dem Publikum. Das ist ein zentraler Bestandteil seines Programms, in dem er immer wieder mit seinen afghanischen Wurzeln und seiner unübersehbaren Leibesfülle kokettiert: »Ich bin ein Comedy-Schwergewicht.«

Traumjob Autoscooter-Einparker

Dabei nimmt der gelernte Bankkaufmann, dessen Traumjob »Einparker beim Autoscooter war«, sich ständig selbst auf die Schippe frei nach dem Motto »Ich beleidige mich selbst, bevor du es machen kannst.«

Im Publikum hat er sich schnell Zuschauer herausgepickt, die für einen Running-Gag herhalten müssen. Den 13-jährigen Merlin aus Brakel zum Beispiel, dem er mit Hinweis auf seine nicht immer ganz jugendfreien Beiträge verspricht: »Du wirst heute viele neue Wörter lernen.« Nicht jeder Witz zündet, zum Beispiel wenn Kawusi erzählt, dass er auf Frauen steht, die kochen und putzen, »da Liebe nicht nur durch den Magen, sondern auch durch den Flur geht« – na ja.

Stolz auf den deutschen Pass

Wirklich witzig dagegen seine Aufklärung über »Tinder« oder die heutigen Ärzte, die selbst bei Schwangerschaft die Diagnose stellen »Da geht grad was rum.« Manchmal wird er auch ansatzweise politisch: »Über die AfD mache ich keine Witze, es macht keinen Sinn, Witze über einen Witz zu machen.« Wählen solle man sie trotzdem, heiße doch AfD »Afghanen für Deutschland.« Besonders stolz ist er auf seinen deutschen Pass. »Ich bin der beste Kanake Deutschlands. Ich bin so gut integriert – ich habe sogar Lactose-Intoleranz.«

Bühnenbild und Lichtshow sind gegenüber seinem letzten Programm im Vorjahr an gleicher Stelle aufwendiger geworden. Er selbst hat sich nicht verändert. Der Komiker schafft es immer wieder, lautes Gelächter auszulösen und das Publikum mit einzubeziehen, ob es will oder nicht. Mit einem schier unerschöpflichen Vorrat an Grimassen und Mut auch zur körperlichen Verrenkung streut er auch schon mal gebrauchte Witze ein. Das Publikum verzeiht es ihm und fühlt sich zwei Stunden prächtig unterhalten, was nicht zuletzt der tosende Schlussapplaus beweist.

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